The Mad Tailor: Schwarze Oxfords

Frage: Welcher Schuh sollte definitiv in jedes Mannes Schuhschrank einen Platz haben?  Die Antwort lautet einstimmig:  ein schwarzer Oxford.  Doch warum gilt just dieser Schuh als der formellste und als Must-Have? Zeit für The Mad Tailor, Licht ins Dunkel unserer Schuhschränke zu bringen!

Ein Oxford von Herrn Leonard Kahlcke.

Historie

Zur Entstehung des Schuhmodells existiert die Theorie, dass Oxfords aus einem ehemals populären Schuh mit Seitenschnürung, ähnlich dem bayrischen Haferlschuh, entstanden sind. Mit der zunehmend leichter werdenden Konstruktion und dem Wandern des Verschlusses in die Mitte wurde er zum Favoriten der Oxforder Studenten.  Da diese regelmäßig hohe Positionen in Politik und Wirtschaft übernahmen und somit als Upper Class in Sachen Kleidungsstil bestimmend waren, wurde der Schuh schnell mit einem hohen Grad der Formalität bedacht.  Dass der Schuh schwarz ist, macht nicht nur unter formalästhetischen Gesichtspunkten Sinn: Denn schwarzes Leder existiert nicht in der Natur; will heißen, das Leder muss gesondert gefärbt werden.  Ein Luxus, den sich nicht jeder leisten konnte.  Ebenfalls ist der Oxford allein schon durch seine Konstruktion nicht so praktisch für die breitere Bevölkerungsmasse, weil er sich durch seine geschlossene Schnürung – dazu später mehr – nicht wie der Derby für verschiedene Fußbreiten eignet.

Charakteristik

Oxfords zeichnen sich durch die eben genannte geschlossene Schnürung aus.  Will heißen, die beiden Seiten des Oberleders, die von den Schürsenkeln zusammengezogen werden, sind unter dem Obermaterial des Schuhs eingenäht.  Unter den Seiten befindet sich die angehängte Zunge: ein unter der Schnürung liegendes Lederstück. Gebunden wird er mit Parallelschnürung.

Ein Oxford von Gaziano & Girling.

Kombinationsempfehlungen

Ein schwarzer Straight Cap – Oxford eignet sich hervorragend als formeller Allrounder.  So macht er auf Hochglanz poliert zum Dinner Suit mit Seidenschnürsenkeln eine hervorragende Figur, aber auch zum dunkelblauen oder dunkelgrauen Anzug hinterlässt er die notwendige Eleganz.  Auch eignet er sich als Schuhwerk zum dunkelgrauen Nadelstreifen und zu einem dezenten, dunklen Windowpane.  Die Liste könnte ins Unendliche weiter geführt werden – ich denke, Sie haben den Punkt verstanden. Natürlich gäbe es für jedes der vorab genannten Anzugmodelle auch Spezialisten: Für den Dinner Suit einen Opera Pump, für den dunkelgrauen Anzug vielleicht im Tagesgeschäft einen schwarzen Quarter-Brogue,  zum Nadelstreifen vielleicht einen schwarzen oder dunkelroten Semi-Brogue, und zum Windowpane könnte man tatsächlich schon über braune Penny Loafers nachdenken.  Aber so ein breit aufgestellter Schuhschrank ist natürlich eher schwierig für unsere meist doch schmalen Portemonnaies.  Es gibt auch Herren, die meinen, weil sie formelle Anzüge dieser Art ohnehin nicht tragen, ist das Schuhmodell schwarzer Oxford für sie redundant.  Das mag richtig sein – vor allem, weil eine Garderobe nicht von strengen Regeln inspiriert, sondern vom persönlichen Lebensstil abgeleitet sein soll.  Doch kann ich mir eben diese Herren nur zu gut vorstellen, wenn es dann auf einmal doch zu einer eben solchen Einladung kommt und sie  sich dann in nicht adäquatem Schuhwerk in ihrer ästhetischen Wahl unwohl fühlen.  Jedenfalls kann ich nur persönlich empfehlen, dass ein schwarzer Oxford nicht fehlen sollte – auch wenn man glaubt, man brauche ihn nicht, weil man braucht ihn eigentlich immer.

Colorandi causa

Ein Beispiel für einen Balmoral Oxford.

Man hört häufig, dass der Amerikaner seinen Oxford Balmoral nennt.  Wir können uns das nicht vorstellen, weil die amerikanischen Kunden, die wir kennenlernen durften, durch ein herausragendes Wissen rund um klassische Herrenmode bestochen haben; möchten es aber nicht ausschließen.  Jedenfalls ist der Name Balmoral abgeleitet von Balmoral Castle und schwappte durch schottische Einwanderer in die Vereinigten Staaten rüber.  Der Begriff Balmoral ist aber eigentlich kein eigenständiger.  Der Balmoral ist ein Teil der Familie der Oxfords und damit kein eigenerer Gattungsbegriff wie Oxford.  Er zeichnet sich durch eine horizontale Naht parallel zur Sohle aus.  Der Balmoral war historisch gesehen ein Stiefel und hatte die horizontale Naht, damit der Fuß auch bei nassem Wetter trocken blieb – Schottland halt. MM/JHS

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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