Gieves & Hawkes – Die Unternehmer

Hört man den Namen „Gieves & Hawkes“ denkt nicht jeder unweigerlich an das berühmte Schneiderhaus von der Savile Row. Der Liebhaber erzählt denjenigen, die noch keine Bekanntschaft mit der Hausnummer 1 der goldenen Meile der Schneider machen durften, jedoch gerne, was dieses Haus ausmacht und wie es sich von der Konkurrenz in Sachen Schnitt und Ausrichtung unterscheidet. Richard Lawson und Stuart Nightingale von Gieves & Hawkes unterstützten mich bei dieser nicht einfachen Aufgabe.

Historie Gieves & Hawkes

Gieves & Hawkes ist – wie der Germanist schnell bemerkt – ein zusammengesetzter Name aus zwei Schneiderfamilien. Die Gründungsgeschichten verliefen in den ersten 200 Jahren parallel:

1771 gründete Thomas Hawkes seine Schneiderei, Hawkes & Co, in der Londoner Brewer Street. Seine Hauptklientel war die Army und die Royal Navy.

James Watson Gieve wurde 1835 von „Old Mel“ Meredith, einer Schneiderin aus Portsmouth angestellt. Ihre Spezialität war ebenfalls Schneiderware für die Royal Navy. 17 Jahre später übernahm Gieve zusammen mit Joseph Galt das Geschäft, das Gieve dann 1887 allein annektierte und zu Gieves & Co. umbenannte.

1912 kaufte Hawkes & Co. den heutigen Stammsitz auf der Savile Row No. 1 von der Royal Geographical Society – unter anderem auch weil viele dieser vornehmen Abenteurer bereits Kunden von Hawkes waren. Mehr zur Royal Geographical Society finden Sie in den Zusatzinformationen. 1974 übernahm Gieves & Co Hawkes & Co und firmierte dieses in das heutige Gieves & Hawkes um.

Heutzutage ist das Unternehmen nicht mehr in Familienhand, sondern ist seit 2012 Eigentum der Trinity Limited. „Das Angebot ist weit gestreut und reicht von Ready-To-Wear über verschiedenste Arten des Made-To-Measure bis hin zu Bespoke“, meint Stuart Nightingale. G&H ist mit Abstand das größte Haus der Savile Row, das momentan stark in den asiatischen Markt expandiert. Vor allem in Hong Kong und China ist das Publikum sehr interessiert an den britischen und (immer noch) militärischen Schnitten.

Selbstverständlich sind im Shop von Maximilian Mogg ausgewählte Modelle von der Gieves & Hawkes erhältlich – beim Kauf werden diese im Stile des Hauses an Sie angepasst

Royal Warrants und Arbeit für das britische Königshaus

Durch die Arbeit für die Royal Navy und Army waren die Verbindungen zu den britischen Königshäusern eng. Bald wurden neben den hohen Offizieren auch die Aristokraten Großbritanniens Stammkunden des Geschäfts. Voller Stolz präsentierte mir Richard Lawson die drei Royal Warrants von Her Majesty The Queen, His Royal Highness The Duke of Edinburgh und His Royal Highness The Prince of Wales, die das Haus seit 1809 – angefangen mit George III. – sammelt.

Richard Lawson präsentiert voller Stolz die drei Royal Warrants.
Richard Lawson präsentiert voller Stolz die drei Royal Warrants.

Besonderheiten der Maßschneiderei bei Gieves & Hawkes

Was einem bei der Maßschneiderei bei Gieves & Hawkes sofort auffällt, ist dass die Schulter je nach Kundenwunsch unterschiedlich kreiiert wird: Vice versa heißt das, dass G & H keinen eignen Schulterstil hat. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise erkennt der Liebhaber der Savile Row den Schneider des Anzugs immer schnell an der Schulterkonstruktion. Gieves & Hawkes’ Stil offenbart sich aber eher an der Rüstungskonstruktion – ein enganliegender, stark formgebender, militärischer Schnitt. Richard Lawson erklärt, dass man bei der Schulter dem Wunsch und vor allem auch den Proportionen des Kundens folgt. Dem breitschultrigen Mann eine starke Schulter anzubieten, entspricht einfach nicht dem Kundenerlebnis, das man in der Savile Row No. 1 erfahren möchte. Der Kunde soll die für Ihn perfekte Schulter bekommen und nicht als Litfaßsäule des Schneiderhauses dienen.

Beim Bespoke wird dem Kunden immer noch jeder Wunsch erfüllt.
Beim Bespoke wird dem Kunden immer jeder Wunsch erfüllt.

Unternehmertum wird hier groß geschrieben

Gieves & Hawkes versucht schon seit den 70igern immer wieder durch Innovationen der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Dies ist an vielen Kleinigkeiten zu sehen: Katheryn Sargent wurde 2009 die erste Frau an der Savile Row, die den Titel Head Cutter tragen durfte. Es wurde Ende der Neunzigern die Linie „Gieves“ gelauncht, die das junge Publikum durch knappere Schnitte mit Rock ‚n’ Roll Attitüde überzeugen sollte – mittlerweile wurde diese Linie eingestellt. Auch die neue Ready-To-Wear Kollektion ist zwar noch traditionell, aber hat viele Stilmittel, die das junge Publikum ansprechen. Stets ist das A und O das traditionelle Bespoke-Handwerk, das immer noch zu 100% im Atelier der Savile Row No. 1 gefertigt wird, nicht zu kannibalisieren und dennoch die Marke weiterzuentwickeln. „Wir möchten immer die ersten sein und manchmal klappt es und manchmal nicht“, sagte Stuart.

Zusatzinformationen

Erstens, “Old Mel” hat damals die Uniform für Lord Nelson für die Schlacht von Trafalgar kreiert, in der er 1805 starb. Zweitens, berühmte Kunden des Hauses sind und waren Winston Churchill, Admiral Lord Nelson, The Duke of Wellington, Charlie Chaplin, Michael Jackson, David Beckham, Bill Clinton, George W. Bush und Diana, Princess of Wales.

Michael Jacksons Uniform für die 1988er
Michael Jacksons Uniform für die 1988er “Bad”-Tour

Drittens, die Royal Geographical Society ist eine der größten und ältesten geographischen Gesellschaften der Welt. Sie wurde 1830 gegründet und hat durch die Initiierung und Finanzierung vieler wichtiger Expeditionen unsere Kenntnis der Welt entscheidend vorangebracht. Unter anderem förderte sie die Forschungsreisen von David Livingstone, Heinrich Barth und Henry Morton Stanley in Afrika oder die Antarktis-Expeditionen von Robert Scott und Ernest Shackleton. Viertens, der Besuch an der Savile Row No. 1 war beeindruckend. Das 2011 komplett renovierte Gebäude ist ein Muss für Gentlemen, die klassische und dennoch moderne Herrengaderobe suchen. MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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