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30. Oktober 2021

Silver Screen Revisited: Der große Gatsby (2013)

by

Yves Yannick Stork

Baz Luhrmanns Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds Romanklassiker The Great Gatsby ist ein visuelles Feuerwerk und eine Ode an die Opulenz der 1920er Jahre. Zugegeben: Das Kostüm, vor allem Gatsbys Anzüge, kommen nicht an die Fassung aus den 70ern heran, aber eins nach dem anderen.

Luhrmanns Film zeichnet einen Gatsby, der seinen hoffnungsvollen Glauben, die Vergangenheit wiederholen zu können und seine große Liebe Daisy wiederzugewinnen, nie aufgibt. Und dennoch verzweifelt Gatsby an seinem Geltungsstreben und seinem Verlangen nach Absolution. Er schafft es nicht, so sehr er sich auch bemüht, zum „Alten Geld“ zu gehören und seine eigene Vergangenheit hinter sich zu lassen. Die schönen Autos, wilden Parties und bunten Anzüge sind ein perfekt inszenierter Schein, um Daisys Aufmerksamkeit zu gewinnen, doch seine Herkunft kann er selbst mit den kühnsten Erzählungen nicht ausradieren – eine traurige Erkenntnis, die Gatsby jedoch nicht wahrhaben möchte, und so lässt er sich in seinem Versuch, Daisy zurückzugewinnen, von nichts abbringen. 

Visuell und musikalisch ist der Film geradezu überladen: Von den Partyszenen, dem New Yorker Appartement von Tom Buchanan, das an Diana Vrelands Apartment angelehnt ist, bis hin zu Gatsbys Besuch in einem Speakeasy, überall herrscht ein wilder Rausch. Und selbst in der grau-schwarzen Einöde, wo die Braunkohle abgebaut wird, um die Party am Laufen zu halten, herrscht ein aufgeregtes Treiben. Die Goldenen Zwanziger sehen in kaum einem anderen Film so schillernd und glänzend aus, wie hier. 

Darüber hinaus bedient sich Luhrmann einigen Tricks, um das Ganze nicht wie ein Epochendrama wirken zu lassen: der palimpsestische Soundtrack aus orchestralen Stücken, Jazz-Adaptionen (unter Mitwirkung von Bryan Ferry) und zeitgenössischen Pop und Rap-Songs ist für meinen Geschmack ziemlich genial. So gibt es gleich drei musikalische Ebenen, die sich gegenseitig unterstützen, die Zuschauer und -hörer immer wieder in neue Welten eintauchen lassen und zur Schnellebigkeit des Films beitragen.

Doch kommen wir zum Wesentlichen: Gatsbys Kleidung ist sicherlich Geschmacksache, aber sein Sinn fürs Außergewöhnliche, fürs Exzentrische liegt uns ja nicht sonderlich fern. Der Leinenanzug in zartem Rosa ist fast schon ein Synonym für ihn. Aber auch der cremeweiße Einreiher, den er zum Tee mit Daisy trägt, ist nicht zu verachten: Drei Schließknöpfe, dazu ein blaues Hemd, eine gelbe Krawatte samt Nadel und eine beige-braune Weste. Die im Film immer wieder erwähnten hochmodernen Spitzkragen-Hemden, die Gatsby von seinem Antagonisten abheben, sind genau nach unserem Geschmack. Über Schnitt und Passform werde ich mich nicht auslassen – dass der amerikanische Ausstatter inzwischen aus der Insolvenz gerettet werden musste, spricht für sich.

Unser Vorschlag für einen Look a la Gatsby.

Wenn wir also die Ehre hätten, diesen stets hoffnungsvollen Träumer ausstatten zu dürfen, würden wir zu unserem eisgrünen Flanell-Anzug greifen. Hier vereinen sich Farbenfreude und Vielseitigkeit – schließlich muss Gatsby neben den Partys auch noch ein ebenso dubioses wie erfolgreiches Schmuggelgeschäft führen, was ihn zumindest ab und an zu einem Geschäftsessen zwingen dürfte. Gleichzeitig kann sich dieser Anzug auf jeder Party dieser Welt sehen lassen – und sie werden ganz bestimmt nicht in der Menge untergehen.

In diesem Sinne: „My life, old sport… my life has got to be like this. It’s got to keep going up.“  YS/MM