Pitti Uomo 95 – Blau-grau

Es war wieder soweit:  Eine der wohl schönsten Städte der Welt – Florenz – wurde Gastgeberin für die fünf Tage währende Pitti Uomo.  Abertausende der – teilweise/hauptsächlich selbsternannten – interessantesten Männer der Welt sieht man in diesen Tagen authentisch, an Straßenlaternen lehnend, schnellen Schrittes ein sehr, sehr wichtiges Telefonat führend und locker auf die teure Armbanduhr schauend – stets auf den Blitz eines Fotografen wartend.  Kurze Bemerkung zur Sicherheit: ich muss Sie, als werte Leser des Journals, sicherlich nicht darüber unterrichten, dass die Pitti Uomo keine Hundeschau ist, sondern eine Handelsmesse.  Dies wiederum erklärt, dass die eigentlichen Einkäufer und Verkäufer bzw. Profis an der Messe von dieser Entwicklung zum Affentheater eher angepisst sind wie Klobrillen.  Es ist schlichtweg ein grotesker Zirkus.

Wegen dieses Zirkusses sind Trends kaum noch erkennbar.  Das hat wiederum zwei Gründe:  Erstens, der Profi läuft Gefahr, wenn er ein bisschen kleidungstechnisch aus der Reihe tanzt und Ideen präsentieren möchte, dass er eben nicht als solcher erkannt, im Gegenteil – in die falsche, lächerliche Schublade gesteckt wird.  Zum anderen fühlt sich der Beobachter wie bei „Wo ist Walter?“, wenn er auf die geballten Massen an schlecht und laut gekleideten Herren lugt. 

Wir haben auf jeden Fall genau hingeschaut und kommen aus Florenz mit dem wahnsinnigen Wissen, dass Blau und Grau sehr gut aussehen. Der doppelreihige Kreidestreifenflanell war auch nie nicht tragbar. Hier und da sah man erdfarbene, klassische Kordanzüge. Die bestgekleideten Herren erkennt man ihrem zurückhaltenden, konservativen Stil – mit viel Gefühl für Accessoires.  Jedenfalls haben wir einander mehrfach während der Messe gefragt: „Habt Ihr zwischenzeitlich schon etwas gesehen?“ … und leider mussten wir alle antworten … „Im Sommer, da sehen wir bestimmt mehr.“ MM/JHS

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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