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22. Juli 2019

Turnbull & Asser – Mit Vergnügen, Ihre Hoheit!

by

Maximilian Mogg

London. Wenn der königliche Hoflieferant Englands – der Hemdenmacher Turnbull & Asser – jemandem das Angebot macht, jemandem ein Maßhemd zur Begutachtung zu machen, kann man als eingefleischter Fan von James Bond nicht wirklich ‚Nein‘ sagen – auch wenn man selbst Hemden auf Maß schneidet und herstellen lässt.

Im konkreten Fall war dieser Jemand meine Wenigkeit und das Angebot kam überraschend und unerwartet bei meiner letzten Londoner Trunk Show in einem Café in Soho – umso entschlossener war mein „Ja.“.  Meine einzige Bedingung war, dass ich mich nicht auf die allseits bekannte Geschichte von Turnbull & Asser – Artikel von mir hinterlegt – stürzen möchte – Sie finden die imposante Geschichte des Hauses, selbst mit den google-Fähigkeiten Ihrer Uroma problemlos selbst.  Stattdessen wollte ich mich mit dem Kundenprozess und den Turnbull & Asser Hausstil und -schnitt beschäftigen.  Man nickte und fragte, ob ich am nächsten Tag früh Zeit hätte, den Chefcutter Mr James Webb im Store in der 4 Davies Street in Mayfair treffen könnte.

Der nächste Morgen bei Turnbull & Asser

So stand ich dann am nächsten Morgen schwer bepackt am Laden und wurde von Mr Webb mit offenen Armen empfangen.  Wir schritten in die untere Etage und kamen auch gleich zur alles entscheidenen und ersten Frage:  „Wie möchten Sie Ihr Hemd geschnitten haben, Sir?“

Der Schnitt

Ich hatte mir meine Karten schon zurecht gelegt: „Bitte locker und weit – nicht zu körperbetont.“  Wer auf diese Frage mit „Schmal und eng“ antwortet, ist schlicht und ergreifend an der falschen Adresse.  Ich persönlich empfinde enge Hemden immer als etwas prollig.  Es hat etwas davon, den eigenen Körper – egal wie muskulös und schön er sein mag – zur Schau zu stellen.  Meiner Meinung nach ist das Spiel mit der eigenen Silhouette doch viel interessanter … und außerdem kann jeder und jede, der in die Situation kommt, Sie nur in einem Hemd zu sehen, sowieso Ihren Körper einschätzen – auch ohne Superman-Röntgenblick.  Zur guter letzt ist ein gut sitzendes weites Hemd zu schneiden, technisch deutlich schwieriger als ein Presswurst-Hemd.  Jedenfalls war die Antwort von Mr Webb: „Sehr wohl, Sir.“

Das Aufmaß

Mr Webb zog sein Maßband von den Schultern und nahm Maß.  18 Maße an der Zahl werden bei Turnbull & Asser genommen.  Hier hielt ich mich wohlwissend um die Konzentration, die man in dieser Situation als Schneider benötigt, vornehm zurück.  Alles wurde – zu meiner anfänglichen Verwunderung – auf einen mittelgroßen, braunen Umschlag geschrieben – später dazu mehr.  Mr Webb erkannte recht zügig, was ich schon lange von mir wusste: „Absoluter Krüppel.“  Gesagt hat er es allerdings natürlich nicht – das war ich dann.  Rechter Schulter tief, Hals nach vorne, Schultern nach vorne, rechter Arm länger als der linke, Hüfte geht nach vorne, Ärmel leicht zurück und alle anderen Umwägbarkeiten, die ich aus persönlicher Eitelkeit Ihnen nun erspare.

Die Besprechung des Stils

„Was haben Sie im Kopf in Sachen Stil, Sir?“ – „Bitte einen alles andere als langweiligen Stoff.“ Ruckzuck lagen das prestigeträchtige Turnbull & Asser Hausstoffbündel auf dem Tisch.  Natürlich wollte ich einen Multistripe, wenn ich schon die Möglichkeit habe, ein Turnbull & Asser Maßhemd mein Eigen zu nennen.  Die Wahl viel auf einen gelb-hellblau-dunkelblauen Multistripe.  Dazu sagte ich: „Einen langer Kragen, bitte! Dazu die klassische T&A Dreiknopf-Manschette, bitte!  Keinen Ärmelschlitzknopf.  Eine englisch Knopfleiste.  Kragen und Manschette bitte nicht in weiß abgesetzt.“ Letzteres kommt erst, wenn ich sie durchgetragen habe.  Mr Webb nickte und notierte meine Wünsche auf den berüchtigten braunen Umschlag.

Ein kleines Schmankerl

Nun wurde mir ein weiteres Buch vorgelegt, ich solle mir doch dazu bitte ein Krawattendessin aussuchen – man hatte Mr Webb gerade verraten, dass auch Maß für eine siebengefältelte Maßkrawatte genommen werden sollte.  Spontan entschied ich mich für großes navyfarbenes Polkadot-Design.  Die Krawatten von Turnbull & Asser sind weltweit bekannt für Ihre Festigkeit und einen stabilen Knoten – ein Stil, auf den ich immer mehr abfahre.  Ich bin mir sicher, dass diese kleinen Farbtupfer des Hemdes und der Krawatte auf meinen vornehmlich konservativen Doppelreihern eine exzellente Figur machen werden.

Nun sitze ich hier und genieße die Vorfreude…

Naja… und jetzt sitze ich hier im schönen Berlin und warte ab was passiert.  Nicht allzu bald dürfte ich ja haben, wonach ich trachte: Mein erstes T&A Hemd – ich weiß, ich bin ein Fanboy.  Ach ja… und zu guter letzt hat Mr Webb den braunen Umschlag auch erklärt: „Dies ist Ihr Umschlag.  Alle Ihre Schnittteile werden hier reingepackt und eine Orderhistorie erstellt.  Das kommt zu uns ins Archiv und wir werden Ihre Maße über Ihren Tod hinaus archivieren, so dass auch Ihre Kinder und Kindeskinder Ihren Schnitt noch kopieren können.“ Damit hatte er mich dann endgültig …

Zusatzinformationen

Mr Webb besucht im September im Namen des Hauses Turnbull & Asser die Städte Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München.  Wenn Sie Interesse an den Hemden haben, kann ich Sie gegebenenfalls erleichtern:  Es galt lange als Usus bei T&A, dass bei Erstbestellung die Mindestbestellmenge bei fünf bis sechs Hemden liegt.  Dies wurde nun seit kurzem auf zwei Hemden Mindestbestellmenge gelockert. Zögern Sie nicht und lernen Sie Herrn Webb kennen – Termin über den Link. MM