Der SMEXY Guide von MAXIMILIAN MOGG für den Berliner Westen
Lange genug sind wir schon im Berliner Westen zu Hause, um auf Fragen nach Tipps für vor und nach Anproben eine Antwort zu wissen.
Berlin ist zwar groß, aber DAS Berlin, das wir mögen, ist überraschend klein. Es verteilt sich auf Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg – und besteht aus einigen wenigen Orten, die einen eigenen Charakter haben, pflegen und bewahren: smexy halt.
Hier sind acht unserer liebsten Adressen.
Bostich
Das Bostich sieht aus, als hätte sich eine Pariser Brasserie in die Ludwigkirchstraße verirrt und beschlossen, dort zu bleiben. Bistrostühle, goldene Palmen und eine Fassade, vor der man unweigerlich etwas länger sitzen bleibt als geplant.
Zuvorkommend, lässig, großzügig und charmant – der Service im Bostich sucht in Berlin noch seinesgleichen. Bestellen Sie das Café de Paris, die Austern oder das Tatar – und Champagner. Vor allem Champagner.
Es ist der richtige Ort für ein frühes oder spätes Abendessen, einen frühen oder späten Drink oder für ein frühes oder spätes „Hallo!“ nach der letzten Anprobe.
Rum Trader
Man klingelt, wartet und weiß zunächst nicht, ob man eingelassen wird. Sehen Sie es als Privileg, ein zweites Mal kommen zu dürfen.
Der Rum Trader ist für uns die BESTE Bar der Welt. Man siezt sich; man genießt es. Anständige Garderobe ist gerne gesehen. Wer keine Konversation möchte, ist am Tresen falsch aufgehoben.
Beschreiben Sie, worauf Sie Lust haben, und überlassen Sie den Rest dem Team. Wer nach einer Getränkekarte fragt, fällt unnötig als Tourist auf. Tipps: 1. Cash only. 2. Portino, Hemingway Daiquiri, Prince of Wales, Piña Colada.
Victoria Bar
Ganz einfach: das eleganteste Sehen-und-gesehen-Werden der Berliner Nacht. Sie kommen rein – gesetzt den Fall, Sie kommen rein –, atmen ein und atmen aus: Das ist DIE Berliner Luft, von der immer alle reden. Die Drinks sind nur Teil eines Gesamtkunstwerks (!!!). Wo wir gerade darüber sprechen: Die regelmäßig wechselnde Kunst ist schon allein einen Besuch wert.
Nehmen Sie Platz und beobachten Sie, wie sich (Lebens-)Künstler, Nachtschwärmer und „professionelle“ Stammgäste begegnen. Früher oder später sieht man hier jemanden, den man kennt – oder jemanden, den man noch nicht kennt. Planen Sie deshalb besser keinen festen Zeitpunkt für den Aufbruch ein.
Brasserie Lamazère
Die Brasserie Lamazère ist das französische Herz Charlottenburgs – was ein wenig romantisch klingt, aber ziemlich genau so stimmt.
Das Lamazère besticht nicht nur durch hervorragendes Essen, sondern vor allem durch AUSGEZEICHNETE französische Weine – WIR sagen: die besten der Stadt. Der Raum ist lebendig, der Service herzlich und das Publikum très BCBG – aka beeindruckend unbeeindruckt davon, wie gut hier gekocht wird.
Lassen Sie Platz für den Milchreis mit Salzkaramell und Mandelpraliné. Letzteres ist keine Empfehlung, sondern ein Kaufbefehl.

KaDeWe
Seit 1907 steht das Kaufhaus des Westens für die angenehmere Seite des Konsums. Man kann hier selbstverständlich quasi alles kaufen, von dem man bis eben noch nicht einmal wusste, dass man es braucht, aber – unseretwegen – kommt man vor allem wegen der sechsten Etage.
Die Feinschmeckeretage ist eine eigene kleine Welt aus Austern, Champagner, Käse – !!! –, Patisserie und zahllosen Theken, an denen man sich einreden kann, lediglich auf einen kurzen Imbiss vorbeigekommen zu sein.
Nehmen Sie an einer der Bars Platz, bestellen Sie Austern und/oder eine Kartoffelsuppe, ein Glas Champagner und beobachten Sie das Berliner Leben von seiner kulinarischsten Seite. Von 18 bis 80 – hier trifft sich GANZ Berlin.
Bücherbogen
Karl Lagerfeld soll den Bücherbogen zu seinen liebsten Buchhandlungen gezählt haben. Wieder einmal können wir Karl – we go way back – nur zustimmen. Seit 1980 sitzt der Bücherbogen unter den historischen S-Bahnbögen am Savignyplatz. Früher waren in den Räumen unter anderem eine Autowerkstatt und ein Blumenladen untergebracht; heute findet man dort eine DER besten Auswahlen an Büchern über Architektur, Kunst, Mode, Fotografie und Design in Berlin.
Die Regale reichen weit, die Auswahl ist klug und die Wahrscheinlichkeit, mit nur einem Buch wieder hinauszugehen, ist gering – tatsächlich SEHR gering.
Kommen Sie für ein Geschenk für sich oder jemand anderen.

Diener Tattersall
Der Diener Tattersall ist kein Lokal, das im Stil des alten West-Berlins eingerichtet wurde. Er ist das alte West-Berlin.
Das Gebäude gehörte einst zum 1893 eröffneten „Tattersall des Westens“, einer Reitanlage mit Stallungen, Reithallen und Gesellschaftsräumen. 1954 übernahm der ehemalige Schwergewichtsboxer Franz Diener das Lokal und machte daraus eine (Künstler-)Kneipe. Seither blicken Romy Schneider, Hans Albers, Billy Wilder, Helmut Newton und Rainer Werner Fassbinder von den Wänden auf die Gäste.
Bestellen Sie Himmel un Ääd und ein frisch gezapftes Kölsch. Cool, ehrlich, lässig, ungezwungen, kein Kleingedrucktes.

Menta
Das Menta in der Emser Straße ist seit den Achtzigern ein Treffpunkt für Studenten, Künstler, Nachbarn und all jene, die ihr Nachtleben lieben.
Hier wurde über Jahrzehnte wenig verändert – so lieben wir es. Das Menta ist weder inszeniert nostalgisch noch bemüht alternativ. Es ist einfach eine jener inzwischen seltenen Berliner Kneipen, in denen der Abend noch wichtiger ist als das Interieur und sich ein kurzes Getränk als Zeitreise entpuppen kann.
Bestellen Sie ein Kölsch – wir haben nicht gesagt, dass wir objektiv sind – und bitten Sie den Kneipier um Erlaubnis für den Billardtisch.




