Black Tie

Wie, wann und wo wird ein Smoking getragen? Das Internet ist meist keine verlässliche Hilfe, wenn man über Phrasen wie cravate noireblack tie oder Gesellschaftsanzug bei einer Einladung stolpert. Dieser Artikel beschäftigt sich deshalb mit den Kleinigkeiten, die den Gesellschaftsanzug vom normalen Anzug unterscheiden und dadurch den Abend besonders machen.

Eine Sache vorab: Das deutsche Wort Smoking ist ein sogenannter false friend im Englischen. Die Briten nennen die korrekte Jacke zur Black Tie Dinner Jacket. Das Smoking Jacket ist in Großbritannien ein Jackett aus farbigem Samt – meist Mittelblau, Weinrot oder Flaschengrün. Dieses wird bei formellen Anlässen übergestreift, wenn man mit anderen Herren das Raucherzimmer betritt und dem Tabakgenuss frönt. Im Anschluss daran wird, wenn man zu Tisch zurückkehrt, wird das Smoking Jacket wieder gegen das Dinner Jacket getauscht, damit man die Nasen der Tischdamen nicht allzu sehr mit dem Rauchgeruch belästigt. Die Amerikaner hingegen nennen ihren Smoking Tuxedo. Das Wort Tuxedo stammt vom sogenannten Tuxedo Club im Tuxedo Park, New York. Dort wurde der kurze Bruder des Fracks das erste Mal vom amerikanischen Tabakerben Griswold Lorillard am 10. Oktober 1886 getragen. Angus Cundey, Geschäftsführer von Henry Poole an der englischen Savile Row Nr. 15, entgegnete jedoch beim 100. Jubiliäumsjahr in einem Gespräch beiläufig: „We made a short Smoking Jacket for the Prince of Wales as early as 1865.“ (Roetzel, B.: Der Gentleman – Handbuch der klassischen Herrenmode, Black & White, Printed in India, 2014, Seite 325).  Im Deutschen wird auch das Wort Gesellschaftsanzug verwendet. Die vier Begriffe können als Äquivalente verwendet werden.

Das Jackett

Der erste offensichtliche Unterschied zum normalen Anzug ist die Farbe: Das Dinner Jacket ist entweder Schwarz, Dunkelblau oder Weiß beziehungsweise Écru.

Darüber hinaus hat der Smoking ein steigendes Revers oder einen sogenannten Schalkragen. Smokings mit fallendem Revers sind immer häufiger zu sehen, obwohl diese Reversform für festliche Anlässe nicht förmlich genug ist. Somit kommen nur die beiden erstgenannten Reversformen in Frage. Mit dem steigenden Revers zeigt sich die Verwandschaft des Smoking mit dem Frack. Der Smoking entwickelte sich aus dem großen Gesellschaftsanzug und wurde quasi nur um seinen Schwanz erleichtert. Der Schalkragen am Smoking wurde durch König Eduard VIII. , dem Duke of Windsor, gesellschaftsfähig. Es existiert die Meinung, dass der Schalkragen eher Herren mit runden Gesichtszügen und das steigende Revers eher schmalen Gesichtszügen stehe. Ich komme zu dem Schluss, dass die Regel in den meisten Fällen stimmt, aber nicht pauschal beantwortet werden kann – vertrauen Sie hier Ihrem Gefühl.

Das Revers sollte, egal um welche Art es sich handelt, aus Seide (Satin oder Rips), der restliche Anzug wiederum aus Wolle oder Kaschmirmischungen bestehen.

Es bietet sich an, sich einen Smoking mit nur halbem Innenfutter zu kaufen – der Rücken hat bei dieser Variante kein Futter. Bei Anlässen, bei denen es eines Smokings bedarf, sitzt man für gewöhnlich in klimatisierten Räumen und dadurch ist die wärmende Funktion eines Vollfutters eher störend.

Die Seitentaschen des Smokings haben im Gegensatz zum normalen Anzug keine Patten. Stattdessen sind sie mit einer doppelten seidenen Paspel verstärkt.

Es gibt zwei anerkannte Knopfleistenvarianten: Einreiher mit einem Knopf – die klassische Variante – und Zweireiher mit sechs Knöpfen. Die Knöpfe sollten in jedem Fall mit Seide bezogen sein. Ob Sie sich beim Zweireiher für eine 6-2 oder 6-1 Knopfvariante entscheiden, bleibt Ihrem Geschmack überlassen.

Ein klassisches Dinner Jacket hat keinen Gehschlitz. Dieses Schnittmuster verzeiht keine Fehler und ist viel aufwändiger in der Machart als ein solches mit zwei Schlitzen. Letzteres gilt aber als adäquate Alternative. Beide Modelle haben den gemeinsamen Vorteil, dass das Gesäß des Herren bei kaum einer Pose entblößt wird. Zweischlitzige Jacketts sind zusätzlich beim Sitzen angenehmer zu tragen.

Weste oder Kummerbund

Zu einreihigen Smokingmodellen wird entweder eine spezielle Smokingweste oder ein Kummerbund getragen, um das Hemd unterhalb des Jackettknopfes nicht zu zeigen, die Linie also nicht unnötig zu brechen. Ich empfehle deshalb die Nichtfarbe Schwarz; andere Farben sind kein Stilbruch, aber nur etwas für Geübte. Welche der beiden Varianten Sie nun wählen, ist wieder eine Frage des persönlichen Gustos. Im Übrigen: Tragen Sie den Kummerbund immer so, dass die Falten nach oben zeigen. Das zeugt davon, dass Sie das Kleidungsstück verstanden haben, denn die Falten beziehungsweise die kleinen Taschen haben den Nutzen, beispielsweise Theaterkarten hineinstecken zu können.

Die Hose

Die Hose ist – egal ob weißes oder schwarzes Jackett – immer dunkel, gleicht aber dem Material des Jacketts. Sie besticht durch einen geraden Schnitt und hat keine Umschläge. Außerdem sind die Hosenbeine seitlich mit schwarzen Seiden-Galonstreifen verziert. Selbstverständlich sind diese aus der gleichen Seide wie das Revers.

Auf einen Smoking trägt man keinen Gürtel. Dieser würde den Fluss des Outfits unterbrechen. Gürtelschlaufen sind am Smoking deshalb fehl am Platz. Stattdessen nutzt man Seitenversteller oder Hosenträger, um der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Oscar Wilde war, wie es scheint, kein Fan von ersteren und schrieb: „… it is from the shoulders, and from the shoulders only, that all garments should be hung.“ Wenn Sie ihm folgen wollen, aber Hosenträger gerade erst für sich entdeckt haben, wählen Sie breite Träger in weiß oder schwarz. Wenn Sie fortgeschritten sind, können Sie auch Farben wie Rosa, wenn nicht sogar gemusterte Varianten wählen. Eine kleine Anekdote dazu finden Sie unter Zusatzinformationen.

Das Hemd

Sie sollten auf ein weißes Hemd mit Klappmanschetten zurückgreifen. Die Knopfleiste ist entweder verdeckt oder wird mit externen Hemdknöpfen bestückt. Diese können aus Gold, Weißgold oder ähnlichen Materialien sein und sollten mit den Manschettenknöpfen koordiniert werden. Schön, aber nicht notwendig, ist ein Hemd mit gefältelter oder mit Baumwollpiqué verstärkter Hemdbrust. Diese sollte nicht zu lang sein, da sie ansonsten im wahrsten Sinne „in die Hose geht“: ein zu langer Besatz neigt dazu, sich beim Hinsetzen aufzuwölben, was der Eleganz nicht zuträglich ist. Als Kragen kommen ein klassischer Semi-Spread, Haifischkragen oder ein Vatermörderkragen in Frage.

Die Fliege

Zu einem Smoking passt keine Halsbekleidung besser als der schwarze Selbstbinder (Fliege). Ich benutze deshalb das alte Wort „Selbstbinder“, weil es sich für einen eleganten Auftritt in der Tat um eine selbstgebundene Fliege handeln muss. Der Knoten ist nicht kompliziert und bedarf nur ein wenig Übung. Das Material der Fliege sollte am besten dem Material des Revers bzw. der Gallonstreifen entsprechen. Fliegen aus Samt oder andersfarbiger Seide sind Alternativen, die Fingerspitzengefühl erfordern.

Die Schuhe

Es gibt nur wenige Schuhe, die zum Smoking passen. In jedem Fall sollten sie schwarz sein. Gerne können Sie glattlederne Oxfords auf Hochglanz polieren und mit Seidenschnürsenkeln versehen. Auch Lacklederoxfords sind dem Anlass angemessen. Für diejenigen, die auf Klassik bestehen und das nötige Selbstbewusstsein mitbringen, kommen auch Lackslipper – in der verschärften Variante Pumps mit Seidenschleife – in Frage. Sie wirken auf den ersten Blick femininer als Schnürschuhe, da viel Spann gezeigt wird, sind aber historisch betrachtet die klassische Variante, wenn man vom Frack ausgeht.

Die Strümpfe

Die Strümpfe sollten entweder aus Seide (klassisch) oder dünner Wolle sein. Ähnlich wichtig wie das Material der Strümpfe ist deren Länge: Wählen Sie knielange Strümpfe, denn nichts macht einen eleganten Auftritt so schnell und effektiv zunichte wie ein nacktes Männerbein, das aus der Hose hervorlugt. Bei den Farben darf experimentiert werden. Wie sonst gilt auch hier: mit schwarz sieht man auch gut aus.

Das Einstecktuch

Beim Einstecktuch kommt eigentlich nur Seide in Frage – eine sichere Wahl ist weiß; dunkelrot oder schwarz ist mutiger. Auch dieser Kleinigkeit kann mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Anstatt das Tuch einfach gefaltet in die Brusttasche zu stecken, können beispielsweise folgende Varianten gewählt werden, um dem Gesamtauftritt eine persönliche Note zu verleihen.

Zusatzinformationen

Erstens: Als passenden Mantel zum Smoking empfehle ich einen Chesterfield oder Crombie Coat. Diese einreihigen Mäntel mit verdeckter Knopfleiste sind die historisch förmlichsten Varianten und eignen sich daher perfekt als Ergänzung zu Smoking.

Zweitens: Wenn Sie sehr klassisch auftreten möchten, tragen Sie keine Uhr am Handgelenk. Der Smoking hat die Absicht in gewissen Maßen zu uniformieren; eine sportliche Armbanduhr fällt für meinen Begriff im Rahmen dieser schwarzen Uniform zu sehr auf. Eine Taschenuhr kann eine Alternative darstellen. Ich finde elegante, flache Armbanduhren sind das höchste der Gefühle – zum Beispiel die Cartier Tank.

Drittens: Dunkelblau beim Smoking kommt nicht von ungefähr. Die klassische Variante war und wird immer schwarz sein, aber dem Duke of Windsor ist aufgefallen, dass Dunkelblau unter unnatürlichem Licht schwärzer wirkt als Schwarz selbst, das unter Foto- oder Scheinwerferlicht eher gräulich wirkt.

Viertens: Hosenträger können auch gemustert sein, weil man Sie sowieso nicht zeigt. Klingt komisch, ist aber so. Denn am Abend wird das Jackett eigentlich nie abgelegt. Die Engländer machen sich aus dieser Art der Höflichkeit einen Spaß und tragen Hosenträger in den peinlichsten Dessins unter Ihrem Smoking, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, das Jackett abzulegen: pinke tanzende Flamingos zum Beispiel. 

Fünftes: Mehr Informationen finden Sie in der Serie Black Tie – Refined in meinem Journal.  MM

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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