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21. Februar 2021

Via Lichtwellenleiter an Mr Lush, City of Westminster

by

Ozelot

Lieber Freund,

Deutschland… ein Land, dass seinen Kindern ein Märchen erzählt, in denen zwei Kinder zum Sterben im Wald alleine gelassen, fast gekocht und gegessen werden, und dann eine alte Frau ermorden. 

Nun bin ich in Freiburg eingetroffen. Der erste Eindruck eine Stadt, die sich selbstbewusst präsentiert, ohne dass ich die Menschen wirklich verstehe. Die deutsche Sprache ist mir ein Geheimnis. Das sollte ich ändern. Zwar meinte ein Herr, den ich im Zug nach Freiburg als Sitznachbar hatte und der bereits einige Jahre in Freiburg lebt und arbeitet. “Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch, aber da die deutsche Sprache so viele englische Worte hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch. Die Deutschen könnten es gar nicht abwarten, Fremden Ihre Fremdsprachen Befähigung unter Beweis zu stellen. Ich habe den Verdacht, Sie würden ihrer Muttersprache nicht vertrauen.“ 

Dieser Herr spricht tatsächlich nach Jahren immer noch kein Deutsch. Welch eine Unverschämtheit gegenüber den Gastgebern. Diesem Beispiel will ich nicht folgen und werde mir einen Lehrer suchen. Hi Hi das wird ein Spaß.

Bin in einem Hotel im Zentrum abgestiegen nahe dem Münster. Wie schön die Glocken zu hören. Auch habe ich mein erstes deutsches Wort gelernt „gediegen“. Ich Frage an der Rezeption, wie der Einrichtungsstil des Hotels zu umschreiben sei. Und tatsächlich meine Kammer ist holzvertäfelt und ein schönes, altmodisches Bett mit bequemen Matratzen. Das Licht wird durch bernsteinfarbene Lampenschirme gedämpft. Eine schöne kleine Höhle, die duftet nach Bienenwachs und Keksen. Ja, so stelle ich mir „gediegen“ vor.

Tatsächlich sprechen mich die Menschen hier ohne Umstände auf Englisch an. Ich hatte noch nicht die Gelegenheit auf Deutsch „Guten Tag“ zu sagen. Im Hotel soll das ja noch seine Richtigkeit haben. Aber auf der Straße? Nein. Arme Menschen, die eine solch verquere Art von Weltoffenheit präsentieren. An der Rezeption Frage ich nach der Möglichkeit, Deutsch Unterricht zu nehmen. Der Angestellte war für einige Sekunden aus seiner Welt gefallen und ich glaube bereits diesem Herrn ein unmoralisches Angebot gemacht zu haben. Seine Antwort „Nun, das ist ja mal was Neues! Aber lassen Sie mir den Vormittag Zeit. Werde sehen, was ich machen kann“

So vertrödelte ich den Vormittag. Sah mir den Markt am Münster an. Bauern der Umgebung bieten herrliches Gemüse und Obst an. Den Menschen ist es anzusehen, dass Sie Stolz auf Ihre Ware und Produkte sind. Alte Mütterlein und junge Burschen. Gesunde Gesichter. Der Deutsche und seine Scholle? Soll das stimmen? Auch kaufte ich mir auf dem Markt eine „Brezel mit Butter“ nicht schlecht. Dann in ein Gasthaus und was schlägt einem dort als Erstes entgegen? Englisch! Eins darf ich aber bereits jetzt sagen, der Wein aus dem Markgräflerland hat es mir angetan und dazu ein „Schäufele“ noch ein Wort gelernt, aber die Aussprache schwierig. Natürlich dazu ein Kloß. Deutschland deine Klöße, wie diese wohl im Magen liegen werden? Es schmeckte überraschend gut.

Ich stellte meine Ohren in der Gaststätte ganz scharf, denn wenn die Eingeborenen sich im Dialekt unterhalten, ist dies ganz und gar musikalisch. Welch eine schöne Fusion von Stimme, Gesicht und Sprache. Harmonisch erscheint mir dieser Dialekt wie das Cockney rund um St. Mary-le-Bow in London. Für meine überzüchteten Ohren ist diese Freiheit eine Freude. Aber verstehen kann ich nichts. Als würden Buddhisten Ihr Gebet sprechen.

Nach diesem kleinen Exkurs in die Küche von Baden – so heißt die Grafschaft, in dem Freiburg liegt – bin ich in eine Buchhandlung gehoppelt. Über drei Etagen Bücher, Noten und Menschen, die sich ruhig darin vertiefen. Sogar eine Abteilung mit Büchern in Englisch. Überraschung? Nun, ich habe mir von Golo Mann die „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ in Übersetzung gekauft. In der Hoffnung, mehr über die Natur der Teutonen zu erfahren.

Gehabt euch wohl, meinen Stern von London.

Euer Ozelot

OZ/MM/PS