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7. Juni 2020

Lichtspruch von Ozelot

by

Ozelot

Per Lichtspruch via schneller Kreuzer Orion an Mr. Lush, City of Westminster.

Caro Mio,

heute eine kleine Geschichte. Im schlüpfrigen Venedig war ich auf der Suche an einer Tränke. Schön der Nase nach und durch eine kleine Kellertür geschlüpft, stehe ich in einem warmen Raum mit Tresen und einigen lichtscheuen Individuen – am Ärmel ein leichtes Zupfen. Sie erraten nicht, wen ich dort antraf. Aloysius! Ja, der gute Freund und Begleiter von Lord Flyte sel. A.

Unter uns: Er ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, einige Nähte haben sich gelöst und ein wenig der Holzwolle sucht den Weg nach draußen, nichts was ein guter Schneider nicht wieder kaschieren könnte, sonst ganz der Alte.

Eins muss ich dem guten Aloysius ja lassen, es gelingt ihm doch immer wieder sich an Jungs zu schmeißen, die dann ihre Finger nicht von ihm lassen können – dieser Liederjan. Dabei sucht er sich doch immer Herren aus, die entfernt an Lord Flyte erinnern – zumindest was die äußere Gewandung anbelangt. Dies konnte ich gut an diesem Abend beobachten, denn wenige Minuten nachdem ich Platz genommen hatte, kam so ein Früchtchen – um die 20 Jahre, eine Mischung aus Vollmilch und Blut, strahlend und lachend – und brachte zwei Getränke. Um seine Lippen kräuselte sich für einen Moment Verwunderung als er die Katze am Tisch bemerkte. Aber wer mit einem Teddy unterwegs ist, kann mit allem rechnen. Daher fragte er nach meinem Getränkewunsch, machte seinen Diener und wandte sich der Bar zu.

Aloysius zwinkerte mir zu und meinte: „Ist das nicht ein Prachtstück?“ Ich nickte und fragte in welchem Palazzo er den Herren eingesammelt hätte. Aloysius grinste – nicht in Venedig, sondern in Berlin sei der Herr ihm zugelaufen. Ich stöhnte – also auch Aloysius ist Berlin auf den Leim gegangen. Höflichkeitshalber frage ich noch nach den Umständen. Er antwortete, auf der Suche nach einem Präsent sei er bei einem Herrenausstatter eingetreten: „Der hieß, nun ich glaube Murks oder Großer Murks, da saß das Prachtstück und erfreute sich an seinem neuen Anzug. Ich konnte nicht anders und sprang in die Seitentasche. Und nun machen wir einen kleinen Ausflug.“ Der Abend verlief wie ein Abend mit Aloysius verläuft – herzlich plaudernd und genüsslich die dreckige Wäsche anderer waschend.

Für einen Moment war der junge Galan verschwunden und die Temperatur von Aloysius änderte sich. Er äußerte noch, dass die Anzüge von heute doch eine bessere Reisemöglichkeit darstellen als in der Vergangenheit. Die Stoffe seien leichter und kuschliger. Aber was in diesen Anzügen steckt, sei eine andere Sache. Ich war für den Moment nicht sicher auf was der Teddy hinauswollte. „Nun diese Herren redeten über Quartalsberichte oder vergaloppierten sich in der Nachhaltigkeit und Schwadronierten über Selbstoptimierung daneben beten sie eine Maschine an. Ja so ein Ding, was immer zum unpassenden Moment unerklärliche Geräusche macht und einige Male hat es doch tatsächlich in der Tasche vibriert, wie ein Dildo. Aber von der Sünde haben diese Herren rein gar kein Verständnis. Wo bleiben da denn die Unterhaltung und das Vergnügen? Was war doch Flyte für ein zauberhafter und verlässlicher Sünder. Mit ihm war ich immer in bester Gesellschaft. Diese neue Art ist nicht in der Lage zu sündigen, da sie damit beschäftigt ist, sich oder gleich die ganze Welt zu verbessern – Himmel hilf!“

Ich merke kurz an: „Ja, der eine hängt an den Fäden des Glaubens der Väter, der andere an den Fäden der Selbstvergötterung.“ Aber beide seien doch nur Marionetten. Der Teddy warf erbost zurück: „Ganz und gar nicht. Der eine gibt den Macbeth, der andere aber den Hanswurst“. Daraufhin erwiderte ich trocken: „Hegel bemerkte irgendwo, dass sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“

Der Galan war an den Tisch zurückgekehrt und meinte, dass es nun Zeit sei zu gehen. Aloysius winkte und entschwand ins Dunkel der Bar. Trank den Between the Sheets aus und wandelte ins Hotel. 

Hier nun meine Buchempfehlung: Lesen Sie doch von Karl Marx „Der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon“. Dort wird der Gedanke der Wiederkehr als Farce herrlich bebildert. Ach, lieber Amici, ich sehne mich nach den Kaminen von London, habe mir doch in dieser feuchten Stadt einen Katzenschnupfen geholt.

In questo senso vi mando la mia sincera nostalgia di casa, Ozelot.

Sommerferien 2020

Sehr geehrte Damen und Herren, 

 

von Sonntag, dem 16.08.2020, bis einschließlich Montag, den 07.09.2020, bleibt das Atelier geschlossen. Wir freuen uns darauf, Sie im September wiederzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Maximilian Mogg