Gastbeitrag: Von der Liebe zum Wein …

Mit dem Wein ist es wie mit der Kunst.  Kunst kommt von Können, und nicht von Wollen, sonst hieße es “Wulst“. (Ludwig Anton Salomon Fulda Sinngedichte) Es gibt große Kunst und große Weine, es gibt Kleinkunst und einfache Weine, es gibt ehrliche Kunst und ehrliche Weine und leider auch umgekehrt und schlussendlich gibt es große Künstler und große „Winemaker“ und am anderen Ende der Skala Laienschauspieler. Das ist der Blick gerichtet auf die, die Wein erzeugen.

Dann gibt es auf der anderen Seite die, die den Wein konsumieren. Wenn es die nicht gäbe, wären die Weinerzeuger ohne Arbeit und Brot. Das Lager der Konsumenten verteilt nach Gauß reicht von “ambitioniert” und “von Erfahrung getrübt”, bis “Hauptsache es dröhnt”. Der Mittelwert liegt bei “es schmeckt oder auch nicht”.

Und irgendwo dazwischen stehen die Weinkritiker, für die abermals das nämliche gilt, wie für Kunstkritiker. Kritiker sind wie Eunuchen: Sie wissen wie’s geht, aber sie können’s nicht selbst. (Siegfried Lowitz) Ausnahmen bestätigen die Regel.

Soviel Gruß aus dem Keller und jetzt?

Was ist Wein? Wein ist durch biologische Abbauprozesse verdorbener Traubensaft. Die von Natur aus auf den Traubenhäuten domizilierenden Hefen suhlen sich nach dem Abpressen des Traubensaftes in der von mehr oder weniger Trauben-, möglicherweise auch zugesetztem Rübenzucker gesättigten Obstbrühe und tun das, was Mutter Natur ihnen aufgegeben hat. Sie verstoffwechseln den angebotenen Zucker in Alkohol und wenn der Zucker verbraucht oder der Alkohol übermächtig wird, krepieren die Hefen entweder an Unterernährung oder an dem von ihnen selbst erzeugten Dreck; so wie homo sapiens, wenn er weiter so mit Mutter Natur umspringt, wie bisher.

Das sollte an Sarkusmus genügen und deshalb zurück zum Spaß an der Freude.

Wein muss dem Konsumenten schmecken und wenn der Weintrinker mit dieser hedonistischen Erkenntnis nicht zufrieden ist, muss er wissen, warum (ihm) der Wein schmeckt, oder auch nicht. Wein schmeckt, wenn Süße, Salz, Säure und Bitterkeit in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Mehr als diese 4 Parameter ist der Mensch nicht in der Lage wahrzunehmen. Das so beschriebene Schmecken wird begleitet von drei weiteren Sinnen des Menschen, dem Sehen, dem Riechen und dem Spüren. Ist der Wein rot oder weiß? Riecht er nach Veilchen oder Pferdemist? Zieht er die Schleimhäute zusammen, dass es einem die Schuhe auszieht?

Der Rest ist Übung: üben, üben, immer wieder üben … aber richtig üben!

Lerneffekt ergibt sich anders als z.B. beim Aufnehmen einer fremden Sprache nicht, in dem man immer wieder die nämlichen Karteikarten durchpaukt, auch nicht in dem man eine Flasche Wein auf einen Sitz allein vernichtet. Merke: Das Leben ist zu kurz um (1.) schlechten (2.) immer wieder den nämlichen Wein zu trinken, auch wenn er noch so gut schmeckt.

Lerneffekt ergibt sich durch vergleichen; ganz einfach zwei oder drei Weine nebeneinander verkosten, drei verschiedene Weißweine, drei verschiedene Rotweine. Dabei ist geteilte Freude doppelte Freude. Laden Sie Freunde zum Verkosten ein, spontan oder nicht spontan, drei Flaschen Riesling aus einer Ortslage von drei verschiedenen Winzern auf den Tisch und die Frage lautet: Was unterscheidet die drei voneinander? Und so weiter, und so weiter…

Und spätestens nach dem 3. Versuch reift die Erkenntnis: Es gibt viel zu tun, packen wir’s an. JM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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