SILVER SCREEN REVISITED – The Italian Job (1969) und Get Carter (1971)

by

Bob The wardrobe builder

Beide Filme zählen zu meinen absoluten Lieblingen. Beide sind Gangsterfilme und in beiden spielt Michael Caine die Hauptrolle. Aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. The Italian Job ist beinahe schon ein überspitzt klassischer Gangsterfilm, gespickt mit dem Bild des englischen Außenseiters, der mich sehr an den Esprit des alten Britanniens erinnert. Hinzu kommt, dass viele Szenen in glamourösen Etablissements spielen. So ziemlich das genaue Gegenteil davon ist Get Carter. Ein düsterer, intensiver und brutaler Gangsterfilm, dessen Hauptthema Rache ist. Im Gegensatz zu The Italian Job spielt der Film in dem nordwestlich gelegenen Newcastle, das damals als relativ raues Pflaster galt. 

Trotz der Unterschiede, die beide Charaktere mit sich bringen, hätten sie – mit dem jungen Michael Caine – kaum besser besetzt werden können. Ausgestattet wird er in beiden Fällen von seinem eigenen Schneider, Douglas Hayward. Dieser kleidet ihn, typisch im Stil der späten 60er bzw. frühen 70er Jahre ein (übrigens eine meiner Lieblingszeiten in der Herrenmode), beachtet aber auch die charakterlichen Unterschiede der beiden Rollen. So ist Charlie Croker ein Kleinkrimineller, wohingegen Jack Carter ein professioneller Killer ist. Beide leben in London und haben die Neigung, nicht immer dem Pfad des Gesetzes zu folgen. 

Nun aber zu den Sartorialen Highlights der beiden Filme:
Zu Beginn von The Italian Job besucht Caine seinen Schneider. Das Resultat ist sogleich bei einem Besuch im Royal Lancaster Hotel zu bewundern. Ein wunderbarer grauer Dreiknopfanzug, mit einer blau-grauen Krawatte und einem hellblauen Hemd mit königsblauen Streifen. Die Jacke hat zwei hohe Seitenschlitze (!), Pattentaschen, die aber leider (meiner Meinung nach) nicht angeschrägt sind. 

In einer späteren Szene, am Flughafen von Turin, trägt er einen sommerlichen cremefarbenen Dreiknopfanzug – diesmal mit angeschrägten Taschen.

In der Eröffnungsszene von Get Carter trägt Caine einen grauen doppelreihigen Anzug (mit angeschrägten Taschen!), ein kornblumenfarbenes Hemd und eine navyfarbene Krawatte. Eine Sache fällt bei Carter sofort auf – er trägt ausschließlich blaue Hemden[1], sogar auf der Beerdigung seines Bruders. 

Ein weiteres erwähnenswertes Kleidungsstück ist ein navyfarbener Dreiteiler, mit einer starken Taillierung und extremer Sanduhrform. Dazu – vermutlich dem regnerischen Wetter in Newcastle geschuldet – einen dunkelblauen Macintosh. Die Stildetails, die Hayward verwendet, erfüllen ihren Zweck perfekt. Cain wirkt den ganzen Film über außerordentlich einschüchternd und gefährlich.

Wie bei jeder Ausgabe von Silver Screen Revisited kommen wir jetzt zu den Punkten, die wir, falls wir die Ehre gehabt hätten, den Film auszustatten, ändern würden. In diesem Fall jedoch wären die Änderungen nur minimal. Wir würden Michael Caine die ganze Zeit über mit angeschrägten Taschen ausstatten und die Jacke um eine Ticketpocket ergänzen. Außerdem würden wir das Jackett um 1-2 cm verlängern, da es für unser Empfinden etwas zu modisch, zu kurz geschnitten ist.

Ein weiterer Hinweis gebührt an dieser Stelle der Filmmusik, die in beiden Filmen hervorragend ist! In The Italien Job haben wir sie dem Komponisten Matt Munro zu verdanken (der unter anderem auch die Musik für From Russia With Love geschrieben hat), die die Stimmung der altbackenen Gesellschaft und ein wenig später die naive Leichtigkeit von Croker und seiner Bande wiedergibt. In Get Carter stammt die Musik von Roy Budd und ist ebenfalls sehr bemerkenswert (Ich möchte an dieser Stelle an das Stück, das bei der Zugfahrt nach Newcastle gespielt wird, erinnern – ein absoluter Klassiker!).

Beide Filme sind sowohl Kinder als auch Meisterwerke ihrer Zeit und erweisen der Schneiderkunst Dogie Haywards ihren Tribut. Falls Sie sie noch nicht gesehen haben, tun Sie sich den Gefallen und schauen Sie sich beide an! Sie werden lieben was Sie sehen. BTWB/TG/JHS/MM


[1] Kurze Randnotiz für unsere deutschen Leser: In England wurde lange zwischen „white collars“, der Oberschicht, und „blue collars“, der Arbeiterklasse, unterschieden.