Über halbvolle Gläser

Gläser sollten immer voll sein.  Zumindest trichtert uns das die Gesellschaft ein.  Ist dem so und sind wir so wirklich glücklicher?  Denn das Glücklichsein … das ist doch der Zustand, den wir erstreben.  Oder ist diese Art von Streben nach Glück des Pudels Kern unserer stetigen Unzufriedenheit – gerade in Berlin begegnet man ständig unzufriedenen Menschen?  Haben die Menschen (in Berlin) einfach zu große Gläser?

Ich glaube, die Gläser sind tatsächlich das Problem – auch ohne Leck.  Ein Sammelsurium an möglichst vielen, unterschiedlich großen Gläsern wäre doch eine kinderleichte Lösung, weil: durch einen Gläserwechsel umgeht man das Problem geschickt und ist immer glücklich.  Immer, wenn Sie meinen, dass Ihr Glas nicht voll ist, nehmen Sie das nächstkleinere Glas und füllen um.  Immer, wenn das Glas droht, zu voll zu werden, füllen sie das Überflüssige in ein weiteres, genau passendes Glas.  Dann hätten Sie schon zwei volle Gläser.  Das zweite Glas könnten Sie ja dann einer Gefährtin oder einem Gefährten in die Hand drücken … wenn Sie ein Fan von Wein im Glas sind, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Sie den Trinkkumpan sogar noch besser kennenlernen werden.  Bei dieser Gelegenheit werden Sie ebenfalls schnell herausfinden, dass man auch mit kleinen Gläsern betrunken werden kann.  Jetzt ist nur noch die Frage, wie viele volle Gläser Sie erstreben. Möglichst viele natürlich!  Mist, das ist also auch keine Lösung!  Aber bestimmt eine bessere als die, das besagte, große Glas zu füllen … oder Sie füllen Bauschaum in Ihren gläsernen Pokal – schmeckt aber nicht, glaube ich.  MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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