Kleidung ist Musik

Kleidung ist Musik.  Lassen Sie uns diesen Gedanken doch mal transponieren.  Gute Kleidung zeichnet sich ähnlich wie gute Musik durch einen klaren Gedanken aus … und Sie als Träger sind der Komponist.  Der Betrachter nimmt die Rolle des Hörers ein.  Dem Hörer muss klar sein, welche Nachricht, welches Gefühl und welchen Charakter Sie kommunizieren möchten.  Dass dabei musischer Wirrwarr meist herauskommt, liegt nicht am Hörer, sondern der Schule des Komponisten – genereller Refrain dieses Texts ist “Man sucht die Fehler nicht bei anderen, sondern bei sich selbst.”

Nachricht

Schon mit Ihrem ersten Akkord oder Ihrem ersten Eindruck senden Sie eine Nachricht an den Hörer oder den Betrachter.  Schlägt ein Mensch mit einem schwarzen Anzug und einer schwarzen Krawatte die Tür auf, denken Sie wahrscheinlich gleich an Banküberfall … wenn der selbe Herr es mit einem gelben Anzug und einer orangener Krawatte getan hätte, wahrscheinlich eher an ein sommerliches Spontankonzert von Helge Schneider – vergessen wir jetzt mal die Sturmhaube.  So kommen wir wieder zur Korrektheit der Kleidung zum jeweiligen Anlass.  Ich predige dieses leidige Thema ja bekanntlich wie mit Engelszunge … doch es bringt ja nichts … im Zweifel wiederhole ich mich lieber, als mir nachsagen zu lassen, das hätten Sie aber schon nochmal sagen müssen.  Also … wo waren wir?  Ach ja, Türaufschlagen!  Wie wäre es mit dem Beispiel eines Vorstellungsgesprächs? Gelber oder schwarzer Anzug?  Richtig, keiner von beiden!  Dunkelblauer oder dunkelgrauer Anzug mit weißem oder hellblauem Hemd wäre da schon richtiger!  So jetzt da Sie die Basis verstanden haben, dürfen Sie auch wieder gerne damit brechen!  Aber nicht wundern, wenn die oben erwähnten ersten Eindrücke entstehen … und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.  Manchmal kommt man auch mit mit dem Rücken zur Wand durch die Wand … muss nicht immer mit dem Kopfe sein.

Bryan Ferry mit dem Rücken zur Wand.

Gefühl

So … erster Akkord vorbei.  Jetzt geht’s ja für gewöhnlich weiter, außer die Tür wurde wieder zugeschlagen … und zwar von innen.  Bleiben wir doch mal beim Vorstellungsgespräch und der vollkommenen Korrektheit oder Langweiligkeit halber – Perspektivenwechsel, tut ja manchmal nicht schlecht – beim dunkelblauen oder -grauen Anzug.  Wie sagt man denn mit diesem Stück am Leib, dass man zur Zeit beispielsweise frisch verliebt ist – gesetzt den Fall, Sie möchten es Ihren zukünftigen Vorgesetzten gleich kommunizieren.  Die einfachste Variante wäre, ein Lebkuchenherzl mit “Ich bin verliebt” zu tragen.  Aber das ist doch wieder zu einfach!  Also … mein Vorschlag wäre ein eierschalfarbenes Hemd mit einer rosig-rubinroten Krawatte, einem fliederfarbenen Leineneinstecktuch gepaart mit einem verschmitzten Lächeln zu tragen.  Warum? Nuancierte Kommunikation ist in solchen Situationen ganz fabelhaft.

Zeitlose Ästhetik und meisterhafte non-verbale Kommunikation: Fred Astaire.

Charakter

Jetzt sind Sie aber ein stets trauriger Liebhaber.  Das Leben wiegt, wenn Sie mal nicht verliebt sind, so schwer auf Ihren Schultern und deswegen haben Sie eigentlich nur schwer dunkle Grau- und Blautöne – ohne jeglichen Frohsinn – in Ihrer Garderobe.  Jeder Ihrer Akkorde umgibt ein melancholisches Flair, seien sie auch durch noch so farbenfrohe Akzente geziert.  Sie verstehen sicherlich langsam, worauf ich mit meiner extremen Überzeichnung hinauswill, oder?  Auf einem gewissen Niveau ist Kleidung nicht mehr nur anziehen, sondern Musik oder schlicht und einfach Kommunikation.  Und da unterscheidet sich das höhere Wesen vom niederen, denn anziehen können wir uns alle – müssen wir uns sogar im öffentlichen Raum – siehe auch §118 OWiG – „Belästigung der Allgemeinheit“.  Es drohen Platzverweise und Geldstrafen von bis zu 1000€.  Die kann man sicherlich besser investieren:  zum Beispiel in einen schönen neuen Anzug. Wink mit dem Zaunpfahl.

Helmut Berger in seinen besten Zeiten.

Zusatzinformationen

Erstens, dass sich dieses Konzept auf viele Themen übertragen lässt, ist, denke ich, offensichtlich.  Parfum käme mir spontan in den Sinn.  Basis-, Kopf- und Herznote. Zweitens, Prince Charles pflegt zu sagen, dass mit seinem Auftritt im ersten Moment schon klar sein muss, was er sagen wird.  Das ist perfekte Kommunikation. MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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