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3. Januar 2021

Well Played – Arthur Rubinstein

by

Lianyi Zhang

Verzeihen Sie mir den Gebrauch eines Wortes, das in den letzten Jahren leider vollkommen überstrapaziert wurde. Aber wenn es einen gibt, der ohne Zweifel als Dandy bezeichnet werden kann, dann ist es Arthur Rubinstein. Meiner Meinung nach ist er nicht nur einer der besten Pianisten des 20. Jahrhunderts, sondern auch einer der bestgekleideten.

Rubinstein wurde 1887 in Łódź, Polen, geboren – genau zu der Zeit, als in London und Paris der Dandyismus aufblühte. Bereits als kleines Kind begann er mit dem Klavierspiel und sein Talent wurde früh entdeckt. Mit zehn Jahren wurde er nach Berlin geschickt, wo er vom Klavierpädagogen Karl Heinrich Barth unterrichtet wurde. Mit siebzehn Jahren zog es ihn nach Paris, wo er seine Karriere als Solopianist begann. 1976 ging er in den Ruhestand und konnte auf eine der größten Karrieren zurückblicken, die ein Solopianist sich wünschen konnte.

Seine jungen Jahre in Paris prägten nicht nur seinen Sinn für Kleidung, sondern auch seinen musikalischen Stil. Dort, in der Metropole der Belle Époque, lebte Rubinstein wie ein wahrer Dandy des neunzehnten Jahrhunderts. Genau wie Chopin verbrachte er seine Zeit in den Pariser Salons, wo er viele Künstler traf – darunter Ravel und Dukas. Die Salons boten jedoch auch Vergnügen, die weit über eine eine gute Konversation hinaus gingen. Rubinstein war ohne Zweifel ein Hedonist. Er genoss die Pariser Lebensfreude in vollen Zügen. In seiner Autobiographie Mein glückliches Leben erinnert er sich, dass er ständig von Partys und Frauen umgeben war. Es überrascht also nicht, dass Rubinstein in Paris auch einige seiner lebenslangen Vorlieben entdeckte: Kaviar, Champagner und Zigarren.

Doch Rubinsteins Dandytum ging über die kulinarische Sphäre hinaus. Wie viele Photographien zeigen, liebte er es, sich als äußerst elegante Figur zu inszenieren. Auf frühen Porträts ist er in typischer Fin de Siècle-Mode zu sehen: Gehröcke mit Stehkragenhemden und Smokingjacken mit gesteppten Revers. Diese Photographien halten einen jungen Mann fest, dessen Blick irgendwo zwischen aristokratisch, unnahbar und leicht melancholisch changiert.

Als Gehröcke aus der Mode kamen, wechselte der Pianist zu Anzügen. Oft trug er Dreiteiler mit fallendem Revers, Zweiteiler mit kontrastierender Weste oder karierte Sportsakkos. Accessoires setzte er spärlich aber präzise ein: Wann immer er eine Krawatte trug (d.h. außer auf der Bühne), garnierte er sie mit einer markanten Krawattennadel. Obwohl Krawattennadeln ein Accessoire des neunzehnten Jahrhunderts sind, trug Rubinstein sie fast immer. Auch Reversnadeln gehörten zu seinem typischen Look. Ein späteres Bild zeigt Rubinstein – inzwischen ein glücklicher alter Mann – in einem warmen Hemd, einer gepunkteten Krawatte und einem Panamahut. Was nie fehlen durfte, manchmal sogar während des Auftritts, war eine gute Zigarre.

Rubinstein ist jedoch viel mehr als das, und die Ausschweifungen, die man mit dem Dandytum assoziiert, eignen sich nicht zur Beschreibung seiner Kunstfertigkeit. Ganz im Gegenteil: die Präzision, mit der er spielte, spiegelt sich auch in seinem Sinn für Kleidung wider. Rubinsteins Auftreten wirkte stets elegant, vielleicht auch ein wenig extravagant, aber niemals protzig.

Bis heute wird er vor allem für seine Interpretationen von Chopins Kompositionen gefeiert, doch eigentlich ist er ein recht vielseitiger Pianist. Sein Repertoire umfasst russische und deutsche Werke und er hat auch Stücke spanischer Komponisten wie Isaac Albéniz gespielt. Im Großen und Ganzen spiegeln seine Interpretationen seinen Charakter gut wider: kraftvoll, elegant und poetisch. Seine Technik war brillant und emphatisch aufgrund seines präzisen Tastenanschlages. Er blieb den Intentionen der Komponisten treu und bewahrte die rhythmische Stabilität. Eine Qualität, die vielen jüngeren Pianisten mit ihrer Übersentimentalität und kitschigen Virtuosität leider häufig fehlt. YS/LZ

Wir empfehlen Ihnen die folgende Playlist mit Herrn Zhangs Lieblingsstücken von Arthur Rubinstein. Viel Spaß beim Zuhören!