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14. Juli 2017

Warum Generation Y die bestgekleidetste wird… und warum nicht!

by

Maximilian Mogg

Die meistgehasste und beliebteste Generation ist ohne Zweifel Y.  Love and Hate könnte man neudeutsch auch sagen.  Generation Y ist nach Definition die Bevölkerungskohorte, die das Glück hatte, zwischen 1980 und 2000 geboren zu sein – gemein auch als Millennials bezeichnet.  Doch wie komme ich auf die Absurdität, in den Damen und Herren dieser Generation – meiner Generation – das größte Potential für Stil zu sehen?

Zugang zu Bildung

Wir haben die Bildung an den Fingerspitzen:   Ohne Probleme können wir durch unseren Freund Internet erfahren, wie man sich in Italien, den Vereinigten Staaten, Frankreichs und Rio de Janeiro zurzeit kleidet und früher kleidete – ohne den Filter internationaler Modejournalisten.  Nicht umsonst boomt Instagram und verbindet minütlich Damen und Herren unterschiedlicher Herkunft und Gusti miteinander.  Wir haben das, was keiner zuvor hatte: einen mehr oder weniger klaren Blick auf Bilder dieser (Mode-)welt.

Die rasanten modischen 2000er

Zusätzlich dazu hatten wir die 2000er.  In dieser Dekade des Niedergangs – später mehr dazu – wurde uns im ein- bis zweijährigen Takt die Mode der vergangen fünf Dekaden wie einer Stopfgans in unseren Gehirne getrichtert.  Lecker!  Wir wussten nach jeder Saison wie man sich in den 60ern, 70ern, 80ern und so weiter und so fort kleidete; modische Errungenschaften blieben allerdings meiner unbedarften Meinung nach aus.  Aus diesem diabolischen Cocktail können wir schöpfen und uns die Zutaten rausfischen, die uns es angetan haben und die weglassen, von denen wir der Meinung sind, dass sie so gar nicht zu uns und unserem Stilempfinden passen.

Das Streben nach Individualität

Warum wird Generation Y so gehasst?  Zum einen, sage ich ganz dramatisch, Neid:  Wir haben nicht nur die Möglichkeit – wie sie auch Generationen vor uns hatten -, sondern es wird sogar empfohlen, unsere Individualität zu finden und zu bepreisen.  Wir dürfen uns auf Abwegen bewegen, unseren eigenen Pfad stampfen und dadurch die Gesellschaft weiterentwickeln.  Viele Herrschaften der älteren Generationen meinen, dass sie diese Chance nie hatten.  Zum anderen, sage ich nicht weniger dramatisch, Hass der Unberechenbarkeit: Wir stellen uns querköpfig ständig als Individualisten dar – ob wir das wirklich sind, ist eine andere Frage – und kämpfen stetig – egoistisch wie wir sind – für unser persönliches Wohl.  Wir kündigen Jobs nach wenigen Monaten, weil das irgendwie nicht passt.  Wir erklären dem Chef nach wenigen Stunden, wie man heutzutage eine Firma führt und Mitarbeiter – darunter uns – behandelt.  Wir – um zurück zum Modethema zu kommen – springen ein für einen individuellen Stil, denn keiner soll sich irgendwelchen Regeln unterwerfen müssen.  Jeder soll sich nach seinem Belieben non-verbal durch Kleidung ausdrücken dürfen.  Es knuddeln Herren, die gekleidet sind wie Punks, mit Jungs, die in Polohemden mit hochgestellten Kragen mit Reiter auf der Brust herumstolzieren.  Wir sind damit nicht berechenbar und damit genau das, was für die kapitalistische Welt unerträglich ist.

Und warum nicht…?

Weil Generation Y sich genau die Bildung nicht zu nutzen macht und immer noch ein Fisch in der Strömung der Gehirnwäsche des Marketinggedudels ist.  Die aggressiven Werberudel der großen Modefirmen machen dem Bewunderer genau das schmackhaft, was Individualität ausdrücken soll, obwohl es dabei trotzdem ein Massenprodukt bleibt und damit wieder zum Herdentrend wird.  Wenn jeder sich schwarz kleidet und man sich in Berlin vorkommt als wäre jeden Tag Staatstrauer, ist das kein Ausdruck von Individualität sondern eine Massenwelle.  Die 2000er haben auch nicht das erreicht, was sie vielleicht erreichen hätten können.  Sie haben oberflächlich in kürzester Zeit Menschen beigebracht, wie man sich kleidet als wäre man – das Lebensgefühl der damaligen Zeit und der Tiefgang blieben natürlich (wie auch anders zu erwarten) auf der Strecke.  Damit appelliere ich ganz großkotzig: Liebe Generation Y, Du hast die Möglichkeit! Mach etwas draus! MM