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7. Februar 2021

Style Icons – Remington Steele

by

Maximilian Mogg

Wenn es zu gutem Stil kommt, habe ich eine Schwäche für die ansonsten meist so gehassten 80er.  Gerade die Filmkostüme der Zeit haben es mir angetan:  Angefangen von Gordon Gekkos Outfits in Wall Street über die Entwürfe Armanis für The Untouchables bis hin zu den Kostümen des Protagonisten einer amerikanischen Serie, die vielleicht so niemand hier auf dem Zettel hat: Remington Steele.  Remington Steele, gespielt von niemand anderem als dem jungen Pierce Brosnan, der mit dieser Serie sich quasi für mit eigener Kusshand für James Bond bewarb.  Colorandi causa: Witzigerweise gäbe es keinen Timothy Dalton als Bond-Darsteller, hätte Pierce Brosnan nicht Remington Steele gespielt.  Brosnan wurde bereits 10 Jahre vor seinem Aufsteigen zum englischen Kultagenten als Bond-Favorit gehandelt, konnte aber aufgrund des Serienvertrags nicht die Rolle annehmen.  

Genug geschwafelt, ein genaueres Augenmerk auf die Garderobe ist gefragt:  Der schlanke & smarte Brosnan trägt fast ausschließlich klassische, englisch inspirierte Herrengarderobe, die aus meinen Augen – bis auf ein paar Ausnahmen vielleicht – noch genauso heute getragen werden kann.  Die Kostüme sprechen die Sprache vergangener Dekaden mit der gewissen Panache der 80er Jahre.  Auch sieht man immer wieder gekonnte und weniger gekonnte – aber irgendwie charmante – Stilbrüche wie zum Beispiel weiße Hemden zu Tweed Anzügen, Gürtel zu dreiteiligen Anzügen zu bundfaltenlosen Hosen & viele rote Seideneinstecktücher, die nach modernem Auge dann doch eigentlich nur altbacken wirken.  Gerade letzteres erinnert mich an Stiltipps des entfernten Verwandtenkreises des eher älteren Semesters à la „Wag doch mal EIN BISSCHEN Farbe“.  Phrasen, die man gerne auch an Empfängen mit warmen Sekt und kalten Kaffee in den diversen Sporthallen dieser Welt immer auch noch heute hören darf.  Schlussendlich sind es aber doch die Details, die es mir angetan haben:  So trägt Remington Steele eigentlich ausschließlich schwarze Schuhe – klingelt es? -; hier der Link zu meiner Ode an schwarze Schuhe.  Die englischen Schnitte der Anzüge sind wahnwitzig elegant: Hohe Armlöcher, kombiniert mit schmal geschnittenen Pagoda-Schultern und tiefe Knopfpositionen unterstreichen den sowieso schon eher schlaksigen Körper von Brosnan in galanter Weise.  Die Tuchwahl ist nach heutigen Standards konservativ, jedoch brilliert sie durch einen Blick für das gewisse Etwas:  Ein brauner Glencheck als worsted wool ist ein Tuch, an das sich heute sicherlich wenige Herren herantrauen würden, aber dadurch, dass es beim besagten Tuch um eine hohe S150er Ware – ich vermute – mit einem Hauch Kaschmir handelt, hat der Stoff einen eleganten subtilen Glanz, der das sonst eher ländliche Muster hervorragend in einen städtischen Anzug verwandelt.  Zu guter letzt darf ich auf die Armreifen von Pierce Brosnan hinweisen?  Er ist häufig zu Abendveranstaltungen mit einer goldenen Armkette zu sehen, die genau der richtige Bruch zu den ansonsten erst einmal so konservativ wirkenden Anzug- und Hemdenkombinationen. 

Schlussendlich ist und bleibt Remington Steele ein exzellentes Beispiel dafür, wie auch vergangener Zeitgeist Quelle für unendliche Inspiration in Sachen Silhouette und Tuchwahl sein kann. Wie schade, dass Brosnans Garderobe in seiner Rolle als Bond noch nicht einmal ansatzweise an die des charmanten Privatdetektivs heranreichte – die Vorboten hätte eigentlich anderes erwarten lassen dürfen.

MM/PS