The Mad Tailor: Die Ärmelschließknöpfe

Der Film Codename U.N.C.L.E. bleibt den meisten Zuschauern sicherlich für eine Vielzahl an Dingen im Gedächtnis. Auf einen Aspekt achten aber wahrscheinlich nur Wenige, doch eben dieser ist das Thema des heutigen Artikels: Die Anzahl der Ärmelknöpfe. Wer genauer hinsieht, entdeckt nämlich, dass die Handgelenke der beiden männlichen Protagonisten mal von zwei oder gleich vier Knöpfen geschmückt werden. Doch bevor man sich der Menge selbst widmet, sollte erst einmal geklärt werden, ob die „normale“ Knopfformation, die Variante der „Kissing Buttons“ oder der Waterfall Buttons präferiert wird.

Waterfall Buttons.

Letztere ist ein traditionell eher sportliches italienisches Detail, welches allerdings von Verkäufern für Lower-End-Maßkonfektion regelmäßig – und fälschlicherweise als Kissing Button bezeichnet – als das Ideal des Ärmelabschlusses und Erkennungszeichen echter Qualität beworben wird, da der Produktionsaufwand den der Alternative übersteigt. Das mag vor absehbarer Zeit auch noch so gewesen sein, doch früher war es auch eindeutig zu erkennen, dass man einen Maßanzug vor sich hatte, wenn einer (oder gleich mehrere) der Ärmelknöpfe ungeschlossen blieb(en) – ich nutze dieses Beispiel zum Zweck der Veranschaulichung: beide Dinge haben nicht zwingend etwas miteinander zu tun. Heutzutage reihen sich diese beiden Details in die lange Liste der Merkmale, die – mögen sie auch noch so exklusiv gewesen sein – heute schon an billiger Konfektionsware zu finden sind. Deshalb wird Understatement immer wichtiger. Da sich ohnehin nur in den Augen der Kenner die Spreu vom Weizen trennt, halte ich nicht besonders viel von solchen Auffälligkeiten.

Eins, zwei oder drei…

Um mit der einfacheren – weil weniger diversen – Regel anzufangen, beginne ich mit den zweireihigen Jacken. Hier orientiert sich die Knopfanzahl an der Menge der Knopfreihen. Wir schlagen vor, die Hälfte der Knöpfe der Vorderseite aus symmetrischen und ästhetischen Gründen an den Armen zu verwenden. Drei Knöpfe wären dementsprechend passend zu einem 6-2-Doppelreiher aus hellgrauem Prince-of-Wales-Check.

 

Prince-of-Wales Check aus dem Buch Worsted & Woollen Flannels von Harrison. Ein zweiteiliger Anzug läge bei 1780€.

Die Anzahl der Frontknöpfe von einreihigen Jacken beeinflusst die der Ärmel. Zu diesem Thema schreibt Sir Hardy Amies – allseits anerkannter Gott der Savile Row – in „Das kleine Buch der Herrenmode“: „Ich denke, es ist einfach, gemäß einer simplen, ausgewogenen Formel zu arbeiten, die zum Design des jeweiligen Stückes beiträgt, daher:

            (a) Jacketts mit einem Knopf haben drei am Ärmel.

            (b) Jacketts mit zwei Knöpfen haben zwei am Ärmel.

            (c) Jacketts mit drei Knöpfen haben immer drei am Ärmel.“

Alle drei Knopfvarianten sind an einem Tweedsakko mit Hornknöpfen denkbar.

Off-White Harris Tweed von W. Bill. Ein Sakko aus dem vorgestellten Stoff läge bei 1025€.

Eine andere Lösung wäre der einzelne Knopf. Diesen findet man eher an weniger formellen Anzug- oder Sportjacken, in Einzelfällen sogar an einem Smoking. Besonders gut könnte ich mir einen Ärmelknopf aus Perlmutt an einem pastellblauen Zweiknopfanzug aus Leinen mit einem Fischgratmuster und aufgesetzten Taschen vorstellen.

Hellblaues Leinen mit Fishgrät aus dem Buch Mersolair von Harrison. Ein zweiteiliger Anzug liegt bei 1520€.

Die Knopfmenge kann, wie die „Kissing Buttons“ übrigens auch, genutzt werden, um die Armlänge optisch zu strecken beziehungsweise zu verkürzen. In meinen Augen sollte man sich der verschiedenen Faktoren bewusst sein, damit, nach Abwägen der verschiedenen Varianten, eine aufgeklärte Entscheidung getroffen werden kann. Für welches Auswahlverfahren man sich dabei entscheidet, ist lediglich abhängig von der persönlichen Präferenz, da es keine unmittelbar gültige Formel gibt und auch nicht geben wird.  Ich beispielsweise nutze in vielen Fällen vier Knöpfe, um die außergewöhnliche Länge meiner Arme zu kaschieren.

Zusatzinformationen

Vier Ärmelknöpfe waren einmal die Norm, damals fand man sie an nahezu jeder Jacke. Überreste dieser Regel sind auch heutzutage noch zu beobachten. Konfektionsjacken haben für gewöhnlich immer vier Ärmelknöpfe … auch jedes konfektionierte Sakko, das ich jemals besessen habe, folgt dieser Tendenz. Das sehe ich nicht wirklich als Problem, teils auch, da mir diese Stilisierung durchaus entgegen kommt, aber trotzdem wäre es schön, etwas mehr Abwechslung an den Armen der Mitmenschen begutachten zu können. Zusätzlich bleibt zu sagen, dass funktionslose Knöpfe nicht unbedingt für eine mindere Qualität sprechen. Anderson & Sheppard zum Beispiel schneidet nur auf den Wunsch des Kunden die Ärmelknopflöcher auf lassen sie normalerweise also geschlossen. FMJB/MM/JHS

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