Per Rauchzeichen an Mr Lush, City of Westminster

by

Ozelot

Mon cher ami,

meine Begegnung in der Kronenhalle blieb nicht ohne Folgen. Einige Tage nach meiner Epiphanie erhielt ich in meinem Hotel eine Nachricht. Die Überbringerin der Botschaft war une panthère très élégante… Freundlich fragte Sie mich, ob mir die kandierten Früchte zugesagt hätten und übergab mir von Ihrem Meister, dem Vielnamigen, eine Einladung zu einem Fest. Dann entschwand Sie leichtfüßig. Im Vorbeigehen verzauberte Sie noch den Liftboy, der vor Neugier im Fahrstuhl fast platzte als er mich auf die Etage brachte.

Das Fest fand an der Goldküste in der Nähe von Küsnacht statt. Der Portikus war mit Wein und Efeu geschmückt. Bevor ich läuten konnte, öffnete die reizende Botin die Pforte und ich wurde hereingeführt. Nun ich schätze wir waren circa 50 Gäste. Ich sah kein einziges mir bekanntes Gesicht. Kein guter Start. Auf dem Sitzplan suchte ich meinen Platz und fand mich neben zwei Damen wieder. Die eine war bereits als überreif zu beschreiben. Ich glaube, Ihr fehlten der eine oder andere Zahn, was die Verständigung nicht einfacher machte, denn Sie sprach noch dazu einen Dialekt, den ich als Strafe empfand. Meine andere Nachbarin war eine Nymphe. Ihr Gesicht zart gezeichnet von der Unschuld und Ihre Augen so Blau wie Enzian und kalt wie Eis. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Ich versuche Ihnen den Ablauf des Festes zu beschreiben, bitte aber um Nachsicht, denn es passierte so viel und einiges blieb für mich im Dunkeln.

Der Saal war feierlich dekoriert: Efeu, Wein und hier und dort eine goldene Panflöte sowie riesige Schleifen aus azurblauer Seide. Dieses schmückende Beiwerk war ein schöner Kontrast vor der sonnengelb-leuchtenden Wandfarbe. Die Decke der Räumlichkeit wurde durch Ionische Säulen getragen und mehrere Lüster tauchten die Gesellschaft in ein warmes Licht. Aber den Gastgeber sah ich zunächst nicht.

Von einem Moment zum anderen drangen durch Tapetentüren Zwerge in den Raum. Ja, richtige Wichtelmännchen mit Mützen und ungeputzten Bärten. Auf ihren krummen Beinen liefen Sie wie Wiesel durch den Raum. Dabei wedelten Sie mit Handfeuerwaffen. Zunächst glaubte ich an Attrappen, wurde jedoch eines Besseren belehrt, als einer dieser Unholde in die Decke schoss und der Mörtel herunter rieselte. Na da können Sie sich die Unruhe und Aufregung unter den Gästen aber vorstellen. Meine Alte war aufgesprungen wie eine Gazelle und fluchs aus dem Saal gerannt. Die Nymphe war unter den Tisch gehuscht. Andere Gäste riefen so unsinniges wie: „Ruf die Polizei“, oder „Paul, wo bist du?“, oder „Wo geht es zu den Waschräumen?“ Zu meiner Schande war auch ich nicht besser. Als dann noch Rauchbomben gezündet wurden begann ich bei geschlossenen Augen das Mantra: „Die sehen dich nicht und du bist gar nicht da“. Der Tumult steigert sich, Stühle kippten um, Porzellan splitterte und das Klirren der Lüster war bedenklich.

Nun trat ein Moment der Stille ein und ich öffnete meine Äuglein. Mit musikalischer Untermalung von Panflöten und Zimbel erschien ER. Auf einem Stier sitzend und in Begleitung von Blumenmädchen. An Schwanz und Hörnern des Stiers zogen und schoben einige Satyre.

ER vollführte eine leichte Handbewegung – le silence s’était installé. Vom Stier aus hielt er seine Begrüßungsansprache. Die vielleicht folgenden Inhalt hatte:

„Freunde nicht diese Töne, sondern freudenvollere. Zeus hat uns zwölf Leidenschaften gegeben, wir können nun glücklich sein, wenn wir alle zur Entfaltung bringen. Meiner Initiative verdankt Ihr, die frohe Botschaft von der Guten Gesellschaft. Nur ein Leben in Luxus ist menschenwürdig. Die Armut, das Elend unserer Gesellschaft ist Folge der moralischen Misswirtschaft. Darum:

Schluss mit den Vorurteilen!

Schluss mit dem Denken der Selbstzensur!

Schluss mit der Unterdrückung unserer Bedürfnisse!

Schluss mit der Verkehrung unserer Passionen in Laster!

Schluss mit der Pseudomoral, die uns versklavt, mit der Pseudowissenschaft, die uns zu Narren macht – es lebe die lustige Wissenschaft! In diesem Sinne, meine Freunde, labt euch an Speis und Trank und das Kopulieren nicht vergessen!“

Lieber Lush, den Rest des Ganzen überlasse ich Ihrer blumigen und reichen Phantasie. Darum noch rasch meine Lektürevorschläge:

„Liebe, Luxus und Kapitalismus: Über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung“ von Werner Sombart. Nieder mit der Massenproduktion hin zum Luxus, den wir den Frauen verdanken.

„Moravagine: Der Moloch“ von Blaise Cendrars. Moravagine: Es ist der Name eines Einzigen, in dessen Namen sich der Tod (la mort) und das Gebärende (le vagin) vereinen – zum Ruhm unserer Phantasie.

Gehabt euch wohl mein Freund und schreibt recht bald, Ozelot.

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