Alexander Kraft – 5 Ratschläge einer Stilikone

Wir Deutschen werden international leider nicht unbedingt mit gutem Kleidungsstil assoziiert; verehrt werden wir eher für den Maschinenbau, die Dichter und unser – teilweise nerviges – Bestehen auf Pünktlichkeit und Präzision. Die Zeit schrieb in ihrem Artikel Wie man sich in Deutschland kleidet (Jens Jessen, 2004) treffend, dass die schreckliche und rührende modische Unbewusstheit des Deutschen vor allem einen Grund hat: Er weiß nicht, dass Mode eine Sprache ist, das heißt, immer ein Ausdruck von etwas. Dass es herausragende Ausnahmen von der Regel mit internationalem Rang gibt, lässt hoffen. Alexander Kraft, Vorstandsvorsitzender und Eigentümer von Sotheby’s International Realty France Monaco, ist in der Modewelt so allgegenwärtig und stilgebend wie in der Geschäftswelt. Kaum ein Mann versteht die Sprache und Aussagekraft seiner Kleidung so sehr wie Alexander Kraft. Er dient damit ungezählten Gentlemen als Vorbild.

Der Dreiteiler mit doppelreihiger Weste von Cifonelli: Ein Kraft Markenzeichen.
Der Dreiteiler mit doppelreihiger Weste von Cifonelli: Ein Kraft Markenzeichen.

Ein Leben auf der Überholspur

Während die Herren auf der Pitti Uomo ihn und seinen Stil nachahmen, finde ich die Gesamtkomposition Alexander Kraft viel interessanter. Der gebürtige Berliner Kraft studierte Jura in Göttingen, Berlin und Cambridge, bevor ihn sein Promotionsvorhaben an die University of San Diego zog. Ziel war zunächst der diplomatische Dienst, doch sein Interesse für Kunst führte ihn zu einem Praktikum bei Sotheby’s in Beverley Hills und eröffnete ihm damit eine großartige Möglichkeit. Nach nur kurzer Zeit wurde ihm eine Management-Trainee-Stelle angeboten, gefolgt von der Frage, ob er nicht auch Interesse an der aufstrebenden Immobiliensparte des berühmten Auktionshauses habe. Kurzentschlossen antwortete er mit Ja und saß bereits 26 jung im Vorstand der Sotheby’s International Realty. Im Alter von 32 wurde ihm ein Management Buy-Out angetragen und er konnte sich ein Land seiner Wahl aussuchen, um die dortigen Sotheby’s International Realty – Markenrechte zu erwerben und ein Firmen-Netzwerk in Eigenregie aufzubauen. Die Wahl fiel auf sein Lieblingsland Frankreich mit Hauptsitz in Monte Carlo; inzwischen operiert Kraft dort circa 50 Immobilienbüros und verkauft jährlich Luxusimmobilien im Wert von ungefähr 1 Milliarde Euro, was ihn zu einem der Marktführer in Europa und weltweit macht. Der karrieretechnische und wirtschaftliche Erfolg von Alexander Kraft lässt sich kaum anders beschreiben als ein Leben auf der Überholspur.

Alexander Kraft bei Cifonelli.

Ein einzigartiger Stil

Die Wurzeln

Dass dabei sein Kleidungsstil nicht auf der Strecke geblieben ist, verdankt er nicht zuletzt den familiären Wurzeln: seinem Großvater. Großvater Kraft war ein Gentleman der klassischen Schule und war zu jeder Gelegenheit passend gekleidet; das war eine Selbstverständlichkeit für ihn. Unterstützt wurde er dabei von einem Berliner Maßschneider, der ihm sartorial unter die Arme griff. Alexander Kraft erzählt mit einem Lachen:

Ich war zwölf Jahre alt, als mein Großvater starb und mir ein Vermächtnis  hinterließ, das mich faszinierte, aber mit dem ich altersbedingt noch nicht allzuviel anfangen konnte: Mehr als 30 Maßanzüge und 200 Zigarren.

Schon von frühester Kindheit an kaufte Kraft seine Kleidung selbst und hatte Lust daran, seinen Charakter durch seine Garderobe zu unterstreichen. Qualität stand immer an vorderster Stelle und Alexander Kraft betont mit Nachdruck, dass dies nichts mit einem großen Portemonnaie zu schaffen hat. Während seiner Studentenzeit habe er das gleiche gemacht, was meine Firma Maximilian Mogg heute anbietet.

Neben hochwertiger Konfektion und Made-to-Measure Produkten habe ich auch Vintage Savile Row Anzüge, Jacketts und Mäntel erstanden, und mir diese dann auf den Leib umschneidern lassen. 

Eine Liebe zur Qualität

Qualität ist für Alexander Kraft nicht unbedingt eine Frage des Preises, sondern des Handwerks, der Liebe und der Zeit, die in die Herstellung des Produkts investiert wurde. Der Träger sollte versuchen, ein Verständnis für handwerkliche Qualität und ein Auge für leider oft übersehene, aber für den Kenner auschlaggebende Details zu entwickeln. Er erläutert im Interview:

Wie oft sehe ich Herren in 7000 € – Anzügen, die sich nicht um die Details kümmern und damit ihr Investment zunichtemachen. Die Hosen sind zu lang und stehen auf den Schuhen, die Sakkoärmel sind zu lang und zu weit, das Jackett ist untailliert und das Hemd zu groß. Der Teufel steckt im Detail!

Der heutige Stil

Sein heutiger Stil ist ein Resultat vieler (teilweise unglücklich verlaufender) Experimente mit diversen Maßschneidern in der ganzen Welt, die ihn letztendlich zum Pariser Haus Cifonelli und dem Florentiner Schuhmacher Stefano Bemer führten.

Bei beiden Häusern reden wir von herausragender Haute Couture-Qualität. Bei Cifonelli arbeiten im Pariser Atelier mehr als 45 Schneider vom ersten bis zum letzten Nadelstich ausschliesslich von Hand. Man findet dort keine Nähmaschine. Eine Passform und eine Liebe zum Detail (Boutonnière, Kopflöcher, “roped” Schultern etc.) wie dort habe ich in dieser Form noch nicht gesehen. Das gleiche gilt für Stefano Bemer in Florenz, dessen Schuhe handwerkliche Kunstwerke sind.

Die Kombination mit ausgewählten Maßhemden, Strümpfen, Uhren, Einstecktüchern, Manschettenknöpfen und Krawatten ist schlussendlich die Kür für Alexander Kraft.

Eine Aufnahme auf dem Tenniscourt mit Bertie.
Eine Aufnahme auf dem Tenniscourt mit Bertie.

5 Ratschläge der Gallionsfigur Alexander Kraft

Auf meine Frage, ob der Unternehmer den Lesern dieses Journals Ratschläge mit auf dem Weg geben möchte, beschrieb Alexander Kraft folgenden großen Bogen:

  1. Die erste Frage sollte immer lauten: “Wer bin ich und was gefällt mir?” Mit diesem Schritt schafft man Authentizität (nicht nur in Kleidungsfragen) und spiegelt seinen Charakter nach außen wider.
  2. Suchen Sie sich Stilvorbilder und lassen Sie sich inspirieren, aber seien Sie dabei realistisch und selbstkritisch. Ist Ihr Körper eher genussorientiert, sollte Alain Delon nicht das Maß der Dinge sein.
  3. Der Teufel steckt im Detail: Ich empfehle nicht an den Kleinigkeiten zu sparen, sondern gerade in diese zu investieren. Gute Schuhe, Krawatten, Uhren, Hemden und Manschettenknöpfe haben die Macht, ein Outfit auf dass nächste Level zu heben… oder aber in den Orkus zu stürzen.
  4. Guter Stil ist nicht unbedingt eine Frage des Geldes. Investieren Sie bei Anzügen, Hosen und Sakkos – in jeder Preislage – immer in Änderungen, so dass Länge, Weite und Passform stimmen. Ein wenig Weiterbildung rund um die Regeln der klassischen Herrenmode (und des Benehmens) sind eine intellektuelle Investition in Ihre Zukunft.
  5. Vintage-Objekte sind eine hervorragende Alternative, mit wenig Geld einen einzigartigen Stil zu kreieren und gleichzeitig interessanten  Return on Investment zu generieren. Die Stoff- und Handwerksqualität z.B. von Vintage Savile Row – Anzügen schlägt die heutige Designer-Massenware oft um Längen und zeugt von Geschmack und Stil. Auch bei Uhren, Accessoires und sogar Autos sind Vintage-Objekte oft überraschend erschwinglich und weitaus bessere Geldanlagen als 08/15-Ware.

Um endlich das schreckliche Vorurteil über deutschen Geschmack ins Positive zu wenden, sollten wir diese Regeln beherzigen. Großvater Kraft wäre sicherlich stolz auf seinen Enkel (und uns).

Zusatzinformationen

Erstens, nebst Mode und Immobilien hat Alexander Kraft eine Passion für Möbel und Oldtimer. Zweitens, mit Cifonelli zusammen ließ er die doppelreihige Weste wieder aufleben, ein von mittlerweile vielen Gentlemen inspirierter Stil. Bei Cifonelli heißt der Stil in Anlehnung an den Träger AK. Drittens, der fünfte Ratschlag könnte der Leitspruch meines Unternehmens werden. MM

Alexander Kraft Chairman & CEO Sotheby's International Realty France - Monaco Instagram
Alexander Kraft
Chairman & CEO
Sotheby’s International Realty France – Monaco
Instagram
Maximilian Mogg

Kreativdirektor & Chefredakteur

No Comments Yet

Comments are closed