The smexiest men alive: Mr Maximilian Mogg

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Maximilian Mogg

1. Wie kamen Sie zur Herrenmode? Was war Ihr erster Kontakt mit klassischer Herrenmode?

Die Geschichte beginnt mit einem eitlen, fünfzehnjährigen Jungen, dessen Körperbau den Skulpturen von Giacometti wenig nachsteht.  Viel zu lange Arme und Beine – in der verschärften Variante, auch noch gepaart mit dem Muskelaufbaupotential einer Barbie. So tigerte dieser Junge von Geschäft zu Geschäft, um auch nur irgendwie seinen viel zu hohen ästhetischen Anspruch zu befriedigen und Klamotten zu finden, die auch noch passen sollten.  Ein Ding der Unmöglichkeit!  So konnte das nicht weitergehen … Lösungen mussten her, weil Nudismus keine realistische Option darstellte.  Er kaufte sich Bücher – „alte Schule“, ich weiß – und begann zu lesen … er stolperte über den Begriff „Savile Row“, und der erste Anzug wurde Vintage auf Ebay geschossen und anschließend mit einem Änderungsschneider versucht zu modifizieren.  Inspirationen wie James Bond, Prince Charles et cetera perge perge immer im Kopf.

2. Wie stellen Sie üblicherweise Ihre Outfits zusammen?

Ich starte mit einem Blick auf meinen Kalender und den Wetterbericht:  Welche Termine habe ich heute?  Ist eine Veranstaltung am Abend dabei?  Muss ich den Postboten anbellen? Werde ich heute irgendetwas mit Tomatensauce essen?  Nach dem Erstellen eines Schlachtplans greife ich zur Krawatte. Von dort aus geht es weiter: korrekte Formalität, Farb- und Texturinteraktion und Wetterkonformität gilt es zu maximieren.

3. Tipps für Anfänger?

Guter Stil ist nichts weiter als Authentizität.  Um authentisch zu wirken, muss man es sein und dafür muss man sich selber erst mal kennen(lernen).  Im besten Fall gefällt einem, was man da kennengelernt hat – dann ist man auch bereit, diesem Kern eine passende Verpackung zu geben.  Kleidung dient hier als non-verbaler Verstärker der Kommunikation des Charakters.  Dafür wiederum muss man seinen Malkasten kennen.  Dieser Kasten kann aus der Sphäre der klassischen Herrenmode kommen – muss es aber nicht.  Man lernt mit den Farben im Malkasten umzugehen und versucht dann, sich damit darzustellen.

Ach ja, Anfänger … sie sollten mit Vintage-Kleidung und Accessoires beginnen.  Ein kleines Budget ist der beste Berater, weil man dann mehrfach über die Sachen, die man gerne haben möchte, nachdenken muss.  Mit diesem Budget dann aber keine Kompromisse eingehen, sonst kauft man Schrott.

4. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Die Farben und Formen der 70er Jahre, die Formalität und Ästhetik der 20er Jahre.  Ich sehe meine Kleidung als Gebrauchsgegenstand und behandle sie nicht besonders nachsichtig.  Zu feine Materialien sind deshalb bei mir Perlen vor die Säue geworfen.

5. Wo finden Sie stilistische Inspiration? Wer sind Ihre stilistischen Vorbilder?

Ich denke, dass Film auf mich und meinen Kleidungsstil den größten Einfluss hatte.  Die Serie „Brideshead Revisited“ aus den 80er Jahren ruft sich hier bei mir besonders ins Gedächtnis.  Ansonsten kann es wirklich alles sein, was zu einer Inspiration führen kann:  ein schöner Gegenstand, eine gut eingerichtete Wohnung, ein Gemälde, ein Roman, Musik, ein betrunkener Gedanke, eine elegante Frau, das Antlitz eines gut gekleideten Herrn …

Stilistische Vorbilder sind dementsprechend bei mir Damen und Herren, die ich mit dem Begriff Authentizität verbinde, und wiederum deshalb kann es jede/r sein.

6. Welche Marken gefallen Ihnen zurzeit am besten und weshalb?

Mir haben es Handwerker angetan, die ein gutes Auge haben.  Der Handwerker ist in meinen Augen keine reine Exekutive, er ist genauso Berater und muss eine eigene Meinung haben.

Deshalb muss ich hier wieder einmal den Leistenbauer und Schuhdesigner Herrn Leonard Kahlcke aus Frankfurt hervorheben.  Gleiches gilt für Davide Taub – Head Cutter von Gieves & Hawkes -, Joseph Morgan – Head Cutter von Chittleborough & Morgan – und Dominic Sebag-Montefiore – Creative Director von Edward Sexton.

7. Haben Sie ein Lieblingsstück und gibt es Dinge, die Sie niemals tragen würden?

Es gibt eine Vintage-Krawatte von Chanel in meinem Repertoire – das war Liebe auf den ersten Blick.  Never say never, aber ich fürchte, Shorts und ich werden keine Freunde – quod vide „Waden wie ein Storch“.

Fünf kurze Fragen:

Ihr Lieblings-Bond?

Goldeneye … ich meine, wie kann man das Rennen zwischen einem Aston Martin DB5 und einem Ferrari 355 in den Serpentinen an der Côte d’Azur nicht lieben?!  Darauf eine gekühlte Flasche Bollinger aus der Mittelkonsole!

Ihre Lieblingsfarbe für Hemden?

Alles aus dem Spektrum Pastell – mit Gelb oder Flieder kriegt man mich aber immer.

Ihr Lieblings-Schuhmodell?

Die Leistenform ist mir am wichtigsten.  Chiseled Toe, hoher Absatz, kurzer Schuh.  Meine langen schmalen Füße sollen kurz wirken.  Im Zweifel aber entweder Oxfords (mit oder ohne Broguing) oder Full-Strap Penny Loafers à la Baron de Rede.

Break or no break?

Obviously full break. Die weite Hose soll den langen Fuß optisch kürzen.  Hochwasser wäre da kontraproduktiv.

Zweireiher oder Einreiher?

6-2 Zweireiher … all day long. In keinem anderen Kleidungsstück fühle ich mich mehr geborgen. MM/JHS