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11. Januar 2020

What a Pitti

by

Maximilian Mogg

Es war wieder soweit… Florenz wurde von einem Schwarm modebesessener Modelleisenbahnliebhaber überfallen, die sich tagelang an dem Thema Mode laben können. Darunter auch wir: Herr Tobin Gattinger, Herr Yves Yannick Stork und Ihre Wenigkeit Maximilian Mogg.  Wir mussten mit Entsetzen feststellen, dass sich ein weiteres Jahr wenig in Sachen klassischer Herrenmode zum Positiven geändert hat, und hatten deswegen glücklicherweise mehr Zeit, uns mit der florentinischen Küche und der ortsansässigen künstlerischen Hochkultur zu beschäftigen.  Insofern waren wir doch recht dankbar.

Casualisierung

Allem Sarkasmus zum Trotz möchten wir dann doch unsere Eindrücke mit Ihnen etwas expliziter teilen:

Frei nach dem Motto „Was juckt’s die Eiche, wenn sich die Wildschweine an ihr reiben?“ konnten wir all die berüchtigten Pitti Peacocks gut ausblenden – die atomare Endlösung, die ich mir zur Beseitigung des von den „Herren“ verursachten Augenkrebses vorstelle, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.  So haben wir uns auf die Profis konzentriert:  Hier konnten wir definitiv eine Casualisierung der Kleidung feststellen.  Anstatt Krawatte und Hemd war der Rollkragenpullover sehr en vogue.  Die mittel- bis dunkelgrauen oder braunen Flanellanzüge wurden gerne mit Sneakern kombiniert.  Das Farbkonzept Ton in Ton war angesagt.  Ich persönlich möchte von einem ästhetischen Standpunkt aus gar nicht groß urteilen – die Outfits waren gelungen …ich hätte sie jedoch eher Kunstmessen oder ähnlichem zugeordnet.  Nennen Sie mich konservativ, aber ich vertrete den Standpunkt, dass rein aus formellen Gründen diese Art der Kleidung einfach nicht adäquat für einen Messebesuch ist – schließlich ist man ja eigentlich da um Geschäfte zu machen …aber hey.

Preppyisierung

Ebenfalls auffällig war hier und da ein Hang zur Kleidung der Ivy League.  Hellblaue oder weiße Button-Down-Hemden wurden mit weiten dunklen Kordanzügen getragen – dazu gerne ein Pullunder.  Abgeschlossen wurden die Looks mit Penny Loafern und einem zu kurzem Bein um Strumpf zu präsentieren.

Hüte

Das totgeglaubte Barett schien diese Saison wie Phönix aus der Asche zu steigen.  Ich habe keine wirkliche Meinung zu der Kopfbedeckung – im Zweifel heißt dies, dass ich sie mag.

Proportionen

Entzückt war ich davon, dass die Anzugträger Hosen und Jacken weiter und länger getragen haben.  …die ewig schmalen und zu kurzen Silhouetten sind spätestens jetzt Teil der unrühmlichen modischen Vergangenheit der 00er und 10er Jahre.  Der Doppelreiher war omnipräsent.

Farbliche Lichtblicke

Etwas, was mir besonders gefallen hat, waren die Pullover mit großen verschiedenfarbigen Karos, die an die Malerei von Piet Mondrian erinnerten.  Durch die Kombinationen von Farben, die sich eigentlich auf dem Farbkreis widersprechen, wurden hier und da sehr interessante Effekte erzeugt.  Es bleibt aber hier festzuhalten, dass dies etwas für absolute Profis ist – allzu schnell kann es meiner Meinung nach affektiert wirken.

Fazit

Abgesehen von dem Ärger über die scheinbar in Vergessenheit geratene Etikette in Anbetracht der riesigen Menschenmengen auf kleinstem Raum – quod vide: Tür aufhalten, andere Leute vorlassen, nicht drängeln etc. -, komme ich zu dem Fazit, dass ich mich sehr auf das nächste Mal Florenz im Juni 2020 freue. MM/JHS