Lock & Co. – Die Klassiker

Wir schreiben das Jahr 1676 – für alle Blitzrechner, das ist 340 Jahre her. Robert Davis gründet das Unternehmen in London, was heute ein Synonym für höchste britische Handwerkskunst und Eleganz auf den Köpfen der Herren und Damen von Welt ist. Die Rede ist von Lock & Co.: dem Hutmacher von der St. James’s Street 6.

Lock & Co. – Eines der ältesten Unternehmen Großbritanniens

Die Unternehmensgeschichte von Lock ist unglaublich. Davis hätte sich bestimmt nicht ausmalen können, dass sein Unternehmen selbst über 3 Jahrhunderte später noch von Bestand wäre und bei Kennern den Titel the best hatters in the world genießen werde.

Aber wenn Robert Davis der gründende Hutmacher war, warum heißt es dann heute Lock & Co.? Die Frage ist einfach zu beantworten: Als Robert Davis’ Sohn Charles Davis den Laden übernahm, stellte er James Lock, Sohn von George James Lock, einem erfolgreichen Kaffeeimporteur, 1747 an. Dieser wiederum heiratete in 1757 seines Chefs Tochter und erbte das Unternehmen und siedelte es 1765 in den heutigen Standort an der St. James’s Street um. Der uneheliche Sohn George James – getauft nach seinem Großvater – übernahm nach dem Tod von James Lock in 1806 das Unternehmen und musste zusehen, die stets bekannten und interessanten Menschen Londons, die sein Vater als Kunden anzog, weiter zu beglücken. Leider investierte er sein Erbe eher in einen teuren, dandyhaften Lebensstil als anständig zu wirtschaften und wurde nach Calais exiliert. Es war also 1821 an James Lock III und seinen jüngeren Bruder George – die Familie war offensichtlich nicht sehr einfallsreich mit Vornamen – das Unternehmen von den Schulden zu befreien. Dies gelang ihnen hervorragend durch das Einsetzen der neuen Materialien hatter’s plush oder silk plush – einer sehr feinen Seide. 1850 kam dann noch ein weiterer Klassiker zur Sortiment der Locks: Der Bowler (in deutsch: die Melone) wurde von Lock für William Coke of Holkham – deswegen auch in England Coke genannt – für seine Jagdaufseher in Norfolk gefertigt. Der Hut sollte windschnittiger und praktischer sein als die vorherigen Zylinder, die beim Reiten immer wieder von den Ästen vom Kopf heruntergestoßen wurden. Der Hut avancierte zum Klassiker – beliebt vor allem im Reitsport – und ist zusammen mit dem straw boater ein typisch englischer Evergreen.

Lock & Co ist mehr als stolz auf seine einmalige Geschichte und der Londoner Shop gleicht in Teilbereichen einem kleinen Museum.
Lock & Co. ist mehr als stolz auf seine einmalige Geschichte und der Londoner Shop gleicht in Teilbereichen einem kleinen Museum.

Das Londoner Familienunternehmen trägt die Royal Warrants von dem Duke of Edinburgh und dem Prince of Wales. Diese waren aber alles andere als geschenkt, da der Neffe von James Lock III, Charles Whitbourn, und James Benning, die das Geschäft nach dem Tod von James Lock III in 1876 führten, nicht die besten Freunde von Edward VII waren: unter anderem wollte Charles keinen der teilweise eher zwielichtigen Freunde von Edward VII aus London bedienen und Mr. Benning musste einmal vergebens auf den Prinz vorm Marlborough House warten, woraufhin er dem Angestellten erklärte: If Anybody really needed Mr Lock, then Anybody knew where to find him. He had other customers with claims upon his attention. Glücklicherweise war der Duke of Windsor, der Enkel von Edward VII, ein wenig einfacher im Umgang und wurde zum besten Kunden des Hauses und durch seinen einflussreichen Status als weltbereisende Stilikone brachte er dem Haus den internationalen Ruf, den es heute hat.

Der Stil – Nichts ist unmöglich

Der Biograph Frank Whitbourn wusste das Erfolgsgeheimnis von Lock & Co. schon in 1971 in Mr Lock of St. James Street’s zu beschreiben: Its survival is the consequence of progressive conservatism, of confidence in quality, and a demonstration of effectiveness of persistent personality and individuality in an increasingly mass-minded world. Die Qualität von Lock & Co. ist in der Tat atemberaubend. Man fühlt und sieht sofort, dass hier noch von Hand gearbeitet wird. Außerdem sind der Kreativität trotz allem britischen Konservatismus keine Grenzen gesetzt. Gerade die Damen wissen das zu schätzen. Die in Auftrag gegebenen Modelle sprechen alle eine Sprache: Nichts ist unmöglich. Oft fotografiert werden die Kreationen der Damen beim Pferderennen in Ascot, aber auch auf den Straßen der Großstädte dieser Welt sieht man sie. Besonders hervorzuheben ist Yoko Ono, die einmal jährlich in London vorbeikommt, um 10 Hüte in Auftrag zu geben. Dieses Jahr war ein Modell dabei, dass die Augen des Betrachters durch riesige Mickey Mouse-Ohren betört… und das ist wirklich alles andere als langweilig.

Dieses Handwerk hat seinen Preis, darüber müssen wir gar nicht anfangen zu diskutieren. Doch hier gilt die Patek Phillipe-Philosophie: Eine Patek gehört einem nie ganz allein. Die Qualität und die Klassik ist so atemberaubend, dass man hier tatsächlich für seine Enkel mit einkauft. Dies ist ein wichtiges Attribut eines gut gekleideten Gentlemans, denn wie schon Hardy Amies schrieb: A man should look as if he’s bought his clothes with intelligence, put them on with care and then forgotten all about them. Außerdem verlieren Hüte von Lock & Co. – wie an folgendem Beispiel gezeigt – nicht wirklich an Wert: Hollywood-Stars Douglas Fairbanks Jr.’s Hutkollektion von Lock & Co. kam 2011 bei Doyle New York unter den Hammer und wechselte für eine halbe Millionen US-Dollar den Eigentümer.

Bei Lock & Co. sind die Schätze in besten Händen bzw. Boxen.
Bei Lock & Co. sind die Schätze in den besten Händen bzw. Boxen.

Die Sommerkollektion

Die momentane Sommerkollektion ist online erhältlich und besticht durch starke Farben und kühlende Materialien: dies gilt sowohl für die Baumwoll- und Leinen-Kollektion als auch für die Panama- und Strohhüte. Auch die Damen kommen online natürlich nicht zu kurz. Die Hüte sind im Vergleich zu den Männern verspielter, aber sorgen bei beiden Geschlechtern für Entzückung.

Die Damenkollektion von Lock & Co. ist - selbst für mich als Herren - atemberaubend
Die Damenkollektion von Lock & Co. ist – selbst für mich als Herren – atemberaubend

Falls Sie stolzer Eigentümer eines Huts sind, sei Ihnen ein Tipp mit auf den Weg gegeben: Sparen Sie nicht an der Pflege. Ob Hutbox, -bürste oder Hat Jack… alles wurde nur dafür konzipiert, dass Ihre Investition in bestem Zustand an Ihre Enkel übergeben werden kann.

Zusatzinformationen

Erstens, in England existiert das Sprichwort „Mad as a hatter“. Dieses kommt nicht von ungefähr, denn bei Lock & Co. und bei allen anderen Hutmachern auch wurden zur Bearbeitung des Biberfells eine hochtoxische, halluzinogene Lösung eingesetzt. Die Hutmacher wurden also wirklich irgendwann verrückt. Zweitens, Lord Nelson – für die Leser, die im Geschichtsunterricht Tic-Tac-Toe gespielt haben: Berühmter britischer Admiral und Kriegsheld, der England in der Schlacht von Trafalgar gegen Frankreich 1805 siegen ließ und an den Folgen der Schlacht starb – trug einen speziell für ihn konstruierten Hut von Lock & Co. mit integrierter Augenklappe, als er in der Schlacht fiel. Drittens, die Namen der Kunden waren und sind immer noch die ganz großen: Von dem Duke of Windsor, Cecil Beaton, Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks Jr. über Evelyn Waugh, Laurence Olivier, Frank Sinatra, Dean Martin bis hin zu den modernen Hollywood-Größen Johnny Depp, Jude Law und Robert Downey Jr.. Viertens, eine kleine persönliche Anekdote: Meine leider verstorbene Nenn-Tante Edith Richard war Modistin in Hannover – bis in das 20. Jahrhundert hinein war Modist die Berufsbezeichnung für die Hersteller der Kopfbedeckungen für die Damen und Hutmacher der Begriff für die Herren. Derjenige, der sich mit den Adelshäusern ein wenig auskennt, weiß, dass das britische Königshaus stark mit dem hannoveranischen Adelsgeschlecht Welfen verwoben sind. Dadurch hatte meine Tante die Ehre, Queen Elizabeth, Elizabeth Bowes-Lyon, bei ihren Besuchen in Hannover ihre Stammkundin nennen zu dürfen. MM

Lock & Co.
6 St. James’s Street
London SW1A 1EF
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Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur