Der SMEXY Guide von MAXIMILIAN MOGG für West-London - Part 1
London war für uns schon immer mehr als nur eine Stadt, die wir regelmäßig geschäftlich besuchen. Die geschäftlichen Besuche geben uns nur einen ausgezeichneten Grund, unserem inneren Austin Powers freien Lauf zu lassen - "Groovy, baby!".
Kaum eine andere Stadt versteht es so gut, Internationalität, Tradition und Exzentrik miteinander zu verbinden - man denke nur an die schwedische Penispumpe von Austin Powers. Man trägt selbstverständlich einen gut geschnittenen Anzug, trinkt selbstverständlich Martini und denkt selbstverständlich, dass nur die Briten - und die Japaner - auf der richtigen Seite der Straße fahren.
Im London, das WIR mögen, werden diese drei Themen immer noch hochleben gelassen - denken Sie jetzt bitte nicht mehr an die schwedische Penispumpe von Austin Powers. Restaurants, Bars, Buchhandlungen und andere Institutionen, die weder besonders modern noch besonders bemüht sind, es zu werden. Orte, an denen man sich seiner Geschichte bewusst ist, ohne ständig darüber sprechen zu müssen.
Hier sind sechs unserer liebsten Adressen des Londoner Westens. Very SMEXY indeed.
L'Escargot
L'Escargot ist eines der ältesten französischen Restaurants Londons und liegt mitten in Soho. Seit 1927 wird hier französisch gekocht, getrunken und gelebt. Bisweilen ein bisschen stuffy, aber je nachdem tut das auch manchmal gut.
Mit seinen roten Samtbänken, Kunst an den Wänden, ein wenig Belle Époque und einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen Pariser Salon und Londoner Bohème liegt, ist es definitiv eher auf der exzentrisch eleganten als auf der modern gediegenen Seite der Dinge. We like!
Bestellen Sie die namensgebenden Schnecken mit Knoblauchbutter, trinken Sie einen guten Burgunder und lassen Sie sich Zeit dabei. ... und zählen Sie keine Kalorien.
Guinea Grill
Seit dem 15. Jahrhundert wird an dieser Stelle in Mayfair ausgeschenkt. Das Guinea Grill selbst existiert seit 1952 und ist für uns eine jener wunderbar britischen Institutionen, die sowohl beim jungen als auch beim älteren Publikum jeden Abend Anklang findet. Vergessen Sie an dieser Stelle bitte nicht, dass in London an jedem Abend (gut) getrunken wird.
Dunkles Holz, (wieder) rote Polster, ein ordentlich gezapftes Guinness und ein sehr Sloane-iges Publikum. Im hinteren Restaurant dreht sich vieles um ausgezeichnetes britisches Rindfleisch; wir empfehlen aber vor allen Dingen die verschiedenen Pot Pies. Vorne im Pub geht es vor allem um die schönen britischen Dinge des Lebens: Bier, Konversation und die gelegentliche, manchmal geheime Verabredung, die aus einem Drink drei macht.
Kommen Sie auf ein Pint und bleiben Sie zum Essen. Oder andersherum. Oder nur eins von beidem.
Heywood Hill
Es gibt Buchhandlungen, in denen man Bücher kauft - Sie kennen sie. Und es gibt Buchhandlungen, in denen man sich wünscht, man hätte sein gesamtes Leben etwas anders gestaltet, um mehr Zeit mit Büchern verbringen zu können - Sie kennen sie nicht; außer Sie kennen das Heywood Hill.
Heywood Hill befindet sich seit 1936 in der Curzon Street in Mayfair. Dass Nancy Mitford hier während des Zweiten Weltkriegs arbeitete und man bis heute jene wunderbar britische Vorstellung pflegt, dass die Auswahl eines Buches eine persönliche Angelegenheit ist, bei der ein wenig Beratung keineswegs schaden kann, zeichnen wir mit drei roten Herzen aus.
Die kleinen Regale sind übervoll, die Auswahl trotzdem selbstverständlich ausgezeichnet und der Laden so herrlich klein, dass man fast zwangsläufig mit anderen Menschen ins Gespräch kommen muss. So haben wir es gerne.
Kommen Sie ohne konkreten Titel und lassen Sie sich etwas empfehlen. Bücher nach Hause zu tragen ist schließlich eine der wenigen Formen des Konsums, bei denen man sich hinterher auch noch intellektuell überlegen fühlen darf.
Bar Termini
Italien liegt mitten in Soho. Genauer gesagt in der Old Compton Street, wo die Bar Termini beweist, dass man für ein ausgezeichnetes Getränk weder viel Platz noch eine besonders große Getränkekarte braucht.
Tagsüber italienische Kaffeebar, abends eine der charmantesten Adressen für einen Negroni. Die Einrichtung erinnert an die elegantere Seite des Italiens der Fünfzigerjahre: dunkles Holz, ein langer Tresen, kleine Tische und ein Hauch von La Dolce Vita.
Die Bar ist winzig. SEHR winzig. Mini!! Was wir ausdrücklich als Kompliment verstanden wissen möchten. Schließlich ist es viel angenehmer, in einer kleinen Bar mit interessanten Menschen zusammenzusitzen, als in einer großen mit uninteressanten Menschen allein zu sein.
Bestellen Sie einen Espresso - es ist unserer Meinung nach einer der besten des Westens -, wenn Sie noch etwas vorhaben, oder einen Negroni, wenn Sie beschlossen haben, dass Sie heute eigentlich schon genug vorhatten.
Simpson's in the Strand
London hat eine bemerkenswerte Begabung dafür, Institutionen hervorzubringen, die älter sind als so manche europäische Verfassung. Simpson's in the Strand gehört dazu. Die Geschichte des Hauses reicht bis 1828 zurück, als man hier zunächst Schach spielte - das wusste MM auch erst, als ihm überall die Teppiche mit den Schachmustern aufgefallen sind -, bevor sich das Restaurant zu einer der großen Adressen der britischen Küche entwickelte.
Berühmt wurde Simpson's nicht zuletzt für seine silbernen Tranchierwagen, auf denen der Sonntagsbraten direkt an den Tisch gefahren wurde. Eine Tradition, die wir für wesentlich erhaltenswerter halten als so manche andere britische Eigenart - quod vide Brexit.
Nach einer längeren Schließung hat das Restaurant 2026 unter Jeremy King wiedereröffnet. Besonders schön - wenn auch gegebenenfalls nicht ganz so traditionsreich wie der untere Essenssaal - ist der obere. Lichtdurchflutet mit einem ausgesprochen eleganten take auf die britische Form- und Farbwelt.
Kommen Sie hungrig und bestellen Sie etwas ausgesprochen Britisches - das Essen ist schlicht und ergreifend exzellent. ... und das, obwohl Sie ja vielleicht das Sprichwort kennen: "Does British food always taste bad?" - "If done correctly, yes." Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Sprichwort aus Frankreich stammt.
The Roses of Elagabalus
Dass London neben seinen Gentlemen's Clubs, Grand Hotels und altehrwürdigen Restaurants auch eine ausgesprochen exzentrische Seite besitzt, wiederholen wir jetzt zum gefühlt 1001. Mal. Dass diese beiden Welten durchaus miteinander vereinbar sind (!!), ist eine unserer liebsten Eigenschaften der Stadt.
The Roses of Elagabalus in Dalston - zwar nicht wirklich Westen im klassischen Sinne, aber don't kill a good story with facts - gehört zur zweiten Kategorie. Benannt nach dem römischen Kaiser Elagabalus, dessen ausschweifendes Leben schon vor beinahe 2.000 Jahren für Gesprächsstoff sorgte, verspricht der Ort eine Welt zwischen Cabaret, Cocktailbar und dekadentem Salon.
Endlich ein Ort, an dem Zurückhaltung keine Tugend ist - Gott sei Dank! Die herrschende Unvernunft ist der kleinste gemeinsame Teiler zwischen allen Gästen und macht die Bar und den Club zu dem Treffpunkt aller Londoner der Kreativszene.
Kommen Sie nicht zu früh, ziehen Sie etwas bezaubernd Schönes an und lassen Sie den Abend entscheiden, wann er zu Ende ist.
To be continued...