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16. April 2019

The Mad Tailor: Der ultimative Guide für Bundfalten

by

Maximilian Mogg

Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.  So steht es auch um das Thema der Bundfalten.  Ich persönlich liebe sie und setze sie quasi an jede Hose meiner Lounge Suits.  Ein Faible habe ich dabei für zwei nach innen gerichtete.  Warum?  Es schlägt die Stunde des Mad Tailors; er dröselt das Thema Bundfalten mal für uns auf.

Warum überhaupt Bundfalten?

Die meisten Herren assoziieren Bundfalten mit der jüngeren ästhetischen Vergangenheit der 80ern – American Gigolo, American Psycho – wir empfehlen unseren Artikel über eben selben Film – , Miami Vice et cetera perge perge.  Der Hang zu Volumen und Pompösität kann diese Zeit nicht läutern.  Tatsächlich waren sie aber keine Erfindung der 80er, sondern feierten lediglich ein Comeback.  Die generelle Idee der Silhouette der 80er Jahre entstand aus dem Hang nach einer übermännlichen, machtvollen Figur – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.  Es wurde sich dementsprechend an den Schnittideen der 20er Jahren bedient und überzeichnet – weite Schultern, Betonung schmaler Taille, voluminöse Brustpartien … siehe auch Samantha Fox.  Damals waren Bundfaltenhosen nicht mehr und nicht weniger geschätzt für ihre irrsinnige Praktikabiltät:  sie geben schlichtweg mehr Platz und erlauben mehr Bewegungsfreiheit.  Der Hang nach Volumen und somit einer Betonung der schmalen Taille waren damit eher sekundär – aber gern angenommen.  Damit kommen wir zum schnurstracks zum nächsten Punkt.

Tiefe Bundfalten – zu sehen an dieser Vollmaßhose eines Savile Row Schneiders.

Formalität der Bundfalten

Bundfalten haben praktischen Ursprung und dienen dem Hinzufügen von Bewegungsfreiheit.  Sie sind damit frei nach Form follows Function Teil eines eher sportlichen oder lockereren Designs.   Deshalb harmonisieren sie auch gut mit Umschlägen – lesen Sie dazu auch unseren Artikel zu Umschlägen.  Auf sehr förmlichen Anzügen wirken sie deshalb teils fehl am Platz – auch hier gibt’s Ausnahmen … dazu später.  Somit kann man es sich tatsächlich einfach machen und sagen, dass Bundfalten bei formellen Anzügen wie zum Beispiel einem dunkelblauen, dreiteiligen Anzug mit steigendem Revers erst mal nichts verloren haben.  Ähnliches gilt für den dreiteiligen Smoking.

So weit, so schön.  Wenn man sich aber für die eher sportlichen und – einige Herren meinen auch – bequemeren Bundfalten entscheidet, in welche Richtung sollen sie zeigen und nach wie vielen bittet man seinen Schneider? Im englischen Stil gilt es als eher ungewöhnlich, seinen Schneider bei der Besprechung eines klassischen Lounge Suits nach Bundfalten nach außen zu bitten.  Sie gelten als zu casual für einen Lounge Suit.  Über die Gründe für diese Annahme kann man sich streiten:  ich habe von einem Schneider gehört, sie gälten als vulgär, weil man quasi im Profil in die Hose reingucken kann.  Mein Verständnis für Elitismus kennt leider Grenzen.  Aber hangeln wir uns des Spaßes halber dennoch dran: Bei einem klassischen Lounge Suit gehören Bundfalten nach innen.  Bei sportlicheren Hosen, die man zum Beispiel nur mit Sportjacken oder ohne Jacke trägt, wären Bundfalten nach außen konsequent – vielleicht sogar mit Gürtelschlaufen.

Nach innen zeigende Bundfalten.

Optik

Jetzt kommen wir zu Optik und zur Praxis.  Die Optik unterliegt meiner Philosophie nach in der Priorität der Formalität.  Manierlichkeit trumpft immer über Optik … AUSSER man betont dadurch optisch unvorteilhaft.  Bei Herren mit breiten Hüften sind Bundfalten nach außen keine gute Wahl, weil sie gerade diese nochmals betonen.  Bei breithüftigen Herren wären – auch bei sportlichen Kombinationshosen – Bundfalten nach innen vorteilhafter.  Vice versa, empfehle ich Kunden mit schmalen Hüften, die Option, Bundfalten nach außen zu wählen, nicht außer Betracht zu ziehen.

Nach außen zeigende Bundfalten a la Miami Vice.

Schlußendlich um den Rahmen wieder aufzugreifen, löse ich das Problem der Bundfalten generell über einen Formalitätsansatz:

  1. Formelle Anzüge = ohne Bundfalten
  2. Semi-formelle Anzüge = Bundfalten nach innen
  3. Kombinationen und sportliche Anzüge = Bundfalten nach außen

Zusatzinformationen

Erstens … und um diesen Lösungsansatz gleich wieder umzuwerfen, ist die eigentliche Frage somit, wie formell sieht man seinen Anzug.  Sprich ein Berufsmusiker oder -tänzer sieht seinen Abendanzug eher als Berufskleidung, die Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit garantieren muss und für ihn so gar nicht formell ist, und er wählt deshalb Bundfalten.  Ein weiteres Beispiel: Ein Nadelstreifenanzug ist für einige Herrschaften vielleicht ein formeller Anzug, für andere ist er eher casual und die Entscheidung bezüglich der Bundfalten – und selbstverständlich anderer Stilisierungsmerkmale – wird anders gefällt.  Zweitens, die Anzahl der Bundfalten kann variieren.  Ich persönlich favorisiere zwei, weil sie die Strecke zwischen Hüftbogen und  Schritt meinem Gefühl nach schöner unterteilt.  Aus eben selben Grund, habe ich auch schon Hosen mit drei nach außen zeigenden Bundfalten gesehen und mit Vergnügen getragen – lustigerweise ein grauer Vintage Nadelstreifen Anzug von Edward Sexton mit Gürtelschlaufen aus den 80ern. MM

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