The Mad Tailor: Die richtigen Knöpfe

Die richtigen Knöpfe bei einem Vollmaß- oder Maßkonfektionsanzug geben dem Kleidungsstück erst das gewisse Extra.  Sie zeugen von Geschmack und Stil, wenn sie korrekt gewählt wurden.  Die Frage lautet aber:  Gibt es hier überhaupt ein “Falsch” oder ein “Richtig”?  Wir benötigen wieder die Hilfe des Mad Tailors.

Wozu müssen die Knöpfe passen?

Die erste Frage, die man sich beim Knopfproblem stellen sollte, ist, wozu muss der  Knopf passen oder muss er überhaupt passen.  Zuallererst sollte er die geplante Formalität des Anzugs aufgreifen.  Will heißen, einen sehr formellen, dunklen Anzug mit einem sehr hellen Knopf auszustatten, spricht möglicherweise für einen gesunden Erfindungsgeist, aber nicht für eine konsequente Wahl.  Wir würden beispielsweise einen navy Anzug entweder mit navy oder schwarzen Knöpfen bestücken.  Dieser Anzug wird sowieso hauptsächlich mit schwarzen Oxfords getragen; dementsprechend wirkt ein brauner Knopf ein wenig zu sportlich für unseren Begriff.  Wenn ein Kunde allerdings zu einem helleren Blauton tendiert, kann ein sehr dunkelbrauner Knopf tatsächlich eine bessere Wahl darstellen, weil er dann sowohl mit schwarzem als auch mit braunem Schuhwerk getragen werden kann.  Zu einer hellen Jacke aus beispielsweise beigem Flanell mit Windowpane-Muster würden wir hingegen zu einem hellen Hornknopf tendieren, weil dieser ohne Ausnahme mit braunem Schuhwerk getragen wird.  Farbige Knöpfe machen – wenn gekonnt – den Anzug zu einem Gesamtkunstwerk: Gerade bei farbigen Anzügen von Tommy Nutter kann man das Meisterhafte des Genies in der Wahl seiner farbigen Knöpfe erkennen.  Wenn Sie kein Tommy Nutter sind und auch keiner werden wollen, würden wir Ihnen ans Herz legen, von farbigen Knöpfen eher Abstand zu nehmen – Sie werden uns es danken.

Das Material

Es ist kein Geheimnis, dass unsere Inspirationsquelle immer die hochheilige Londoner Savile Row war und sein wird.  Als wir einen Blick auf die alten und neuen britischen Schmuckstücke geworfen haben, ist uns aufgefallen, dass diese stets mit matten Hornknöpfen ausgestattet wurden – wohingegen italienische Maßanzüge hauptsächlich mit polierten Hornknöpfen gefertigt werden. Grund dafür könnte sein, dass ein matter Knopf viel mehr Zurückgenommenheit ausstrahlt – ein Wesenszug, den man Engländern gerne nachsagt – und ein glänzender Knopf eben ein wenig mehr auffällt.  Auch Materialien wie mattes Corozo alias Steinnuss haben wir bei englischen Anzügen gesehen – hauptsächlich bei grauen Anzügen, weil graues Horn sehr schwierig zu finden ist.  Jedenfalls sollten Sie auf Plastikknöpfe verzichten:  Nicht nur, weil die Naturmaterialien Steinnuss und Horn deutlich haltbarer sind und einen hochwertigeren Eindruck hinterlassen, sondern auch, weil die Schattierungen der Knöpfe facettenreicher sind.

Zweiloch- oder Vierlochknöpfe

Was viele Herren wahrscheinlich gar nicht auf dem Bildschirm haben, ist die Anzahl der Löcher im Knopf.  Tatsächlich kennen viele Herren nichts anderes als Vierlochknöpfe.  Jedoch ist der Zweilochknopf unserer Meinung nach das viel charmantere – da zurückhaltendere – Statement und wiederum auch noch heute auf Savile Row Anzügen zu sehen – hauptsächlich bei Henry Poole. Zweilochknöpfe geben dem Maßanzug außerdem ein gewisses Extra mit – was auch damit zusammenhängt, dass es nur sehr wenige Anbieter gibt.

Ein Zweilochknopf.

Persönliche Meinung

Ich für meinen Teil tendiere mittlerweile bei jedem meiner Anzüge dazu, die Hauptfarbe des Anzugs auch zur Farbe der Knöpfe zu machen.  Damit hat man den ganzen Stress nicht und kann einfacher Schuhwerk kombinieren.  So würde ich tatsächlich auch gelbe Knöpfe zu einem gelben Anzug tragen – so wie einst Mick Jagger in seinem gelben doppelreihigen Tommy-Nutter-Anzug.  Wir verwenden mittlerweile fast ausschließlich matte Zweilochknöpfe aus Horn von Bernstein & Banleys.

Mick Jagger im gelben Doppelreiher mit gelben Knöpfen von Tommy Nutter.

Zusatzinformationen

Unseren geliebten Abendanzug haben wir außen vor gelassen.  Er wird bei uns konsequent mit seidenbezogenen Knöpfen bestückt.  Auch hier haben wir schon andere Lösungen – wie zum Beispiel schwarze Steinnuss – gesehen … sah gar nicht soooo schlecht aus, aber nicht gut genug, als dass wir es empfehlen würden. MM/JHS

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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