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18. April 2020

Mama Mogg: Garderobe aufräumen … jetzt!

by

Maximilian Mogg

„Es gibt erst neue Sachen, wenn Du aufgeräumt hast!“, schallt es durch den Flur.  Uhhh … jetzt holt Mama Mogg aber die brutalsten Mittel raus, um uns bemitleidenswerte Drogensüchtige zu erpressen, die gerade versucht haben, unentdeckt ins Haus zu schleichen und die Beute zu verstecken.  Lassen wir uns das von ihr gefallen?? Sicherlich nicht … machen es dann trotzdem.  Denn tatsächlich – und das sag‘ ich jetzt nur hier unter uns Klosterschwestern – muss man gestehen:  „Sie hat nicht ganz unrecht!“

Dass Ordnung nicht zum Selbstzweck mutieren darf, denke ich, muss ich nicht erklären – Spießbürgertum schlechthin und weist nicht selten auf ein tiefgehenderes Problem hin.  Just my 2 cents.  Genauso muss man aber gestehen, dass Aufräumen oder Ordnen eine gewisse reinigende Wirkung mit sich bringt und – dem Gedankengang folgend – ordentlich zu leben bzw. Ordnung zu halten eine Simplifizierung des turbulenten Lebens darstellt – siehe auch „Entspannung“.

Also ab ins Gemenge und sich dem Kampf stellen.  Jeder Anfang ist schwer, doch mit der richtigen Anleitung ein Kinderspiel.  Grundvorraussetzung: Man investiere einen halben bis dreiviertel Tag Zeit und hört erst dann auf, wenn man wirklich fertig ist.  Denn wer halbe Sachen macht, probiert Dinge einfach nur aus.

Alle Kleidungsstücke, die man sein Eigentum nennt, werden in die Hand genommen und in zwei Kategorien geteilt:

  1. Weg
  2. Behalten

Kategorie 1 ist die eigentliche Arbeit, Kategorie 2 ist im Prinzip auf lange Sicht das Ordnunghalten.  Dementsprechend, je weniger Sachen Sie in Kategorie 2 packen, um so weniger Arbeit haben Sie mit dem Ordnunghalten danach.  Keine Raketenwissenschaft!

Also … die gesamte Kleidung, die man sein Eigen nennt, einmal in die Hand nehmen und große Müllsäcke mitnehmen: Unterwäsche, Strümpfe, Hemden, T-Shirts (ja, auch die alten, viel zu kleinen Band-T-Shirts aus vergangenen, dunklen Zeiten), Hosen, Trainingsklamotten, Jacken, Ski-Kleidung, Schuhe, Anzüge … einfach alles.

Jedes Kleidungsstück wird entweder in den Müllsack gepackt oder auf den zu optimierenden Haufen „Behalten“ geworfen.  In die Müllsäcke kommen – bitte kategorisiert – (dazu später mehr):

1.  Alles, was kaputt ist und nicht mehr repariert werden kann.  Darunter fällt auch die mittlerweile graue Unterwäsche, die sie als Jugendlicher bekommen haben, und von der Sie immer noch steif und fest behaupten: „Die geht noch!“

2. Alles, was nicht passt und auch nicht mehr passend gemacht werden kann. Peter Thorwarth lässt grüßen.

3. Alles, was Ihnen nicht gefällt bzw. was Sie, wenn Sie ehrlich zu sich sind, seit mindestens einem bis zu zehn Jahren nicht mehr getragen haben.

Damit – ich schätze mal frei – haben Sie schon mind. 50% Ihres Kleiderschrankinhalts eliminiert.  Bravo! Müllsäcke der Kategorie 1.1. werden bitte entsorgt – vielen Dank.  Müllsäcke der Kategorie 1.2. werden entweder verschenkt, in die Kleiderspende oder einem Thriftshop gegeben.  Mit Kategorie 1.3. können Sie es auch so handhaben oder Sie versuchen es, wenn Sie die Arbeit schätzen, über Ebay, Kleinanzeigen etc. zu verkaufen.

Was bleibt?  Die Kleidung, die in tragbarem Zustand ist, Ihnen passt und Ihrem ästhetischen Anspruch bzw. Ihrem eigenen Stil entspricht. Der Haufen kann aufgrund seiner Größe wirklich einschüchternd klein wirken – und ich weiß, es tut teilweise weh, sich von Sachen zu trennen, die einen so lange begleitet haben und mit denen man  mitunter auch positive Erinnerungen verbindet – der erste Kuss, die Party des Jahrhunderts oder das beste Konzert, das man jemals gehört hat.  Die Erkenntnis ist aber: Die Erinnerungen bleiben und die Kleidung ist und bleibt an und für sich „wertlose“ Verpackung Ihrer selbst.

So … das Schlimmste und Anstrengendste des Aufräumens ist geschafft.  Jetzt aber nicht voreilig!  Sie legen jetzt mit den nächsten Schritten den Grundstein für ein Leben, in dem Ordnunghalten keine Last, sondern eine zwanglose Selbstverständlichkeit wird.

Die übrig gebliebene Kleidung wird zurücksortiert.  Strümpfe in eine Schublade, Unterwäsche in eine andere.  T-Shirts und Hemden werden zusammengefaltet und von dunkel nach hell von unten nach oben sortiert gestapelt und abgelegt – ich persönlich hänge meine Hemden wie Anzüge, aber das kann jeder handhaben, wie er möchte.  Mäntel, Anzüge und Jacketts werden aufgehangen und von links nach rechts von 1. lang nach kurz und 2. dunkel nach hell sortiert.  Diese Ordnung bleibt für den Rest Ihres Lebens gleich.  Sie kommen nach Hause und legen ab, und wissen genau, wo das Kleidungsstück, das Sie gerade ablegen, hinkommt.  Das ist Ordnung – und jeder Besucher springt vor Freude von dem Anblick im Quadrat; vor allem, wenn alle Hänger aus einem Guss sind … hust, hust, wir verkaufen auch Kleiderbügel in Kirschholz gebeizt mit goldener Prägung.  Bei Interesse klicken Sie auf den Knopf.

Ein Letztes noch, dass die Art von Aufräumen einer Katharsis gleich kommt, werden Sie spüren, und das geht mit dem weiteren Vorteil einher, dass Sie auf einmal wirklich Ihre Garderobe in- und auswendig kennen.  Dies bietet die einmalige Gelegenheit, sich ein Herz zu fassen und wirklich von hier an nur noch die Kleidung zu kaufen, die Ihrem ästhetischen und qualitativen Anspruch genüge tut und die sie wirklich brauchen.

Jetzt … Sie haben es geschafft!  Lehnen Sie sich zurück und belohnen Sie sich – mit einem Glas/Flasche Champagner oder was auch immer Ihr Go-To ist.  Mama Mogg ist stolz auf Sie!

P. S. Hochwertige, handgemachte Krawatten bitte nie entsorgen – das Dümmste, was man machen kann … auch wenn Sie vielleicht aus der Mode gefallen zu sein scheinen. Von guten Krawatten kann man wirklich nicht genug haben und sie sind der Spaß im täglichen Kleiden. MM/JHS