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11. Oktober 2020

Silver Screen Revisited – Brideshead Revisited (1981)

by

Bob The wardrobe builder

Brideshead Revisited (BR) in unsere Reihe Silver Screen Revisited einzuordnen macht Sinn, ist aber eigentlich nicht ganz richtig, da es sich nicht um einen Film, sondern um eine Fernsehadaption handelt; genauer gesagt, um eine Adaption von Evelyn Waughs gleichnamigem Roman von 1945. Und wie The Great Gatsby (TGG) zählt auch Waughs Roman zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

Schon eine oberflächliche Analyse der beiden Romane zeigt, dass diese literarischen Meisterwerke viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide spielen in den 1920er Jahren, BR in England, TGG in den USA, und beide fangen den Zeitgeist der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ein. Beide Werke zeigen wie die Wohlhabenden zwischen den beiden Weltkriegen lebten, und in beiden Romanen spielt der Alkoholkonsum eine zentrale Rolle. Während sich in BR der Protagonist in einem ständigen Kampf gegen den Alkoholismus (oder, in Waughs Worten, der Dipsomania) befindet, ist Gatsby ein mutmaßlicher Schmuggler im Amerika der Prohibitionszeit.

Auch die Verfilmungen haben einige Gemeinsamkeit: beide fangen die lebhafte Bildsprache und die fesselnde Prosa der Romane, auf denen sie basieren, auf großartige Weise ein. Beide Verfilmungen sind akribisch, detailverliebt und die Sprache der Autoren wird hervorragend in die Dialoge übertragen. Beide Erzähler (Charles Ryder in BR und Nick Carraway in TGG) sind eng befreundet mit der Hauptfigur. Beide Werke nehmen sich viel Zeit, um die Geschichten sorgfältig zu entwickeln. TGG (mit 2 Stunden und 23 Minuten) war für die Verhältnisse von 1974 ein recht langer Film, und BR lässt es mit elf Episoden von insgesamt etwa 11 Stunden wirklich langsam angehen!

Aus Perspektive der klassischen Herrenbekleidung ist BR außerordentlich spannend! Die Serie ist mit vielen stilistischen Details aus den 1920er Jahren gespickt. Ich möchte Sie nicht mit allen Details bombardieren – wer hat in welcher Episode was und wie getragen? Stattdessen werde ich versuchen, die groben Züge des Kleidungsstils einzufangen. Mein Fokus liegt auf den ersten zwei oder drei Episoden von BR – in dieser Zeit blüht die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren, Sebastian und Charles, auf und die grundlegende Stimmung ist sehr unterhaltsam. Diejenigen, die die Geschichte bereits kennen, wissen, dass sie im weiteren Verlauf immer tragischer und trauriger wird. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es handelt sich um eine brillante Serie, die Sie unbedingt von Anfang bis Ende schauen sollten. Wir konzentrieren uns jedoch auf die anfänglichen, frohmütigen Episoden, in denen auch die Kleidung eine wichtige Rolle spielt.

Die Hauptfigur, Lord Sebastian Flyte, wird von Anthony Andrews gespielt. Lord Flyte wird von seinem besten Freund, dem Erzähler der Geschichte, Charles Ryder als „der auffälligste Mann seines Jahrgangs [in Oxford]“ beschrieben, der sich durch „seine Schönheit und sein exzentrisches Verhalten“ auszeichnet. Die meiste Zeit trägt Sebastian einen Teddybär namens Aloysius bei sich. Zu Beginn stellt Charles in einer sehr kurzen Passage den tadellosen Kleidungssinn seines Freundes dar. Als Sebastian den Raum betritt beschreibt Charles sein Outfit wie folgt: Er trägt „taubengraues Flanell, weißes Crêpe de Chine, eine Charvet-Krawatte, meine Krawatte…“. Sebastian kleidet sich in den glorreichen ersten Episoden in Flanell, Tweed und anderen prächtigen Stoffen. Im Sommer trägt er auch wunderbare Leinenanzüge.

Sebastians Hosen sind geräumig geschnitten, haben tiefe Bundfalten, werden mit Hosenträgern getragen oder, in lässigeren Situationen, von einer als Gürtel getragenen Krawatte gehalten. Apropos Krawatten: Die Serie zeigt die jungen Studenten in Oxford häufig in gestreiften Krawatten – so auch Sebastian. Seine Jacken sind meist einreihig, mit zwei oder drei Schließknöpfen, die Taschen sind mit großzügigen Patten versehen und die Revers sind breit. Und, wie es damals üblich war, sind die meisten seiner Anzüge dreiteilig. Die Hemden haben umgeschlagene Manschetten und meist abnehmbare Clubkragen.

All dies lässt sich auch auf Charles, gespielt von Jeremy Irons, übertragen. Zunächst möchte ich festhalten, dass Charles‘ Geste, Sebastian eine Charvet-Krawatte zu schenken, nicht nur Ausdruck seiner großen Freundschaft, sondern auch seines tadellosen Geschmacks ist! Mit fortlaufender Zeit ähnelt Charles‘ Stil immer mehr dem von Sebastian (abgesehen vom Teddybären). Als Charles zum ersten Mal nach Oxford kommt, versucht sein Cousin Jasper, der im vierten Jahr seines Studiums ist, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Jasper wirkt wie ein freudloser, aufgeblasener Snob. Nichtsdestotrotz gibt er Charles hilfreiche Tipps hinsichtlich der korrekten Mode in Oxford. Er empfiehlt Charles: „Ziehe Dich an, wie für ein Landhaus. Trage niemals eine Tweedjacke und Flanellhosen. Trage immer einen Anzug. Und geh‘ zu einem Londoner Schneider; der Schnitt ist besser und der Kredit ist länger.“

Trotz dieses guten Rates erweist sich Jasper als langweilig, wie eine meiner Lieblingsszenen bezeugt. Etwa eine Stunde nach Beginn der ersten Episode („Et In Arcadia Ego“) besucht Jasper Charles in seinen Räumen am Hertford College in Oxford. Jasper weist Charles darauf hin, ein respektables und weniger extravagantes Leben zu führen. Darüber hinaus hinterfragt Jasper Charles‘ Kleidung, der in dieser Szene eine prächtige hellgelbe Krawatte mit einem dunklen Paisleymuster trägt, die er zu einem – halten Sie sich fest – Bananenknoten gebunden hat! Er sieht fantastisch, elegant und ungezwungen aus, viel weltlicher als sein älterer Cousin, und weist Jaspers Zurechtweisungen ab. Ein Bananenknoten – kaum zu glauben!    

Ein weiterer auffallender stilistischer Aspekt, der sich durch die Serie zieht, ist die immer wiederkehrende formelle Kleidung. Die Serie zeigt die Protagonisten nicht nur im klassischen black tie, sondern auch in white tie, was in dieser Ära vor allem bei sehr förmlichen Abendessen und anderen offiziellen Zusammenkünften getragen wurde.

Wie immer möchte ich ein paar Vorschläge unterbreiten, wie wir die Protagonisten einkleiden würden, wenn uns diese Ehre zukäme. Ich würde Sebastian und Charles gerne in unserem hochschließenden, einreihigen Anzug sehen, den wir seit kurzem als Modell Tobin anbieten. Sie würden umwerfend aussehen! Aber, was noch wichtiger ist, ich würde sie gerne in farbenfroheren Hemden sehen – vor allem in den Pastellfarben, die uns so sehr gefallen: Rosa, Flieder, Apfelgrün und Gelb, um nur ein paar Favoriten zu nennen. Denken Sie zum Beispiel an Gatsbys Hemden, die er zur gleichen Zeit in London für sich anfertigen lässt.

BR ist zweifelsohne eine der stilvollsten und elegantesten Verfilmungen eines literarischen Werkes. Wenn Sie elf Stunden Zeit zur Verfügung haben (und wer hat das momentan nicht? – ich sage nur Homeoffice), gibt es nur wenige andere Möglichkeiten, Ihre Zeit so gut zu verbringen. Das schreit geradezu nach Binge-Watching! BTWB/YYS/MM