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5. Mai 2017

S1E4 – Olivier, der Ozelot

by

Maximilian Mogg

Er wandelt auf, er wandelt ab.  Herr Lush ist unentschlossen, ob er dem Drang, den er als junger Herr verspürt hatte, nun nachgeben soll und darf.  Seine Frau hat er seit wahrscheinlich seit zwei bis drei Jahren nicht mehr gesehen und deshalb hält er es für eigentlich in Ordnung.  So begibt er sich in seinem alten kleinen Gesellschaftsanzug auf den Weg in das Viertel, das er als junger Mann wie seine Westentasche kannte. Auf der Straße tummeln sich bereits die Damen, die – in dem mittlerweile Chimärenviertel aus Rotlicht und hipper Kunst – mit ihrer eleganten Kleidung verstehen, ein deja vù mit dem Chic und der Atmosphäre der 20er zu evozieren.

Herr Lush hatte sich früher schon immer in diesen Teil Londons gewagt, um mit seinem Zigarettenkumpel die Ästhetik dieser Gegend zu genießen, die Atmosphäre aufzusaugen und dem tristen Leben in Eton zu entfliehen.  An dem Bild, das er damals abgab, ist er immerzu am Feilen gewesen: Er lehnte sich stets lässig mit quasi akkurat gescheiteltem Haar – damals noch ein wenig voller und länger als heute – mit geschnorrter Zigarette im rechten Mundwinkel, im gestreiften grauen Flanellanzug an einen schönen Fleck der Fassade eines unterschätzten Theaters.  Der Eindruck,  den die Außenwelt von ihm haben musste: ein gelangweilter Schnösel aristokratischer Herkunft, der sich hier die Hörner abstößt.  Dass die Leute damit nur fast genau richtig lagen, brachte Herrn Lush ein Lächeln auf die Lippe – es war auch der Zeitpunkt, an dem er Kleidung und Auftreten als perfekte Möglichkeit der Maskerade für sich entdeckte.  Was die Herrschaften nicht wussten, ist, dass er sich niemals getraut hätte, mit den Damen in die Zimmer der ersten Etage zu gehen.  Viel zu sehr schreckte ihn das Rot der samtigen Vorhänge ab.

So hat er sich aber heute einen Ruck gegeben und ist fest entschlossen, eine Dame seines Gustos anzusprechen.  Sein Auge streift lang in einem Café sitzend umher, bis es ihm eine Dame Mitte ihrer Dreißiger angetan hat: Sie ist nicht außergewöhnlich hübsch, aber ihr Make-Up hervorragend auf ihren Hauttyp, ihr brünettes glattes Haar und ihre grünen Augen abgestimmt.  Die Wahl der Kleidung ist ebenfalls exzellent.  Sie verlängert Ihre schmalen Beine durch eine hochsitzende weit geschnittene schwarze Hose aus Flanell und schwarze geriffelte Seidenstrümpfe, die mit den hochwertigen schwarzen Ballerinas aus Lackleder fabelhaft wirken.  Dazu trägt sie eine beige Seidenbluse und eine dezente goldene Uhr.  Doch das allein hätte Herrn Lushs Interesse nicht geweckt… sie zieht einen Ozelot an einer roten Leine aus Leder hinter sich her, dem das so generell gar nicht passt.  Ein stolzes und elegantes Tier!, spricht eine innere Stimme zu Herrn Lush.

Er geht mit weichen Knien zu der Dame und fragt stotternd: Was kostet denn so etwas?

Was meinen Sie?, entgegnet die hübsche Dame ein wenig entrüstet.

Naja, also Sie wissen schon, wenn…, er wird von der Dame unterbrochen.

Olivier?! – rief Madame französisch aus und meinte anscheinend das angeleinte Tier. Den können Sie haben! 50 Pfund auf die Kralle und ich bin ihn los.

Ähm, nein, ich meinte eigentlich… ähm, ja, gerne, den Ozelot nehme ich!, antwortete Herr Lush – die Mundart der Dame hatte ihn sowieso angefangen zu stören.

Das Geschäft wurde mit 60 Pfund, die Lush in seinem Smoking fand, besiegelt – er hatte für die zehn zu viel noch die Leine erhalten.

So fand sich Herr Lush immer noch sexuell unterfüttert und im Selbstbewusstsein ein wenig geknickt mit Ozelot Olivier an der Leine in den Abendstunden im Rotlichtviertel wieder.  Olivier regte sich und sprach zum verdatterten Herrn Lush, der an dem Abend keinen Absinth getrunken hat: I have left behind illusion.  Henceforth I live in a world of three dimensions with the aid of my five senses.  I have since learnt that there is no such world. MM

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