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4. Juli 2019

Ein Amerikaner in Paris

by

Noah Werner Winslow

Meine Begeisterung für Gene Kelly hielt sich schon immer in Grenzen.

Neben Cary Grant und Fred Astaire wird er zwar immer wieder als einer der bestgekleideten Vertreter des alten Hollywoods genannt, aber für meinen Geschmack war Gene Kelly immer etwas zu simpel. Zweifellos, er war gutaussehend – das schadet nie – und die Charaktere, die er spielte, waren ansprechend, locker und unkompliziert. Bei Romanzen und Musicals ist das aber auch keine Überraschung. Cary Grant, im Gegenzug, spielte oftmals Thriller und Dramen.

In To Catch a Thief ist Grant ein ehemaliger Einbrecher. Er wird zu Unrecht eingesperrt, entkommt und befindet sich nun auf der Flucht vor der Polizei. Gene Kellys Charakter in An American in Paris hingegen ist ein verarmter, romantischer Künstler, dessen einzige Sorge eine unerwiderte Liebe ist. Sie merken selbst: der Vergleich hinkt.

Ich bin jedoch nicht der Überzeugung, dass Grants Charaktere durchweg ungeschönt oder realistisch waren – oftmals waren sie ähnlich abstrus wie die von Kelly. Trotzdem waren sie immer interessanter anzusehen: Grants Charaktere hatten komplexe Vorgeschichten oder eine zerrüttete Vergangenheit. Genau diese fehlende Perfektion, die kleinen Macken, machen sie packender und greifbarer.

Doch weshalb lasse ich mich an dieser Stelle darüber aus, dass ich Gene Kelly noch nie so richtig leiden konnte? Da ich mich in dieser Kolumne mit Paris befasse, ergibt sich der Titel An American in Paris. Da liegt es nahe, den gleichnamigen Film zum Vorbild zu nehmen.

Meine Zeit in Paris hat allerdings nur sehr wenig mit der Filmromanze von Gene Kelly gemein – ich war zunächst einmal ein einfacher Tourist.

Ich traf an einem verregneten Nachmittag ein. Bei diesem Wetter blieb ich, selbst, wenn mein Mantel noch so dick gewesen wäre, nicht trocken. Und so begab ich mich, direkt aus der Gare du Nord getreten, auf die Suche nach einem Unterschlupf. Das nächstbeste Café bot zwar Zuflucht, es war jedoch, wie alle Cafés in Bahnhofsnähe, trist und vollkommen überteuert. Naja, c’est la vie.

Nach diesem dürftigen Empfang machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt. Ohne Ziel und durch puren Zufall entdeckte ich einige wunderschöne Gässchen, Seitenstraßen und Arkaden.

An dieser Stelle ergriff mich ein ganz besonderes Gefühl, und die Tradition der Pariser Straßencafés war gerettet. Im Vergleich zum Bahnhofscafé fühlte ich mich hier sehr viel wohler aufgehoben. Während ich die Szene so betrachtete, stellte ich mir vor, wie ich, als American in Paris, wohl gerne gekleidet wäre.

Ein dunkelgrauer Seidenanzug würde sehr gut ins Bild passen. Selbstverständlich zweireihig, mit feinen Details, die die subtile Atmosphäre des Ortes sowie die Tradition der französischen Schneiderei und der Haute Couture reflektieren. Das Jackett hätte zwei gerade Taschen und das Revers jeweils ein Mailänder Knopfloch. Dazu eine weitgeschnittene Hose mit allem Drum und Dran: breite Umschläge, abgeschrägte Taschen, doppelte Bundfalten und zwei Gesäßtaschen mit Patten. Kombinieren würde ich den Anzug mit einer Regimentskrawatte aus Shantung-Seide, einem Hemd mit Kentkragen und schwarzen Oxfords. Ein opulenter Anzug mit all den exzessiven Details, um der Kultur gerecht zu werden, die mich umgab.

Mein nächster Halt – wer hätte es gedacht? – war eines der vielen Pariser Museen: Das Rodin Museum, im Schatten zwischen Musée de L’Armée und Eiffelturm, stand ganz oben auf meiner Liste. Die Werke des Urvaters der Modernen Skulptur konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Diese Mischung aus Kultiviertheit und schwerfälliger Tradition, auf der einen Seite, und der Avantgarde, dem Neuartigen, auf der anderen, macht Paris so faszinierend und einzigartig. Fast zur gleichen Zeit, zu der auch Rodin in Paris lebte, inspirierte diese Mischung auch einige meiner Landsmänner, nach Paris zu kommen. Ernest Hemingway, Gertrude Stein und die Fitzgeralds, um nur einige Namen zu nennen, kamen nach dem 1. Weltkrieg für einige Jahre nach Paris.

So schien es mehr als angebracht, das Lebensgefühl dieser Modernisten auch stilistisch aufzugreifen. Soll heißen: bloß kein einfallsloser Businessanzug! Also trug ich das, was gleichermaßen für französische Bauernbekleidung und für künstlerische Zerzaustheit steht: Cord. Der Stoff des Anzugs ist hellbeige und die Jacke ist doppelreihig. Er ist insgesamt sehr schlicht gehalten und ohne große Schnörkel – genau so wie Hemingways geradliniger Schreibstil. In Kombination trug ich einen cremefarbenen Rollkragenpullover und den Klassiker des amerikanischen Trad Stils: Cordovan-Loafer.

Insgesamt könnten diese beiden Outfits also kaum unterschiedlicher sein: einerseits ein sehr feiner Seidenanzug und anderseits ein robuster Cordanzug. Dennoch passten beide sehr gut zur französischen Hauptstadt und dem Temperament, das sich zugleich aus Exzentrik und Minimalismus ergibt. So war ich zwar kein Charakter aus einer der Romanzen mit Gene Kelly, aber ich war verliebt – verliebt in eine Stadt. Und wenn ich das nächste Mal nach Paris komme, verliebt wie ich bin, dann vielleicht doch wie ein Charakter von Gene Kelly.    NWW/YS/DPFC/MM/JHS

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