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22. Dezember 2015

Sprezzatura – Das gewisse Etwas?

by

Maximilian Mogg

Die Italiener sind die Erfinder und Großmeister dieser Disziplin, die Engländer tun so, als hätten sie nie davon gehört und die Deutschen denken an italienisches Gebäck. Die Rede ist von Sprezzatura:

Es handelt sich dabei nach Baldassare Castigliones „Libro del Cortegiano“ (Das Buch vom Höfling, Venedig, 1528) um die Fähigkeit, auch anstrengende Taten leicht und mühelos erscheinen zu erlassen. Diese Einstellung zur Nonchalance passte perfekt zum Umdenken der italienischen Renaissance und hat bis heute überlebt.

Beim Tragen eines Anzugs oder anderer förmlicher Kleidung ist es frei nach Castiglione somit immer noch die Maxime, nicht affektiert zu wirken. Das modische Auftreten muss so erscheinen als wäre man quasi in die Klamotten hineingefallen und als würde man keinen Wert auf sie legen. Mittel, die diesen Eindruck erzeugen sollen, sind unter anderem das Nichtschließen des letzten Ärmelknopfs, das Tragen patinierter Familienerbstücke oder das nicht ganz akkurate Kämmen der Haare.

Sprezzatura ist aber für mich nur ein Weg, um elegant zu wirken. Eleganz erreicht man meiner Ansicht nach nicht durch ein 10-Schritte-zum-Erfolg-Rezept alla „Stopfen Sie das Einstecktuch vogelwild in Ihre Brusttasche, um elegant zu sein“. Im Gegenteil! Den Kleidungsstil von Sprezzatura-Meistern wie Gianni Agnelli zu kopieren, beispielsweise die Uhr über der Manschette zu tragen, wird bei 99% aller Herren eher lächerlich wirken.

Sie sollten stattdessen einen eigenen Stil nach persönlichen Maximen entwickeln. So interpretieren einige Menschen die Lockerheit, die offen getragene Monks vermitteln sollen, eher als Schlampigkeit. Sie bevorzugen einen konservativen, seriösen Stil mit korrekt gebundenem Windsorknoten und akkurat gefaltetem Einstecktuch. Für diese Herren wäre es nicht zielführend, sich gegen ihre Überzeugung und ihren Geschmack kleiden. Man kann seinem Auftreten nämlich auch ohne offene Schuhe eine persönliche Note verleihen, zum Beispiel durch ein geschmackvolles, ausgefallenes Krawattenmuster.

Kurzum: Verkleiden Sie sich nicht, stellen Sie sich dar. Sprezzatura ist ein stark italienisch geprägter Weg zu zeitlosem Stil; und bekanntlich führen viele Wege nach Rom.MM