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6. Oktober 2017

S1E11 – Zwischen den Markisen tropft es

by

Maximilian Mogg

Bei einer Schale Milchkaffee und ein klein wenig trockenem Gebäck unterhalten und verstehen sich Mr Lush und Olivier prächtig mit der Buchhändlerin Rose.  Mr Lush war und ist noch zögerlich ob des forschen Vorschlags des Ozelots, als Buchhändler zu arbeiten.  Seinen literarischer Hintergrund würde er – gelinde gesagt – als unterdurchschnittlich beschreiben.   Er liest zwar hin und wieder sehr gerne und hat auch in seiner Zeit in Eton viele Literaturklassiker durchwälzt, aber dem immerschlauen Ozelot und der Buchhändlerin kann er bei weitem nicht das Wasser reichen.  Deswegen ist er in dem Gespräch eher kleinlaut, lässt den Ozelot machen und beschäftigt sich mit der Umgebung:  Das Kaffeehaus ist gefüllt mit den feinen Damen unserer Zeit.  In den Gesprächen der Damen geht es um die neuesten Diäten, die besten Fitnesscoaches und um die ach so vulgäre Kleidung ihrer nicht anwesenden Freundin.  Das überlaute Gackern und die parfümübertünchten Luft betäuben seine Ohren und Nase.  Möglicherweise ist Lushs Fokus auf diese Kleinigkeiten schlicht und ergreifend unnötig, aber sie scheinen ihn in diesem Moment zu überwältigen.  Während Olivier die Buchhändlerin mit seinem Allwissen zu betören weiß, bittet Lush um kurze Entschuldigung,  er wolle kurz frische Luft schnappen.

Eine logische Sekunde später steht er mit einer seiner letzten Zigaretten in dem kleinen, aber sehr feinen Innenhof des Cafés: Zwei bereits ausgestellte Markisen schützen insgesamt vier Thondepp Stühle mit winzigen Beistelltischen vor dem aufkommenden Nieselregen.  Er setzt sich auf einen der vier, pafft Ringe in die Luft und start auf den winzigen Garten in der Mitte des Hofs, in dem auf magische Art und Weise eine unendliche Vielzahl unterschiedlichster Blumen auf kleinsten Raum blühen.  Ein wenig zugedröhnt vom Nikotin und der Schönheit des Anblicks schrickt er auf, als es an der Fensterscheibe der Terrassentür vorwarnend klopft.  Eine ihm zunächst unbekannte (feine) Dame öffnet die Tür und sagt:

Was machst DU denn HIER?!  Ich habe Deinen Brief gelesen, die ganze Stadt lacht sich tot. 

Mr Lushs Atem steht still und er schiebt sich mitsamt Stuhl ruckartig weg von der Dame: Es hatte seine eigene Frau nicht wiedererkannt und er befürchtet jetzt das schlimmste.

Ich mach’s kurz: Wussten wir ja beide, dass das irgendwann kommen musste!  Kannst Dich gerne aus Deinem bisherigen Leben komplett zurückziehen.  Vermisst wirst Du sowieso nicht!  Ich werde mich weiter von meinem Freund aushalten lassen, der hat wenigstens Manieren, und werde meinen Mädchennamen wieder annehmen.  Adieu!

Die Frau dreht sich im Türrahmen nochmal um.

Eine Frage nur noch: Warum hast Du damals um meine Hand angehalten?

Mr Lush nimmt einen großen, letzten Zug, drückt die Zigarette im Aschenbecher aus, schaut auf, pafft langsam aus und sagt mit ruhiger, klarer Stimme:

Körperliche Attraktion.

Die Tür knallt.  Er ist wieder allein.  Er bemerkt langsam, dass er sich vorhin zwischen die Markisen geschoben hat.  Der Nieselregen hatte sich zwischenzeitlich verstärkt.  Er ist nass.  Es ist ihm egal.  Nach vielleicht fünf, zehn oder zwanzig Minuten, klopft es erneut und Olivier und Rose schreiten heraus.  Mr Lush sitzt immer noch zwischen den Markisen.

Hast Du einen Geist gesehen?, fragt der Ozelot.

So ähnlich. 

Geht es Ihnen gut?, fragt die Buchhändlerin besorgt.

Langsam besser. 

Kommen Sie wieder mit hinein!  Olivier und ich haben uns geeinigt.  Darauf sollten wir anstoßen! Rose strahlte.

Mit Vergnügen, Mr Lush zwingt sich zu einem Lächeln, steht auf und geht mit den beiden erleichtert mit.  MM