The Mad Tailor: Das Reversknopfloch & die Boutonnière

The Mad Tailor ist eine neue Serie bei Mr Lush & Other Stories, die die kleinsten Kleinigkeiten an Herrenoberbekleidung abhandelt und erklärt.  Ein (wie ich finde) besonders schöner Einstieg in diese Serie ist das Reversknopfloch.  Wie viele sollte man haben oder braucht man es überhaupt?  Hat es eigentlich einen Zweck und wenn ja, ist dieser noch zeitgemäß?  Und … was heißt Boutonnière?

Die Boutonnière – Was ist das eigentlich?

Ich habe mich schon einmal über das Thema in Boutonnière – Die vergessene Kunst ausgelassen.  Um Redundanzen zu vermeiden, verzichte ich auf ein erneutes Eingehen auf die Historie und ähnliches.  Manchmal darf man auch vom Leser erwarten, dass er den Kram liest, den man schreibt.  Zusammenfassung: Eine Blume im besagten Reversknopfloch zu tragen, ist meiner Meinung nach weder zu weiblich noch etwas für aus der Zeit Gefallene.   In der Folge ist das Reversknopfloch – der Halter der Boutonnière –  auch nicht redundant und man darf ihm Aufmerksamkeit widmen.

Wie viele sollte man haben und wo?

So … da wir ja gerade gemeinsam beschlossen haben, dass wir auf die Kleinigkeit bitte nicht verzichten – im übrigen in Amerika auch im Bespoke tatsächlich nicht unüblich -, fragen wir uns, wie viele man sich stechen lässt.

Der Einreiher

Der Einreiher sowohl mit Spitzfasson als auch mit fallendem Fasson bekommt seine Boutonnière auf die linke Seite – sozusagen knapp über das Herz seines Trägers – gestochen.  Die Rückseite des Revers wird mit einer Schlaufe versehen, damit der Blumenstängel auch hübsch in Position bleibt.  Ich empfinde ein sogenanntes Milanese-Knopfloch als sehr schön – vielleicht hat es manchmal zu viel Mantelcharakter und das einfache Schlitzknopfloch ist vorzuziehen – , aber auch ein Knopfloch in Schlüssellochform auf ein fallendes Revers ist sehr ansprechend.  Ob das Knopfloch von Hand gestochen sein sollte, ist keine Frage des Geschmacks, sondern selbstverständlich.

Irritierend! Kein Reversknopfloch bei Bond.
Irritierend! Kein Reversknopfloch bei Bond.

Der Doppelreiher

Beim Doppelreiher wird es jetzt ein bisschen interessanter.  Aufmerksame Beobachter haben sicherlich festgestellt, dass einer der bestgekleideten Herren, HRH Prince of Wales alias Prince Charles, seine Doppelreiher von Anderson & Sheppard auf beiden Seiten mit jeweils einem Knopfloch zieren lässt  Das ist nicht nur symmetrisch schön, sondern auch historisch korrekt(er).  Geschichtlich gesehen orientierten sich die zwei Knopflöcher an den darunter liegenden Knöpfen: das Revers konnte somit bei Wind und Wetter zugeklappt und mit Knöpfen auf der gegenüberliegenden Seite unter dem Kragen geschlossen werden.  Bei Mantelklassikern wie Peacoats und Greatcoats sieht man das auch heute noch.  Diese Optik und Funktion wurde auf doppelreihige Jacketts übertragen, selbst wenn man das hohe Spitzrevers nicht mehr umschlägt bzw. umschlagen kann.

Somit haben zwei Knopflöcher für den Betrachter einen assoziativen Hauch vom historischen Verständnis eines Doppelreihers, wohingegen ein Knopfloch auf links beim Doppelreiher die Funktion des Knopflochs unterstreicht: nämlich die des Blumenhalters.

Ich hoffe, mit diesem stiftenden Beitrag eine weitere Schippe Klugs*****e auf den Haufen unnützen Wissens gepackt zu haben und damit Ideen für Modeforendiskussionen entzündet zu haben.  Im Übrigen war ich bisher immer auf der Seite von Cyril Castle – siehe Zusatzinformationen zur Aufklärung – und habe bei den doppelreihigen Anzügen für meine Kunden und meine eigenen immer nur ein Knopfloch stechen lassen.  Bei meinen nächsten zweireihigen Anzügen von Maximilian Mucska und Max Mogg – Berlin habe ich mich zu zwei Knopflöchern entschlossen.

Schon besser! Roger Moore in unverwechselbarer - huhst - Manier in einem zweireihigem Anzug von C. Castle.
Schon besser! Roger Moore in unverwechselbarer – huhst – Manier in einem zweireihigem Anzug von C. Castle.

Auf zwei Knopflöcher

Zusatzinformationen

Es ist schön zu wissen, dass James Bond eigentlich alle Arten der Knopflöcher durch die Filme hinweg trug.  So hat Schneider Douglas Hayward in For Your Eyes Only, in Octopussy und in View for a Kill mit Roger Moore alle doppelreihigen Kreationen mit zwei Knopflöchern versehen.  Wohingegen Cyril Castle, Schneider der Anzüge von Roger Moore in Live and Let Die und The Man with the Golden Gun, nur ein Knopfloch auf links für alle doppelreihigen Kreationen bevorzugte.  Der italienische Schneider Angelo Vitucci entschied sich in Moonraker und The Spy who loved me für kein Knopfloch – womit die Geschmacklosigkeit und Absurdität dieser beiden Bondgeschichten ein weiteres Mal unterstrichen wäre. MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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