Gastbeitrag: Wer schreibt, der bleibt…

Dieser Spruch hat seine Gültigkeit, seitdem Höhlenbewohner damit begannen, ihre Erlebnisse und Kenntnisse auf Stein zu verewigen. Die Zeugnisse unserer längst verblichenen Urahnen bestehen noch heute. Im Laufe der Zeit haben sich mit den menschlichen Lebensgewohnheiten auch die Medien für Schrift und Bild gewandelt. Einem Schreibwerkzeug, das seit weit über 100 Jahren abnehmenden Bestand hat, ist dieser Artikel gewidmet: der Füllfederhalter.

Fast jeder deutsche Schüler hat mit ihm schreiben gelernt, um ihn dann durch vermeintlich praktischere Geräte, wie Kugelschreiber oder Fineliner, zu ersetzen. An weiterführenden Schulen und erst recht an Universitäten ist er fast ausgestorben. Auch aus dem digitalisierten Büroalltag ist er weitgehend verschwunden. Nur für bedeutsame Unterschriften wird er noch regelmäßig bemüht.

Der stilbewusste Herr greift weiterhin gerne zum Füllfederhalter, um zu bleiben. Wer auf den Geschmack gekommen ist, wird manchen Umstand in Kauf nehmen und den Füllern treu sein.

Es bleibt selten bei einem...
Es bleibt selten bei einem…

Aufbau

Das Gehäuse ist aus Kunststoff, Metall oder einem anderen Material gefertigt. Hinten beherbergt es die Tinte, vorne bildet es das Griffstück. Zudem schützt es mit einer abnehmbaren Kappe Tintenleiter und Feder.

Die Tinte kann in verschiedenen Reservoirs gehalten werden. Heute gängig sind Einmalpatronen, Kolbenmechaniken oder Konverter, eine Mischform der beiden vorgenannten. Die Kolbenmechanik ist fest integriert, während Patrone und Konverter einfach ausgebaut und alternativ verwendet werden können.

Der Tintenleiter trägt die Feder auf seinem Rücken und steckt im Griffstück. Hinten ist er mit dem Tintenreservoir verbunden, vorne ragt er samt Feder heraus. Durch die Kapillarwirkung seiner Kanäle wird Tinte wohldosiert aus dem Reservoir gesaugt und zur Feder transportiert. Tintenleiter  bestehen in der Regel aus Kunststoff oder Hartgummi.

Tintenleiter mit Feder
Tintenleiter mit Feder

Die Feder ist ein spitz zulaufendes, längs gewölbtes und zu etwa einem Drittel mittig gespaltenes Stück Stahl- oder Goldblech. An ihrer Spitze trägt sie ein Körnchen Iridium, welches den verschleißfesten Kontaktpunkt zum Papier bildet. Entlang des Spaltes wird die Tinte, wieder durch Kapillarwirkung, vom Tintenleiter zur Spitze transportiert.

Genug der Technik

Die Optik, die Haptik, das Schreibgefühl und die Tradition der Füller sind es, die Liebhaber begeistern. Dabei ist es zweitrangig, ob man eine Karte schreibt oder eine Rechnung anstellt, um eine Spur aus nasser Tinte zu legen. Manchen bereiten sie große Freude, andere lassen sie kalt.

Es soll auch Menschen geben, die Füllfederhalter als Statussymbol verstehen und gebrauchen. Dazu eignen sich vor allem die Stifte eines Hamburger Herstellers, der den Namen eines französischen Berges trägt, weil sie vielen als teuer bekannt sind und ihr weißes Markenzeichen schnell zu erkennen ist. Schön und hochwertig sind diese Ikonen der Schreibkultur ohne Zweifel. Sie sind so perfekt, dass viele die Alternativen kaum beachten. Drei davon möchte ich kurz vorstellen:

Der deutsche Deutsche

Der traditionsreiche Pelikan Souverän M800 überzeugt sofort durch sein Format. Es ist für meine durchschnittlich große Herrenhand perfekt: Nicht unhandlich groß, nicht fummelig klein. Seine massive Kolbenmechanik aus Messing verleiht ihm ein auffallend hohes Gewicht, was die Anmutung der großen Goldfeder ergänzt. Dieser Stift macht seinem Namen alle Ehre: Er gleitet über das Papier wie eine deutsche Oberklasselimousine über die Autobahn. Prominent als „Stresemann“ mit grünen Streifen, hat mich die einheitlich schwarze Variante mit goldenen Beschlägen durch ihre schlichte Schönheit überzeugt. Der charakteristische Pelikanschnabel an der Kappe ist ein liebenswürdiges Detail.

Der britische Amerikaner

Der Parker Duofold ist das Flaggschiff des amerikanischen Herstellers und wird in Großbritannien produziert. Sein Format in der Größe International ist zierlicher als das des Pelikan, wobei er noch  gut in der Hand liegt. Auch sein Gewicht ist spürbar geringer, was vor allem daran liegt, dass ihm die Kolbenmechanik fehlt. Er wird wahlweise mit Konverter oder Patronen bestückt. Flink und verspielt ist der Duofold International und zum Verlieben ist seine Farbe: Amber Check. Die Tiefe und Lebendigkeit dieses Stückes Kunstharz in Kombination mit der hübschen Feder machen Freude. Bei Sammlern sehr begehrt ist der ausgefallene Duofold Mandarin Yellow. Auch Parker schmückt die Kappe mit seinem Markenzeichen, dem Parkerpfeil.

Von oben nach unten:
Parker Duofold und Pelikan Souverän

Der internationale Brite

Q: Now take a fountain pen, twist the top and a highly concentrated mixture of nitric and hydrochloric acid, dissolves all metals.

James Bond: Wonderful for poison pen letters.

Q: Ein ganz normaler Füllfederhalter. Man dreht hier oben und schon hat man eine exquisite Mischung aus Nitrit und Salzsäure. Die zerfrisst alle Metalle.

James Bond: Damit kann man die giftigsten Briefe schreiben. “Octopussy” – 1983; LO

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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