The Mad Tailor: Die Macht des Kragens

Krägen werden von vielen Herren nach produktspezifischer Ästhetik ausgewählt.  Das ist an und für sich schön – Herren beschäftigen sich auch mit den kleinsten Details der klassischen Herrengarderobe.  Auf der anderen Seite ist das der falsche Ansatzpunkt.  Wir erklären Ihnen unser persönliches Geheimnis zum Finden Ihres perfekten Kragens – denn nur mit dem richtigen Kragen wird Ihr Auftritt machtvoll.

Proportionen, Proportionen & Proportionen

Wir lassen in diesem Artikel die unterschiedlichen Formalitätsgrade verschiedener Krägen außer Acht – beispielsweise dass Tab und Button-Krägen sportliche Krägen sind.  Das ist ein Thema für sich.  Uns geht uns tatsächlich ausschließlich um die korrekten Proportionen eines Kragen zu Ihrem Gesicht.  Und die Grundregel ist wirklich ganz einfach:  Die Schenkellänge und der Schenkelwinkel eines Kragens rahmen Ihr Gesicht und das menschliche Auge hat immer die Tendenz in die Mitte eines Objekts zu gucken.  Somit hat der perfekte Kragen die Pflicht das untere Ende des Rahmens so zu setzen, dass Ihre Gesichtsmitte mittig positioniert ist.

Klingt unverständlich, ist es aber nicht.  Das lässt sich am einfachsten mit Zeichnungen erläutern.

Das schmale, lange Gesicht

Ein schmales, langes Gesicht benötigt unserer Meinung nach einen langen & schmalen Kragen.  Viele andere Schneider denken konträr.  Sie sagen der Kragen sollte kurz sein, um das Gesicht nicht noch weiter zu verlängern.  Der Kragen ist aber unserer Meinung nach keine Verlängerung des Gesichts, sondern ein Rahmen.  Er positioniert das Gesicht … und dementsprechend verfehlt ein kurzer Kragen, das Ziel das schmale und lange Gesicht in den Mittelpunkt zu rücken.

Das runde, große Gesicht

Ähnliches gilt für das große und runde Gesicht.  Viele Schneider empfehlen hier einen schmalen, langen Kragen, um das Gesicht zu strecken.  Das erinnert unserer Meinung nach an ein Kastanienmännchen – Kastanie auf Zahnstocher.  Der Kragen muss lang sein, so viel gönnen wir ja den Kollegen.  Aber viel wichtiger ist, der Winkel der Schenkel.  Diese müssen eher weit auseinander stehen, damit das Gesicht gerahmt wird.  Das Gesicht wandert dadurch in die Mitte und wirkt nicht aufgespießt.

Das kleine, ovale Gesicht

Das kleine ovale Gesicht benötigt in der Konsequenz? Richtig, einen kleinen Kragen mit leichtem Spread.   Durch einen großen Kragen würde das Gesicht verloren wirken.  Man hat den Erbsenkopf-Effekt – nur das wirkt nur wirklich selten vorteilhaft.   War das jetzt schwer?  Nein, ist doch nicht mehr als Intuition.

Et cetera perge, perge

Es gibt genauso viele Gesichtsformen, wie es Menschen gibt.  Dementsprechend kann man auch nicht alles clustern.  Um mehr über Ihren perfekten Kragen herauszufinden, führt der Weg schlussendlich nicht an einem Hemdenschneider vorbei – egal, ob Sie Ihren Kragen für sich selbst bereits gefunden haben und nur noch einen benötigen, der ihn für Sie umsetzt, oder eher Hilfe beim Finden brauchen.   Uns macht gerade die Kragenwahl immer besonders viel Spaß!  Kommen Sie doch mal auf eine Tasse Tee oder ein Tässchen Kaffee vorbei.

Zusatzinformationen

Erstens, es gibt natürlich Krägen, die so zurückhaltend und konservativ gestaltet wurden, dass sie quasi jedem stehen.  Auch möchten manche Herren nicht zu viel Aufmerksamkeit auf Ihr Gesicht ziehen.  Alles verständlich und auch das macht die Wahl eines Kragens zu etwas ganz Persönlichen.  Zweitens, vergessen Sie nicht Ihre Haare.  Ich wähle zum Beispiel deshalb extrem lange Krägen, weil nicht nur mein Gesicht sehr lang und schmal ist, sondern auch aufgrund meiner Turmfrisur.  Drittens, es fällt wieder folgendes auf:  Stur Regeln zu verfolgen, weil man es mal irgendwo gehört hat, ist Quatsch.  Man muss verstehen, was man tut und nicht Regeln auswendig lernen.  Viertens, Schenkellänge und Kragenhöhe sind zwei verschiedene Themen. MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

No Comments Yet

Comments are closed