Turnbull & Asser – Bond, James Bond

Turnbull & Asser ist für die Briten eine Institution wie für uns Deutsche Mercedes-Benz. Die Firma ist bekannt dafür, Aristokraten wie Prince Charles, Winston Churchill, Hollywood-Größen wie Charlie Chaplin und Künstler wie Pablo Picasso einzukleiden. Prominenz erreichte das Haus dadurch, James Bond seit dem ersten Film als Hemdenmacher zu begleiten: Turnbull & Asser gehört zu dem britischen Spion wie Aston Martin, Wodka Martini! Geschüttelt, nicht gerührt! und schöne Frauen. Obwohl T & A zunächst einen verhältnismäßig konservativen Eindruck erweckt, wird es von seinen Kunden für die starken Farben und verspielten Mustern bei Hemden, Strickwaren, Strümpfen und Krawatten geliebt.

Das quasi unveränderte Lädchen an der Jermyn Street lässt auch heute noch das Herz des anglophilen Krawattenträgers höher schlagen.
Das quasi unveränderte Lädchen an der Jermyn Street lässt auch heute noch das Herz des anglophilen Hemden- und Krawattenträgers höher schlagen.

Turnbull & Asser – Die Geschichte eines Traditionsunternehmens

Turnbull & Asser wurde 1885 von Reginald Turnbull und Ernest Asser als Strumpfwarenhaus namens John Arthur Turnbull in der St. James’s Street in Londons Mayfair gegründet. Die Nachbarschaft ist auch heute noch gespickt von Gentlemen’s Clubs und teuren Geschäften: Der Erfolg war dementsprechend unbeschreiblich. 1895 wurde der Name in Turnbull & Asser geändert. 1903 bezog Turnbull & Asser den heutigen Sitz an der Ecke von Jermyn Street und Bury Street. 20 Jahre später wurde der Dress Code immer weniger formell und Hemden wurden kaum noch als Unterwäsche, sondern mehr als Oberbekleidung verstanden. Turnbull & Asser antwortete auf diesen Markttrend mit der Integration des Shirtmakings in das Geschäftsmodel: Es entwickelte sich daraus das, wofür Turnbull & Asser heute am bekanntesten ist.

Besonders beliebt war T & A in den 1960ern, als in London die Swinging 60ies gefeiert wurden. Die lebhaften Farben und modernen Designs mundeten der Kundschaft damals besonders gut. Dieser Stil prägte die Identität der Marke und ist auch heutzutage noch ein Grund, die Jermyn Street zu besuchen. 

Einen ersten Vorgeschmack auf die Farbpalette erahnen Sie auf diesem Bild.
Einen ersten Vorgeschmack auf die Farbpalette erahnen Sie auf diesem Bild.

In den 70ern und 80ern expandierte das gut gehende Geschäft. Vor allem die Amerikaner waren große Fans des Hemdenmachers. Die Expansion der RTW-Hemden durch die Department Stores der Ketten Bonwit Teller und Neiman Marcus war ein strategisch guter Schritt, um auch den fernen amerikanischen Kunden zu beglücken.

Für mich ist bei der Betrachtung von T & A entscheidend, dass die Marke neben all den unternehmerisch weisen Entscheidungen stets im tiefsten Kern britisch geblieben ist. Turnbull & Asser verkörpert den britischen Lebensstil perfekt. Es geht hier um Selbstironie und nicht die pure Eitelkeit. Das ist der wahre Schlüssel, um zu verstehen, warum der Engländer immer so elegant ist: Er nimmt sich nicht ernst.

Der britische Humor und die elegante Selbstironie wird durch kein Haus so gut dargestellt wie durch Turnbull & Asser.
Der britische Humor und die elegante Selbstironie wird durch kein Haus so gut dargestellt wie durch Turnbull & Asser.

Der Hemdenmacher von James Bond

James Bond bekommt bei mir natürlich immer ein eigenes Kapitel gewidmet: In 1962 begann Turnbull & Asser mit Sean Connery zusammen die Rolle des James Bond – bezogen auf Hemden – auszuarbeiten. Es wurde die berühmte James Bond Manschette entwickelt. Bei dieser benötigt die Doppelmanschette keine Manschettenknöpfe, weil sie mit normalen Knöpfen auf der ersten Schicht geschlossen wird.

Auch die folgenden Darsteller George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig – vor dem Wechsel zu Tom Ford – trugen T & A. Für den Film Casino Royale wurde sogar eine Special Edition des Abendhemdes und der schwarzen Schleife von James Bond angeboten.

Für den Gentleman, der seine Dame gerne mit einer Flasche Dom Perignon überrascht, ist Turnbull & Asser als Hemdenfirma unumgänglich.

 

Der Produzent der Stil-Ikone James Bond zu sein, ehrt das Haus immer noch, wie dieses kleine Museum zeigt.
Der Produzent der Stil-Ikone James Bond zu sein, ehrt das Haus immer noch, wie dieses kleine Museum zeigt.

Zusatzinformationen

Erstens, in der 1974er Verfilmung von The Great Gatsby fällt Daisy Buchanan in Ohnmacht, als Sie Gatsbys Hemdensammlung von Turnbull & Asser sieht. Dies ist vor allem unter dem Aspekt interessant, weil eigentlich Ralph Lauren den Film mit Klamotten ausgestattet hatte.  Zweitens, Archer – eine amerikanische Zeichentrickserie über den etwas doofen, aber sehr selbstbewussten Sterling Malory Archer, der als Geheimagent unter der Führung seiner alkoholkranken Mutter arbeitet – erwähnt häufig die Hemden von T & A. Drittens, Prince Charles trägt die Hemden von Turnbull & Asser schon von frühester Jugend an. Als ihm 1980 das Recht zugesprochen wurde, selbst Royal Warrants zu verteilen, ging das allererste an Turnbull & Asser. Viertens, Geheimagenten scheinen es dem Unternehmen angetan zu haben: Auch in dem modernen Agentenfilm Kingsman stattet Turnbull & Asser die Geheimagenten aus. MM

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Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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