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29. März 2019

Dead or Alive? – Der Navy Blazer

by

Maximilian Mogg

Dead or alive! Diese neue Reihe soll von ehemals populären Kleidungsstücken handeln, die zurzeit ein Schattendasein fristen – selbst in vielen gut ausgestatteten Herrengarderoben. Und um dieser neuen Reihe ein gewisses Maß an Seriosität zu geben, schnalle ich mir meinen (rhetorischen) weißen Vollbart um und stecke eine Pfeife an.

Geschichte

Es geht um den Navy Blazer! Er erinnert an Filmgrößen wie Cary Grant, David Niven und Michael Caine, die an der französischen Riviera oder in einem Club dem Leben frönen. Dabei entspringt der Navy Blazer keineswegs der Freizeitgestaltung, wie es bei den meisten hosenlosen Jacken der Fall ist.

Einer oft zitierten Legende nach habe er seinen Ursprung in der englischen Marine, um genau zu sein auf der HMS Blazer, deren Kapitän – zu Ehren eines Besuches von Queen Victoria – die blauen, kurzen, doppelreihigen Uniformjacken der Offiziere mit goldenen Knöpfen ausstatten lies.

Prinz Phillip (gespielt von Matt Smith) trägt in der Serie The Crown einen tiefschließenden 6×1, mit beiger Stoffhose, Regimentskrawatte und weißem Hemd – kurzum: die britisch-königliche Uniform für ein legeres Wochenende in der Stadt.

Ob diese Geschichte glaubwürdig erscheint, überlasse ich an dieser Stelle dem werten Leser. Eine nette Anekdote ist sie in jedem Fall.

Sicher jedoch ist, der Navy Blazer wurde schnell zu einer beliebten Freizeituniform, und das nicht ohne Grund. Geschickt getragen vereint er die Kombinationsfreudigkeit des Sportsakkos mit der förmlichen Erscheinung eines Anzugs. Um diesen Eindruck noch zu verstärken, empfiehlt es sich, dem (doppelreihigen) Navy Blazer, gegenüber dem (einreihigen) Clubsakko, den Vorzug zu geben. Das Clubsakko ist – meiner Meinung nach – dem Sportsakko zu ähnlich oder wirkt schnell wie eine umfunktionierte Anzugjacke.

Wieso, weshalb, warum –braucht man heute einen Navy Blazer?

Die Damenwelt hat seine Vorteile längst erkannt. Er ist ganzjährig tragbar, passt zu fast allem, und durch seine militärische Strenge ist er ein schöner Kontrast zu der meist etwas „sanfteren“ Damengarderobe. So kommt es, dass er heute häufiger im Kleiderschrank der Dame des Hauses als in dem ihres Gatten zu finden ist.

Weshalb aber ist er, bei den Herren, in den letzten Jahren so in das Hinterzimmer geraten?

Sind es die goldenen Knöpfe, die ihn tatsächlich etwas extravagant oder gar  Kostüm ähnlich wirken lassen?

Oder ist es der Ruf der eingestaubten Altherrenjacke?

Nun, in beiden Fällen ließe sich leicht Abhilfe schaffen.

So könnte man auf die Gold- oder Silberknöpfe verzichten und ihn kurzerhand mit braunen Hornknöpfen oder weißen, grauen oder blaue Perlmuttknöpfen ausstatten. Dies wäre dann nicht mehr klassisch, aber immer noch denkbar. Wichtig ist nur, dass sich die Knöpfe deutlich von der Stofffarbe abheben, da man sonst leicht auf die Idee kommen könnte, es handle sich um eine verirrte Anzugjacke, die am Träger hängt.

Ebenfalls kann mit der Anordnung der Knöpfe nach Gutdünken gespielt werden. Anstelle der klassischen 6×2-Formation könnte man 4×2, 4×1 oder, etwas extravaganter, 6×1 wählen. Prinz Charles geht sogar noch weiter und trägt einen Uniformähnlichen 8×3, in Anlehnung an seine Zeit bei der Royal Navy.

Auch beim zweiten Punkt muss man den Tatbestand nicht unnötig verkomplizieren. Es müssten ihn schlicht und ergreifend mehr junge Leute tragen. Als kleine Notiz am Rande mag hier angemerkt werden, dass er sich insbesondere für diese hervorragend anbietet, denn der schmale Geldbeutel, den die Jugendjahre gerne mit sich bringen, erzwingt ein geradezu ausgefuchstes Vorgehen, wenn man in gute und teure Kleidungsstücke investieren möchte. Vielseitige Stücke, die lange halten und der Situation ohne viel Aufwand angepasst werden können, sind also zu empfehlen.

David Niven trägt in Tod auf dem Nil diesen sehr klassischen 6×2 Navy Blazer. Er zeichnet sich durch eine klare, englische Silhouette und große Silberknöpfe aus. Dazu trägt er eine weiße Stoffhose und eine grüne Regimentskrawatte.

So könnte man ihn tragen

Auf einer Abendveranstaltung wäre die klassisch – konservative Kombination aus mittelgrauer Flanellhose ( im Sommer Fresco oder Mohair), entweder mit einem weißen oder cremefarbenen Hemd mit Kent- oder Tabkragen, einer Regimentskrawatte und schwarzen Oxfords denkbar.

Bei einem Bar- oder Partybesuch könnte man zu einer beigen Chino, einem farbigen Hemd und keckem Einstecktuch greifen. Als Schuhwerk böten sich braune Rauleder Oxfords oder Loafer an.

Tagsüber macht er eine gute Figur mit schwarzem Rollkragenpullover, Jeans und Rauleder Brogues.

Natürlich könnte man auch etwas experimentieren und an dieser oder jener Stelle etwas Farbe wagen, zum Beispiel mit einer farbigen Moleskinhose oder Rollkragenpullover. Jedoch möchte ich hier anmerken, dass die Kombination aus weißem Rollkragenpullover und Blazer mit Vorsicht zu genießen ist. Die Gefahr, für Kapitän Iglo auf Landgang gehalten zu werden, ist relativ groß. Allerdings hätte man mit einem weißen Vollbart schon ein vortreffliches Karnevalskostüm für das nächste Jahr in petto.

In dem Film Alfie trägt Michael Caine eine sehr schöne Variante des Navy Blazers. Der 4×1 hebt sich durch den tieferen Schließknopf etwas deutlicher von der doppelreihigen Anzugjacke ab und wirkt gleichzeitig durch die geringere Anzahl der Knöpfe etwas legerer.Lediglich das RAF-Emblem auf seiner linken Brust ist mit Vorsicht zu genießen, falls man nicht Mitglied dieses Vereins ist.

Der Navy Blazer, Alive! Wenn er auch in den letzten Jahren etwas in Ungnade gefallen ist, so hat er sich doch seine treuen Freunde erhalten. Sie haben die Vorteile dieser gelungenen Mischung aus Anzug und Sportjacke erkannt und tragen ihn störrisch entgegen aller modischen Trends. Denn – er ist eine wahre Bereicherung für Ihre Garderobe!

Also, geben Sie dem Blazer eine Chance und probieren Sie ihn mal aus, gerne auch Großvaters Variante aus dem Schrank. Diese ist oft besser als man denkt. TG/MM/JHS

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