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21. Juli 2017

S1E7 – Der Schneider mit dem japanischen Maulbeer-Büttenpapier

by

Maximilian Mogg

… und so geht Herr Lush frisch geduscht, fein rasiert und ausgeschlafen im mittelgrauen doppelreihigen Flanellanzug an die Arbeit.  Er setzt sich an den Schreibtisch, nimmt ein Blatt Papier und füllt den Füllfederhalter seines Großvaters mit königsblauer Tinte.  Es ist kein Gefühl der Rache oder der Genugtuung, das ihn beim Niederschreiben seiner Gedanken erhascht, schlicht eine Katharsis.  Das Blatt füllt sich mehr und mehr mit allgegenwärtigen Namen seiner Jugend und seiner Gegenwart.  Nachdem die Liste mehr oder minder randvoll ist – er erlaubt sich ein weiteres Blatt mit einem Tacker anzuheften… man weiß ja nie was die die Zukunft bringt -, hüpft er zum Ozelot, der mit Lesebrille im Feuilleton einer großen englischen Tageszeitung versunken ist.  Als Lush zum Wort ansetzt, markiert der Ozelot den Punkt des Satzes, an dem gerade unterbrochen wurde, – eine wunderbar scharfsinnige und sarkastische Rezension über die pompöse neue Ausstellung im Fictoria & Albern Museum – mit seiner manikürten Kralle:

Ich glaube, die Liste ist fertig, spricht der Gereinigte.

Wie schön! Die Wurzel ist erkannt. Willst Du sie jäten oder von nun an unberührt gedeihen lassen?, antwortet das Tier mit dem – wie Herrn Lush gerade auffällt – grotesken halbrunden Goldbrillengestell seines Urgroßvaters.

Ich befürchte, ich habe keine Kraft sie komplett zu entfernen. 

Die Feder ist mächtiger als Schwert.  Schreib den wichtigsten Kontakten einen kurzen Brief, Du wärest vorerst nicht zu erreichen.  Ich logiere uns woanders in der Stadt ein!, erklärt die pure Clevernessund nimmt die Brille ab

Aber wie finanzierst Du das? Ich habe kein Geld.

Ich kann ganz gut mit der Katze der Besitzerin des Catoys.  Die steht auf Exoten, um das mal plump auszudrücken – Details interessieren nicht.  Ich werde dann heute Abend wohl wieder singen müssen.  Sei’s drum!  Du, pack‘ Deine Sachen!  Du ziehst morgen um und heute Abend begibst Du Dich zur Adresse auf der Visitenkarte auf dem Tisch.  Ich muss mich dann jetzt entschuldigen., spricht der Ozelot, der mittlerweile aufgesprungen ist – der Witz des Autors leierte sowieso – , schreitet den Flur entlang, räuspert sich und beginnt wie ein Kontertenor zu singen.

… Midnight
Not a sound from the pavement
Has the moon lost her memory
She is smiling alone
In the lamplight
The withered leaves collect at my feet
And the wind begins to moan… 

Herr Lush schmunzelt dankbar dem Ozelot hinterher, packt kurz mit dem Gedanken der Bescheidenheit seine sieben Sachen alias sieben Anzüge – darunter zwei Smokings – und geschätzt 20 Hemden, 40 Krawatten und acht Paar Schuhe in den ledernen Schrankkoffer seines Uronkels und schickt fünf Briefe ab – von denen wahrscheinlich drei gar nicht gelesen werden.

Ein Blick auf die Visitenkarte aus japanischen Maulbeer-Büttenpapier verrät, dass er sich in 30 Minuten im Atelier eines Schneiders treffen wird.  Er prüft im viktorianischen Wandspiegel seiner Großmutter die Dimpel seiner Krawatte, zuppellt an den Manschetten seines weißen Hemd aus ägyptischen Poplin und geht einmal mit der Hand durchs sein immer lichter werdendes, gescheiteltes Haar.

Nach einer langweiligen Fahrt mit der U-Bahn und einem kurzem Pit-Stop am Kiosk begegnet er dem Herrn.

Sie sind dann wohl derjenige welcher. Ich hoffe, Sie haben Zigaretten dabei, entspringt dem Mund des wohl frechen Scherenschwingers und er reicht einen Tumbler Whiskey.

Habe ich, antwortet Herr Lush voller Vorfreude auf eine neue Ära. MM

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