“Der Aufbau einer Garderobe” von Bob, dem (Garderoben-)Baumeister!

Bob … wer zum Teufel ist Bob?  Bob ist unser gemeiner Garderobenbaumeister.  Interessanter Typ, sollten Sie mal kennenlernen!  Wir haben uns mit dem sympathischen und hilfsbereiten Kerl getroffen und ihn gefragt, wie man eine Garderobe aufbaut.  Die Antworten erschüttern.

Fragen Sie Bob!

Beginnen Sie einfach und logisch

“Lieber Bob, wenn Dich einer fragt, wie man eine Garderobe aufbaut.  Was würdest Du antworten?”

“Die Antwort ist einfach und hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert. Paul Lewis, ehemaliger Chef vom Schneiderhaus Kilgour, hat es bereits 1981 auf den Punkt gebracht: In einer Krise ist konservative und hochqualitative Kleidung die Lösung.  Menschen wollen Dinge, die lange halten!  Dementsprechend investieren Sie lieber in wenige und dafür gute Stücke, und nicht in viele weniger gute!  Damit wären wir beim ersten Anzug:  Einem Allrounder.  Man sollte die Antwort nicht verkomplizieren:  Ein navyfarbener Anzug ist der beste erste Anzug, den es gibt.  Die Formalitätsspanne des Anzugs ist breit, die Anzugfarbe harmoniert hervorragend mit allen Hauttypen – selbstverständlich ist die Wahl der schlussendlichen Nuancierung des Navys Geschmackssache und auf den individuellen Haar- und Hauttyp abzupassen.  Gute Schneider werden zu einem qualitativ hochwertigen und schweren Material raten, das die nächsten 15 bis 20 Jahre bei sachgemäßer Pflege halten wird.  Meiner Meinung nach ist ein dunkelblauer Fresco oder ein schwerer Twill ein guter Anfang.  Der Fresco ist vorzuziehen, weil er knitterresistenter und durch die offene Webung atmungsaktiver ist.  Eine zweite Hose ist immer eine gute Idee.  Der Anzug sollte ebenfalls nicht zu sportlich stilisiert sein, damit er auch zu formelleren Anlässen tragbar ist.  Es empfiehlt sich ein Dreiteiler mit Spitzrevers oder ein Doppelreiher.”

Der zweite Anzug … und alles danach?

“Das ist hervorragend, Bob!  Und wenn man das gute Stück dann sein Eigen nennt, wie geht es dann weiter?”

Hören Sie auf Bob!

“Auch hier rekrutiere ich wieder von englischem Allgemeinwissen.  Als zweiten Anzug würde ich einen dunkelgrauen Flanell folgen lassen.  Der Anzug wird Ihre formelle Winteralternative.  Auch hier würde ich eher förmlich als sportlich empfehlen.  Andere Schneider raten als nächstes zu einem Blazer; ich persönlich finde die Idee nicht schlecht, gerade mit einer Flanellhose gepaart, aber denke, dass ein gut sitzender Blazer – wenn die Figur nicht allzu kompliziert ist – auch in der hochwertigen Konfektion und/oder “patiniert” zu finden ist.  Die nächsten Anzüge wären meiner Meinung nach ein sportlicherer Anzug z. B. in einem Prince-of-Wales Check oder einem Kreide- beziehungsweise Nadelstreifen.   Danach ein klassischer Dinner Suit, gefolgt von einem klassischen doppelreihigen Mantel.  Hemden kauft man en passant immer mit. Hier sollte man versuchen – immer genug weiße und hellblaue Hemden sein Eigen zu nennen.  Mit Farben und Mustern kann gespielt werden, sobald in Sachen Hemden die Grundbedürfnisse – ich schlage vor drei weiße und drei hellblaue aus Poplin oder Zephir – befriedigt sind.”

Wann ist man fertig?

“Das macht alles Sinn!  Und wie geht es dann weiter? Ist man irgendwann fertig?”

“Das hängt ganz von dem Träger ab.  Wenn der Träger jeden Tag Anzug trägt, sollte er definitiv versuchen, für jeden Tag der Woche einen Anzug zu haben und den Anzug auch nicht mehr als einmal die Woche zu tragen.  Die Lebensdauer der Garderobe verlängert sich dadurch dramatisch.  Absolute Profis versuchen dementsprechend, fünf bis sechs Anzüge für den Herbst und Winter und fünf bis sechs für den Frühling und Sommer ihr Eigen zu nennen.  Wenn der Träger nur selten zum Anzug greift, ist es fast Unsinn so viele Anzüge zu haben.  Hier sollte man eher versuchen, früh in Kombinationen zu investieren.  Das heißt, mehrere Hosen in verschiedenen, gedeckten Farben und einige zur Saison passende Blazer – vielleicht ein schöner Tweed für den Winter, ein leichterer Puppy- oder Houndstooth für den Frühling und ein klassischer Navy-Blazer.”

Welcher Schneider soll’s sein?

“Und welche Schneider passen zu wem?”

“Die Frage ist relativ einfach zu beantworten.  Meiner Erfahrung nach sollte man einfach zu dem gehen, dessen Stil einem am besten behagt.  Wenn man sich dann noch mit der Person gut versteht, ist vieles schon mal im Lot.  Warum?  Einerseits hat man schon einen gemeinsamen Nenner in Sachen Geschmack, und zum zweiten kann man mit Menschen, mit denen man sich gut versteht, offener sprechen.  Das ist wahrscheinlich das wichtigste in dem Metier Garderobe.  Nur, wenn man viel und offen miteinander kommuniziert, werden Wünsche richtig verstanden und umgesetzt.  Dann geht es daran, in der Formsprache des Schneiders seinen eigenen Stil zu finden.  Die schönste Garderobe, die ich bisher gesehen habe, war eine Garderobe von über 100 Anzügen und 200 Hemden, die im Zuge von 50 Jahren aufgebaut wurde.  Die Anzüge waren immer ähnlich in Schnitt und Stilisierung – unabhängig vom jeweilig aktuellen Modetrend.  Viel schöner waren aber noch die kleinen Details, die der Herr bei allen Kleidungsstücken hatte.  Ein wirklich persönlicher Stil.”

Gute Anzüge sind wie gutes Essen und guter Wein … ein Lebensstil.

“Und warum überhaupt Anzüge?”

“Die Menschen, die ich kenne, haben keine Lust mehr auf das ewige und erzwungene Casual, wenn es nicht authentisch ist.  Man schreitet zurück zur adäquaten Kleidung.  Und warum?  Weil – gute Anzüge sind, ähnlich wie gutes Essen und guter Wein, Lebensstil.  Außerdem wird mir jeder Mensch Recht geben, wenn ich sage, dass Kleider immer noch Leute machen.  Ein guter Schneider lässt Sie schlanker, jünger und sexier aussehen.  In einem wunderschönen Anzug werden Sie sich komplett anders fühlen.”

Gern geschehen.

“Vielen Dank, Bob!”

Bob, der Garderobenbaumeister, ist ein komplett fiktionaler Charakter, den wir für Sie kreiert haben.  Er wird uns in Zukunft sicherlich öfter beehren.  MM/JHS

Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

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