Henry Poole – Über die Erfinder des Dinner Jackets

London. Ob denn der Smoking wirklich von Henry Poole erfunden wurde?, war einer der wohl für mich wichtigsten Fragen an Simon Cundey, Geschäftsführer bei Henry Poole in der siebten Generation. Die Antwort war klar und deutlich: Yes, that is correct indeed.  Die Geschichte dahinter und noch viele andere möchte ich im heutigen Artikel mit Ihnen teilen.

Simon Cundey und ich vor einem flaschengrünen Smoking Jacket.
Simon Cundey und meine Wenigkeit vor einem flaschengrünen Smoking Jacket.

Henry Poole – Die Gründungsväter der Savile Row

Doch fangen wir mit den Anfängen an, um die Spannung ein wenig zu steigern.  Henry Poole, Sohn des bekannten Militärschneiders James Poole, übernahm das Familienunternehmen im Jahre 1846.  Es dauerte nicht lange, bis Henry Poole mit seinem charmanten Charisma und ewigen Ehrgeiz zum Schneider der Prominenz avancierte.  Er kleidete unter anderem Napoleon III ein.  Als Beweis dient das Royal Warrant von eben diesen aus 1858, der anscheinend auch im Londoner Exil Wert auf gute Kleidung legte – vielleicht war es auch seine Geliebte Harriet Howard.  1869 ernannte Königin Victoria ihn auch zum königlichen Court Tailor – später auch Livery Tailor.  Dieses Warrant hat Bestand bis zum heutigen Tage.  Besondere (schneiderische) Aufmerksamkeit sollte man aber nicht nur der Mutter widmen, sondern vor allem ihrem Sohn Edward VII aka Prince Bertie.  Des Königs Einfluss auf und Sinn für zeitlose Herrenmode kann man nicht genug würdigen… und hierbei darf man sicherlich auch seinen Schneider vergessen: Henry Poole.

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Die verschiedensten Knöpfe mit Familienwappen aus der ganzen Welt werden immer noch in den Katakomben von Henry Poole gehegt und gepflegt.

Edward VII bittet um eine Variation des Fracks

Damit wären wir auch bei der eingangs erwähnten Geschichte zum Smoking.  1865 kam Prince Bertie mit einem besonderen Anliegen zu Henry Poole: Er käme sich bisweilen lächerlich vor, wenn er in seinem Freizeit-Schloss Sandringham mit einem Frack zu Abend speise.  Auf die Frage hin, ob Henry Poole & Co. eine sartoriale Antwort auf das Problem hätte, entwarf man einen kurzes Abendjackett mit den Attributen eines Fracks: Das Dinner Jacket war geboren.  Edward VII entschloss sich für ein Mitternachtsblau. Dieses gilt auch heute noch als einzig wahre (Farb-)Wahl für einen Smoking.

Der Weg des Dinner Jackets nach New York beziehungsweise Amerika war trotz der fehlenden Concorde damals nicht allzu lang.  Die Amerikaner nennen ihren Smoking – ACHTUNG: False Friend im Deutschen – ja bekanntlich Tuxedo. Die Mitglieder des Tuxedo Park Clubs waren natürlich auch Kunden bei Henry Poole und einer dieser war Mr James Brown Potter.  Mr Potter wurde 1886 zum Dinner ins besagte Schloss eingeladen.  Der Dresscode lautete: Royal informal evening.  Unsicher begab er sich zur No. 15 Savile Row und man erklärte ihm, mit einem short celestial blue evening coat sei man gut angezogen.  Er traf Bertie mit bestätigenden Kopfnicken im DJ – nein, kein Discjockey war zur Gegend – an und James, der wohl auch mitunter ob seiner betörenden Frau Cora – Edward hatte nicht nur ein Auge für Schönheit bei Kleidung – eingeladen wurde, brachte ein Dinner Jacket nach New York mit.  Aus Dinner Jacket wurde Tuxedo und das Kleidungsstück etablierte sich rasend schnell.

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Das Dinner Jacket von Henry Poole: Ich fand keine anderen Worte als “Das ist dann wohl das Original”.

Der Hausstil wurde über die Zeit perfektioniert

A Henry Poole is not made for Henry Poole, a Henry Poole is made for you! – Simon Cundey

Nicht nur, dass dieser Satz sich unverschämt gut reimt, sondern auch, dass so viel Wahrheit im dahinter steckt, beeindruckte mich nachhaltig.  Jedes noch so kleine Details wurde im Zuge der jahrhundertealten Historie perfektioniert und ist ein Spiegel der englischen Maxime: Understatement. Ein Henry Poole-Kunde möchte nicht auf 100 Meter als solcher erkannt werden: er will durch Zurückhaltung glänzen.  So kann ich fast garantieren, dass das erste Kompliment nicht dem Anzug, sondern Ihrem perfekten Auftritt gelten wird – ersteres wäre so oder so ein unelegantes Kompliment.

Henry Poole in Frankfurt am Main – 06.09.2017-07.09.2017

Wenn Sie ein Stück Zeitlosigkeit und britisches Understatement Ihr Eigen nennen wollen, kann ich sehr guten Gewissens die Trunk Show von Henry Poole in Frankfurt empfehlen.  Vom 06. September bis zum 07. September besucht Cutter Thomas George Pendry die Stadt am Main für Stamm- und Neukunden.  Ich weise hierfür gerne auf folgenden Link hin: Link zur Anmeldung.  Auch Genf und Zürich (Links zur Anmeldung hinterlegt) werden eine Woche später angesteuert.  Sie schreiben eine E-Mail an Thomas und meine Wenigkeit – wenn Sie sich des Englischen nicht mächtig genug fühlen, schreiben Sie gerne in Deutsch: ich setze mich für Sie in Verbindung.

Thomas George Pendry, Cutter bei Henry Poole, und Simon Cundey, Geschäftsführer der Savile Row No. 15+16, grüßen die deutsche Finanzmetropole schon vorab.
Thomas Pendry, Cutter bei Henry Poole, und Simon Cundey, Geschäftsführer der Savile Row No. 15+16, grüßen die deutsche Finanzmetropole schon vorab.

Zusatzinformation

Erstens, Königshäuser der ganzen Welt sind und waren Kunden des berühmten Schneiderhauses, das zwischenzeitlich 300 Schneider zählte.  Simon Cundey pflegt zu sagen: One might definitely say that Henry Poole was the Tom Ford back in the days.   Zweitens, ab 3:30pm war Old Pooley’s auch bekannt als Zigarrenlounge und damit Rückzugsort für die Hautevolee.  Drittens, nebst der oben beschriebenen – ohne Zweifel schön zu lesenden – Legende existiert auch die leider wahrscheinlichere Geschichte: bereits 20 Jahre vor dem Besuch von Potter hatten die Tuxedo Park Members William Waldorf Astor, Robert Goelet, Ogden Mills und Pierre Lorillard – selbstverständlich Kunden von Henry Poole – die Jacke bei Edward VII gesehen, kopiert und in New York etabliert.  Letztens, purely Bespoke: Das Haus bekräftigt im Interview, dass sie noch nie von ihrer Linie nur Bespoke anzubieten abgewichen sind und es auch nicht werden.  Wir l(i)eben Handwerk. MM

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Henry Poole & Co
No. 15 Savile Row
W1S 3PJ London
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Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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